Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 26 (1.8.1884)
- Date
- 1884-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Stadtcommune zu' dem monumentalen Baue,! der der ganzen Stadt zur -Zierde gereicht .unserem Gemeinde eine Bcibilse, resp. ein Ehrengeschenk von 4500 Mark und dem Schreiber dieser Zeilen die Befreiung vom Schulgelde, als auch -von den Com׳ munal-Abgaben. Unsere Gemeinde reiht sich bezüglich ihrer- Verwaltung und ihrer Institutionen ebenbürtig den intelligentesten Gemeinden Deutschlands an. Besondere Verdienste um - das Emporblüben der Gemeinde haben.sich erworben: Die Herren Vorsteher Teichmann, Sachs, Hammer, A. Friedländer, Neinberger und Lohnstein. So mögen alle ihre Bestrebungen, die in Treue und Redlichkeit angeordnet worden, sich erhalten.zum Wohle unserer Gemeinde und zur Zierde unseres Gottesdienstes. Das walte Gott. Israel, Hellas und Rom. II. Stellen wir zuvor den Ursprung dieser drei Völker neben einander. Mau weiss wohl, von. welchem, entscheidenden Einstuste dieses Moment in der Geschichte der Nationen ist. Israels Ursprung beruht in der Familie. Wir. kennen den Stammvater, mit dem die große Kette begann, die Stamm- Häupter, die Stämme; die Stammg en os s e n schaft.. blieb das wesentliche Element der äußeren Existenz Israels. Hellas ist aus einer Sammlung von C o l o n re n, cgyptischer, phönicischer, kleinasiatischer und thracischer Abkunft, ja aus mehreren Volksschichten, wenn ich so sagen darf, hervorgegangen; denn wenn man auch Pelasger und Hellenen nur als verschiedene Bildung sep och en annimmt, müssen sich diese letzteren .doch au gewisse Stämme, denen das Uebergewicht blieb, gelehnt haben. Kümmerlich führte eine später singirte Genealogie auf einen gemeinschaftlichen Ursprung, die charakteristisch unterschiedlickcn Stämme bildeten nie ein,Ganzes. Nom verdankt sein Entstehen einer zusammengerafsten Horde, der es um ein gemeinschaftliches Asyl und eine imm^r wachsende und ausgedehntere materielle Krastäußerung zu thun war. — Sehen wirnicht hierin schon den gelammten Lebensgang dieser Völker vorgezeichnet'? — Betrachten wir hierzu noch den Schauplatz, wo sie ansiraten. Israel in einem so bestimmt umgrenzten Gau, dass sich die Bezirksmarken schon von selbst umgaben. Niugsum bedeutendes Gebirge, .selbst die Meerseite so felsig, dass höchstens ein Hafen die Verbindung mit d.er Welt gestattete. Die Landschaft selbst halb Höhe, halb Thäler; ein das Land der * ganzen LänLe nach durchströmender Fluss, der im Thale entspringt und mündet, mit jährlichem Austritt; der Boden, theils zum Ackerbau, theils zur Viehzucht geeignet; alle Bedürfniße des Lebens darbietend, sich selbst genügend; ein wechselloses Klima; eine bestimmte Temperatur, sichere atmosphärische Verhä-ltyiße. Hellas dagegen theils auf eine Halbinsel, theils auf Inseln, theils aus einen Küstenstrich versetzt; diese Halbinsel aller Orten mir Einschnitten des Meeres und Lanzungen versehen; Mittelpunkt zwischen Asien, Europa und Afrika, eigentliche Uebergansstation der Cultur von Ost nach West, fruchtbar, aber eher anregend und bedürfniserweckcnd als befriedigend; überall Bäche und Flüsschen, Höhe und Niederung, der heiterste Himmel, eine von Seewinden gekühlte Temperatur. N 0 m, die - Hügelstadt, um sich die Campagna, so von selbst eingeladcn herunterzusteigen und in Besitz zu nehmen und immer weiter zu schreiten, ohne den Focus seiner Macht, das sesthaltende und sestzuhaltende Centrum, das Herz mit dem Pulsschlage, 91 o m selbst zu vergessen. Die ganze Welt wurde zur Ebene, die Sieben- Hügelstadt zur alleinigen Höhe..׳ - Rom hatte nichts eher, ■ .als. bis es dasselbe brauchte; als es zum Meere kam, bekam es Schiffe; 91om brauchte aber, und darum mußte es haben; es konnte weder von sich noch von der Landschaft zehren. Nom mußte Sicilien und Egypten haben; um diese zu beko men, mußte es erst vieles Andere baden, und da es dies hatte, brauchte es.immer mehr, ja Alles; 91om's Stellung mußte zu aller Zeit.sein: Entweder Alles oder Nichts! : . Dieser Ursprung und dieser Schauplatz der drei Völker steht denn auch mit - dem Charakter derselben ln vollständiger Uebereinstimmuug. Israel hat die Innerlichkeit des Lebens, Hellas die A eu ß e r l i ch k e i t des Lebens, 91 o m das materielle Leben erfasst und produeirt. Alle Seiten des menschlichen-Herzens, alle snbjectiven Bezüge und Verhältniße des Menschen werden im israelitischen Leben ans Lickt gezogen und vibiriren in dieser Literatur nach ihrer Unbegrenzlbeit. Vor allem wird da der innere Mensch vor dem äußeren hervorgehobsn und .jener inweit getrenntes, hoch übergeoronetes Verhältnis gegen, diesen gestellt,, ja das höchste Streben, das Ideal des Menschen in eine reine Geistigkeit gesetzt. Anders im Hellenischen. Da wird der Mensch gefasst, wie er in der Erscheinun.g uns entgegentritt., Als ein Ganzes, dessen einzelne Theile in harmonischem. Verhältniße stehen und ausgebildet werden sollen, das zu fassen wir zuerst seine sichtliche Gestaltung aufnehmen müssen, dessen Ideal daher in der vollendeten Körperlichkeit darzustellen ist. Jn.Nom war und . wollte Alles nur Macht, das öffentliche Leben, die Volks- und Staatsinteressen drängten alles Andere, zurück, geistige Bestrebungen fanden nur in dem. Spiele dieser ihre Wirksamkeiten, und»man möchte es für ein Symbol annehmen,, wenn .dem. bedeutendsten römischen Redner und erstem wissenschaftlichen Kopfe Urm und Zunge von. einem politischen Parteigänger abgelöst werden.. Wir können daher, die Principien dieser drei alten Welten mit bestimmten Worten bezeichnen: in der israelitischen die Erkenntnis,, in der hellenischen die S ck ö n h e i t,. in der römischen die E h r e. Bezeichnend und .beweisend ist es, dass der 91ölnet eben dem lobenswerthesteu Manne die Ehrenhaftigkeit zuschreibt (bon68ta8 von bonor), der Grieche die kalokagathia (Schönheit und Güte, verbunden, d. h. .die harmonische Darstellung, des Innern wie Acußern), der Hebräer sagt 21Ü2N Gen. 6, 1. 17, 1. besonders 13 ,18 תמים עם אל. Ps. 18, 24. dgl; Wersen wir nun einen Blick in die eigenthümliche Welt, die jedes dieser. Völker sich ausgebaut.- Israel c.onstruirte sich zuerst. eine, der.- höheren Welt unlergebaute irdische. — Gott als Vorsehung, als 91ichter, alß gestaltlose unendliche Heiligkeit, der Mensch..als sündhaft, aber nach Reinheit strebend, ringend dar-, nach, heilig.. zu. werden. .. Jene die Schuld wahrnehmend aber versöhnend, dieser die.Schuld sühnend, um ihrer, bar zu werden. Darum die irdische Welt als vergänglich,, als eitel in sich, aber, als Mittel, als Durchgang zur höberen erkannt. Die Körperlichkeit theils als ursächliches Moment der Mangelhaftigkeit,. theils als verschwindendes, also nicht integrirendes Element des Menschenieins (Gen. 3, 19.). Darum alles Menscdenwerk nur dem innern; moralischen Gehalte noch einen Werth habend, sonst als Schöpfung des Augenblickes, verächtlich oder doch gleichgiltig. (Koheletli), Wie verschieden von diesen steht die hellenische Welt da. Wie das göttliche Element ihnen in idealischer menschlicher Gestalt entgegen trat und an der menschlichen Leidenschaft wie am menschlichen Genuss Theil nahm, so galt eben hier nur die sichtliche und sinnliche Welt, die den Menschen in höchster und sinnlicher Harmonie umfing. Man kann nicht .sagen, dass bei