Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 25 (24.7.1884)
- Date
- 1884-07-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Bereines ohne Musikbeitage Viertels. . st. 1.— mit Musikbeil Viertels, fl. 1.25 für Nichtmitglieder in Oesterr.» Ung. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.25 mit Musikbeil. Viertels, fl. 1.50 für Abonnenten im AuSlande o. Musikbeil. Viertels, fl. 1.50 mit Musikbeil. Viertels, fl. 1.75 Organ für die GesMmt-Ilitmsseu Mischer Cantton. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor IaAoö Mcruev. und ^Btdactlaw Administration Ws tu, II., Novaragclsse 27. Inserat« werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 25 Wien. 24. Juli 1884. 4. Jahrgang. Uelier ״Entwickelung des Synagogen- \ Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XVIII. Als zweiter Cantor arbeitete Fischer daher mit Zielbewußt- ׳ sein an der Veredlung und Verbesserung der jüdischen Vordererweise, jedoch im steten Hinblicke aus das Ueberlieferke; sein Vorbeten an Wochen-, Fast- und Halbseierlagen bat allgemeine Mustergiltigkeit erlangt. — Man mißverstehe uns nickt! — Nicht etwa Mustergiltigkeit zur unbedingten Nachahmung der äußeren Gestalt, denn die Fischer'scke Necitaliousweise. diese keineswegs durchdachte, sondern im Momente geschaffene, aber einschmeichelnde und sreundlicke Verschmelzung von Wort und Ton ist individuell, und muss jeder lechuische Nachahmuugsvsrsuch ebenso als Zerrbild erscheinen, als ob wir durch Schminke und kosmetische Hilss׳- mittel unser Gesicht dem Gesichte eines Andern äbulick macken wollten. Was jeder jüdische Cantor von Fischer lernen kann und soll, das ist die leichte Behandlung und musikalisch-plastische Wiedergabe des Wortes. Das von Fischer recilirte Wort kann vielleicht bezüglich des musikverwandischastlichen Gedankenausdruckes hie und da angesochten werden; die Deutlichkeit desselben, die strengste Prosodie, den echten Hauch eines von der beiligen Sache durchglühten Vorbeters vermissen wir nirgends. Als Vorleser der Thora erscheint Fischer geradezu als Leitstern für alle Zeiten; abgesehen von der rein grammatischen Betonung des Wortes gestaltet er, bei sorgfältiger Berücksichtigung des XsZinali-Musikgedankens eine Tonphrase, die, zeitgemäß und künstlerisch, dem heiligen Gegenstände zweckentsprechender erscheint, als jede gesprochene Declamation der, namentlich in Deutschland, üblichen Vortragsweise. Als Vertreter des ersten Cantors strebte Fischer die ideale Auffassung, die zarteste Gedankenmalerei desselben nachzuahmen, ohne jedoch, wie es leider bei vielen Cantoren der Fall ist, die äußerlichen, bei Sulzer nur als Ausstuß seiner Originalität autzuheißenden Manieren, copiren zu wollen. Fischer versucht es niemals, wenn er den ersten Cantor zu vertreten hat, demselben in physischer, sondern lediglich in psychischer Beziebnng uackzueisern, und nur aus diese Weise gelingt es ihm, .1u.D bei den Functionen des ersten Cantors an!einer ibm eigeuipumlichen Geftaltuugsweise irgendwie zu rütteln. Sowohl beim Parlando seines Vorderen», als bei der Art des TboravorleienS macht sich jene leichte, volksthümliche, wir möchten sagen, liebenswürdige Verschmelzung von Wort und Ton bemerkbar., die man speeistsch Fischerisch neunen muss, und welche für die Entwickelung des Synagogen - Reeitalivs auch insofern bemerkeuswerch ist, als sie uns die Brücke kennzeichnet, welche das Alte mit dem Neuen verbindet. In der Tbat, wer die Necitationsweise Fischer'» vorurtheilssrei, fachmännisch und mit historischem Verständniße anhört, dem drängt sich unwillkürlich das Bild auf, dass Fischer noch mit einem Fuße in der einstigen Ghetto-Synagoge und mit dem andern im modernen Tempel der Residenz ste've. Altiynagogale Ankiänge und romantischer Opernstyl — fessellose N68et10r6ri1n-Phautasien und strenges Musikgesetz — Chasanus und Kirckenstyl treten allerdings rhapsodisch, aber in solch' eminenter Aufeinanderfolge uns gegenüber, dass wir bei dieser reizenden Mosaikarbeit sehr gerne manche Frage über die Existenzberechligung dieser oder jener Eigenthümlichkeit zurückdrängen, denn allenthalben müssen wir bekennen, dass Fischer mir Verstandnis und Beherrschung der Verhältniße seine Ausgabe erfüllt. Wir können unmöglich schließen, ohne noch eine Eigenschaft zu erwähnen, die allerdings bei jedem Cultusbeamten besserer Art vorausgesetzt, d. h. als selbstverständlich erachtet werden könnte, bei Fischer jedoch in solch' hohem Grade vorhanden ist, dass dieselbe nicht gut stillschweigend übergangen werden kann, nämlich sein Pstichtzesühl. Nicht etwa, dass Fistyer mit seltener Pünktlichkeit abends und morgens, mittags und vor Tagesanbruch rc. seinen Functionen obliegt, wollen wir erwähnen, sondern dass er mit anerkennenswerther Bereitwilligkeit überall mithilft, wo seine Leistung zweckdienlich erscheint. — Wenn Fischer seinen eigentlichen Geschäften nachgekommen, so legt er nicht etwa, gleich vielen II. Cantoren,. die Hände in den Schooß. sondern seit 40 Jahren bis nun steht er, einem Stützpfeiler gleich, am Betpulte und widmet seine besten Kräfte dem Chorgesange, und als vor Jahren Sulzer am MF* Hiezu eine Musikbeilage