Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 25 (24.7.1884)
- Date
- 1884-07-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 — י1ם כפור plötzlich erkrankte, versah Fischer alle Tagcsfunctionen ganz allein. Als Cantorbildner erfreu! sich Fischer eines ganz besonderen Rufes und viele hochgeachtete Cantoren Oesterreichs, Deutschlands und sogar Amerikas zählen zu seinen Schülern. So entrollten wir das Lebensbild Fischer'«, wiesen aus seine Anlagen, seine Bestrebungen, seine Arbeit und seine Bedeutung für die Fortentwickelung des jüdischen Cantorates bin und gelangen nun zur Schlußfolgerung, dass er seine ganze Thalkraft, seinen ganzen Lebenszweck jenem Berufe geweiht, den er einstens mit fügendsicher Frische erwählt und den er noch beute als Meister seines Faches und als Musterbild seines heiligen Standes ausübt. Za noch heute! Wem das seltene Glück von der Vorsehung beschieden, nach 40jähnger Wirksamkeit im Dienste des Herrn noch im Vollbesitze seiner Schaffensfreudigkeit zu sein, der hat der Mit- und Nachwelt den vollwichtigen Beweis geliefert, dass sein Beruf nicht allein das Hilfsmittel zur Erlangung materieller Güter sei, sondern auch die Befriedigung eines inneren Dranges, eines heiligen Bedürfnißes sein müsse. Am Abende seines Lebens, nach znrückgelegter, aufreibender Thätigkeil in einer der größten Gemeinden Israels, schreckt Fischer noch heute vor keiner, selbst der größten gottesdienstlichen Function zurück, und wenn auch oftmals der etwas altersschwache Körper dem souverain gebietenden Willen nickt zu gehorchen vermag, das glühende Pflschtbewußtscin ruft noch im letzten Moments ein ,Muß' entgegen und Fischer tritt muthig zum Tische des Herrn. Aus dieser angedeuteten Thätigkeil können die Epigonen des jüdischen Cantorenthums die beruhigende und heilsame Lehre ziehen, dass unsere Leistungen nicht altersschwach werden, wenngleich das Dunkel der Haare zu bleichen, der jugendliche Schmelz der Stimme zu scheiden beginnt, und dieser Umstand fordert uns jüdische Cantoren zur Darbringung unserer Dankesbezeugungen Lern Manne gegenüber auf, der im Monate October sich anschickt, sein 40jähriges Amtsjubiläum zu feiern. Es werden in maßgebenden Kreisen bereits umfassende Vorbereitungen für diesen Ebrentag gemacht; rüsten auch wir jüdische Cantoren uns frübzeitig für dieses seltene Fest eines seltenen Collegen, da it es uns gelingt, im Kreise der Gratu׳ lanteu die Palme zu erringen. (Fortsetzung folgt.) Ueber Musik und Poesie der alten Hebräer. VIII. Um das anschaulicher zu machen, theilen wir hier den ersten Theil des Liedes vorn rothen Meer mit, indem wir eine Uebersetzung hinzufügen, welche den Rhythmus des Originals nachahmt. Bei der mannigfach beschränkenden Aufgabe, dem Texte Wort für Wort, ja Silbe für Silbe zu folgen, dürfen wir wohl für diese Uebersetzung einige Nachsicht in Anspruch nehmen: ä8ehi-1ä lä-dbuai kbi gäbh gääh 3ch singe dem Ew'gen, der hoch erhaben 8ü8 veröch-bo rämäh bä-jäm Ross und Reiter stürzt' er in's Meer. 081 vesimrätb jäh Sieges-Gesang ist Iah väj'hi 11 lisehuäh Er war mir zur Hilfe, 86h eli v’änvehü Er Gott mir, ich preis' ihn, 610-he öwi vääröm-menhü Und Gott des Vaters und ich rühm' ihn. adonai 186h milchäinäh adonai schemö Der Ewig' ist Herr des Kampfes und Ewiger ist sein Name, märehbbth päroh vechälö järäh bäjjäm Wägen Pharv's und Sckaaren stürzt' er in's -)Neer, imribchär schälischäw tübbü b’jäm-süph Die Auswahl der Krieger sank in's Schilf-Meer, thonaoth j'6ha8jum11 jardu bimzoloth k’mo aben Flukhenumhüllt sanken zu Grund sie gleich Steinen jeminehä ädduäj nedäri bäkoäch Dein Arm ist, o Ewiger, verherrlicht durch Stärke, jeminehä ädönäj thiräz ojäb Dein Arm, der. o Ewiger, streckt den Feind hin! iibrob geönchä thärös kamecha Mit Hochgewalt verdirbst Du den Gegner t686hälläoh chärbncbä jochlemb cakkäsch Du sandtest den Zorn, er verzehrt sie wie Spreu übiüaeh äppechä neermii majim Und wehet Dein Odem, da thürmt sich Wasser, nizebu k’mb ned nöslim Stellet sich als Mauer Flüßiges käkeü thbmbth b’läYV-jäm Starret die Fluth in Meeresgrund. ämär öjeb Sprach der Feind auch erdöL ä881g ,Folgend fass' ich, äehällek scholöl Vertheile Beute, thiinläemo näfschi Es verschlingt mein Muth sie ärik ehärbi ' Ziehend die Waffe 1hbr186h61ub jodi Wird mein Arm sie tilgen. näschäftha brüchachä khissämo jäm Du blasest Deinen Hauch, sie deckt das Meer zöläHi käbfereth bemäjim adirim Sanken dahin wie Blei in der Fluthen-Gedränge. nai eämoehä bäelim ädönäj Wer ist Dir von den Mächten, o Herr, gleich? 1m eämoehä nedär bäkködesch Wer wie Du verherrlicht und heilig? uorä thehillbth 08eh phele Furchtbar im Lobe, Wunder erzeugend! Das Ganze zerfällt in mehrere Strophen von verschiedener Verslänge. Man wird aber wohl den rhythmischen Bau und Klang des ganzen Gedichtes, sowie der einzelnen Verse nicht in Abrede stellen und auch, das Wankende in dem Wechsel des Strophenbaues nicht übersehen. So folgen z. B. auf sechs zweifüßige Verse, die die stolze Leidenschaftlichkeit des Feindes vortrefflich ausdrücken (V. 9.), zwei fünffüßige, deren erster die ruhige Allmacht Gottes ebenso sprechend schildert.