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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-07-24 · Heft 25 (24.7.1884) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 25 (24.7.1884)
Date
1884-07-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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-L — Staat waren, die den beiden. Völkern des Altertbnms übergeben worden und werden konnten, so dass deren ganz neue Enttvickelung in immer neuen Substraten beginnen musste So war es den Griecken nur vorbebalren. eigentlich der Bild Hauerknnst ihre Vollendung zu geben, wo bingegen die Malerei, zn der die Phantasie obne Verbindung des Gemütbes nicht ausreicht, bei ivuen in der Kindbett blicb. Glücklicherweise erbielt die Dramatik von den Griechen eine wenigstens partielle Vollkommenbeit, die griechische Lyrik gewann nur eine Formentwickelnng. Gleicherweise war den N ö nt e r 11 nur die D e m okratie zur Entwickelung überantwortet, wo bingegeu die Monarchie sebr plump bei ibnen ansfiel und an Constitution nicht zn denken war. Die Religion jedoch kann vermöge ihrer Natur keine r h e i l w e i s e Entwickelung erhalten, ist daher stets ein Ganzes und ein All, von dem wesentlich nnr ibre Stellung gegen die s ociale Welt und die Verbreitung der Erkenntnis einer theilweisen Entwickelung anbeim fallen kann. Die Religion entwickelt sich in sich als Trennung des Absoluten vom Snbjccriveu und als Vereinigung des Glaubens mir dem Erkennen — das ist aber nicht ein Sichtliches, das sich spalten lässt, nicht eine Aufgabe, die in Themata getrennt und ausgetheilt werden kann. — Dieses Verständnis eröffnet uns die wahrhafte Philosophie der israelitischen Geschichte. Sie zeigt uns, wie das Zufällige von dem Wesentlichen in derselben zn trennen und zu begreifen׳ fei. Ste stellt uns die Anfiösnng des israelitischen Staates, die von Salomon abwärts bis auf die Zerstörung durch Titus so allmäiig, dem Gange der Neligivnsentwickelung gemäß, verlief, als eine Noihwendigkeir dar, die von der Aufstellung eines Ideals israelitischen Staates in der mosaischen Gesetzgebung und dessen Nichieriüllnng ans, naturgemäß vorwärtsschritt. Zu gleicher Zeit zeig! sich dadurch eine nächste und spätere Zukunft in io klarem Lichie, dass eine näbere, detaillirre Bearbeitung der bier angedeureten Ideen in den folgenden Aufsätzen nickt ohne Lösung mannigfaltiger Fragen bleiben wird. (Fortsetzung folgt.) . Ans Jerusalem. Die .Drobobyczer Zeitung^ enthält einen aussübrlichen Bericht über die jetzigen Verbältniße im gelobten Lands, na mcntlick in Jerusalem, dem wir Folgendes entnehmen: j Mau ickätzi die Zahl der jüdischen Bevölkerung Jerusalems! gegenwärtig auf 15.000 Seelen, darunter 8000 Aschkenasim und 7000 Sesaidim, man trinkt in Jerusalem nnr Cisternenwasser. woraus gegen Ende des Sommers viele Krankheiten, das Fieber n. s. w. entstehen. Letzteres ist im Allgemeinen nickt tödtlich, schwächt aber sehr. Eine englische Dame wollte der Stadl das Wasser der ברכי״שלמה im Ueberfluße verschaffen, indem sie auf ibre Kosten die alte Wäfferleitnng, die 29.000 Pfund Sterling kosten sollte, berrickten wollte, jedoch die Regierung hat die Erlaubnis hiezu nicht erlheilt. Für die jüdischen Kranken ist das Nothschild'sche Spital, das nur leider zu klein ist und wo sowohl ärztliche Behandlung als auch Arzneien ohne Bezahlung gewährt werden. Ferner ist das LilLuv-Ockolim-SpiIal vorhanden, wo man gegen eine mäßige Bezahlung gut versorgt wird. Endlich ist der Verein, משגב לדך, dessen Mitglieder monatlich 25 Pfennige zahlen, und den Armen unentgeltlich den Arzt, die Verpfiegung, Medicamente und anderes Nötbige verschaffen. Auch noch einige andere kleinere Vereine bestehen, aber Alles, was in dieser Beziehung geschieht, ist noch.nicht ausreichend. Namentlich.ist auch die schlechte und ungenügende Ernährung eine Hauptursache von Schwäche, und damit zugleich eine Quelle des vorhandenen Elends. Um den Mißständen abzuhelfen, wäre, entweder die schteunigi'le Errichtung eines großen Spitals oder eine Vergrößerung des Nothschild'schen Spitals zu wünschen, es müssen die ärztlichen Ratbichläge veröffentlicht und hauptsächlich der Stadt in größerem Ueberfluße Wasser verschafft werden. Bezüglich des Platzes, wo sich die Grabstätten der Profeten befinden, erfahren wir aus dem Berichte folgende Tbatsache: ׳ Die Israeliten batten immer ans diese Gräber, welche sich auf dem Oelbergs befinden, dieselben unbestrittenen Rechte wie ans das Denkmal Absaloit's oder ans alle übrigen jüdischen Gräber. Als sie jedoch vernahmen, dass die Araber die Absicht hätten, das angrenzende Terrain zu verkaufen, beeilte sich die israelitische Gemeinde, dasselbe selbst zu erwerben- Man kam über den Preis überein, man lhat bei der 'türkischen Regierung Schritte, und es fehlte nur noch eine einzige Formalität. Mittlerweile bat der rnsiiscke Archiinandrir (griechischer Geistlicher) mit deit Veikäufern den Kauf abgeicklolsen und ihnen die Summe von 1600 Frauken, viel mehr als die mit den Israeliten vereinbarte Summe, übergeben. Der Oberrabbiiter protestirte in einer Depeicke an die Negierung dagegen, welche dent Gouverneur empfahl, der Sache seine Aufmerksamkeit zu schenken. Dieser weigerte sich darauf, dein neuen Erwerber die Docnmente zur Bestätigung des Kaufes ausznlicfern, aber der Archimandrit, weicher den Kaufpreis in die Hände der Araber gelassen' hat, hofft, früher oder später die Documentc noch durch den Einflus des russischen Gesandten in Constaniiuopel zu erlangen. Die hier weilenden englisch-protestantischen Missionäre betreiben eine förmliche Seelenfängerei, eine Jagd nach den armen Juden. Unter den Führern dieser Gesellschaft sind mehrere ehemalige Inden, '0 ein vielgenannter Friedländer, ferner ein 'ge-' wisser Koral, eick ehemaliger sefardifcher Jude, der auch zur Bekehrung sesat bischer Juden verwendet wird, besonders thätig war auch der famose Schapira, der den bekannten Schwindel mir den falschen Thora-Rollen betrieb, und nach seiner Enttarvung seinem Leben durch Selbstmord ein Ende machte. Derselbe dielt hebräische Predigten, um Aschkenasim zn bekehren und betrieb gleichzeitig einen einträglichen Handel mit Photographien׳ Büchern, ספרי־תורה׳ תפילין׳ מזוזות. Die Mission hat verschiedene Mittel, NM ihre Opfer zn fangen. In erster Linie sucht man durch Geldnnierstützung Anwerbungen zu machen, und sobald mau ein verirrtes Schaf bekommen zu haben glaubt, sorgt man willig für dessen Bedürfuiße. Ein anderes Mittel ist die Verschaffung von Arbeit. Man lässt einen Weg anlegen, Steine ausgraben, einen Garten Herrichten und die Arbeiter werden gut belohnt, auch für den Samstag, den Sonntag und die Feiertage bezahlt, obgleich sie an dielen Tagen nicht zn arbeiten brauchen. Sie werden eingeladen, in den Vorhof der Kirche einzutrelen, wo die zehn Gebote neben christlichen Emblemen (Sinnbilder) in hebräischen Buchstaben stehen. Man veranlasst ste daun, dem Gottesdienste beizuwohnen und lässt sie die Predigt anhören, welche im reinsten polnisch-deutschen Jargon abgehalten wird. In der Predigt wird dem Neugewonnenen die Verachtung für seinen bisherigen Glauben und für dessen Bekenner eingeflößt und der neue Glaube wird als besonders barmherzig und großmülhig geschildert. Der Halbbekebrte bekommt die Miethe für ein Jahr bezahlt) erhält einen Vorschuss, um. ein Geschäft beginnen zn können, die Kosten zur Errichtung einer Werkstätte, Handwerkzeug, eine Nähmaschine, Jeder nach seinen Bedürfnißen und nach seinem Geschmack. Einige israelitische Fracken werden in dem Local der Mädchenschule zum Nähen verwendet. Dieselben

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