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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-07-16 · Heft 24 (16.7.1884) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 24 (16.7.1884)
Date
1884-07-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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— 5 — Joachim Stern (ר'חיים הכד!) לי) ist am 11. August 1809 ה' אלול zu Kempen — leieer auch zu .Kaempfen" — geboren, denn er hatte in seiner Jugendzeit viele barte und schwere Kämpfe mit verblendeten Fanatikern zu besteben und des Lebens bittere. Erfahrungen sind auch ibm nicht erspart geblieben. Sein seliger Vater, Nabb. Israel, sowie sein älterer. Bruder Rabb. Abraham Simeon, waren große Gelehrte, die den kleinen Joachim schon im zartesten Kindesalter dem Studium der Thora weihten und in die heiligen Hallen des Talmuds einführten, so dass er im 13. Lebensjahr bereits in der Jeschiwa des Oberrabbiners Tob. Zempelburg Ln Kratoschin ausgenommen wurde. Zwei Jahre später sehen wir ibn zu den Füßen des weltberühmten Ober׳ Rabbiners Sam. Landau in Prag (Sohn des Nauda bi' Jehuda.) Gleichzeitig besuchte er den Schiur bei R. Eleasar Fleckeles ז״ל» wobei er sich aber in elastischen Sprachen und profanen Wissenschäften — selbstverständlich auf Privatwegen und heimlich — zu vervollkommnen suchte. Mit reichen, gründlichen Kenntnißen ausgerüstet, kehrte Stern lodann in seine Heimat zurück, woselbst er zunächst eine Hauslehrerstelle bei einem Gutsbesitzer übernahm. Im Jahre 1834 verheiratete sich unser Freund mit der hübschen und biederen Tochter des Herrn Abr. Pulvermann in Oftrowo. die ihm in Freud und Leid stets treu und liebevoll zur Seite steht. Sie . beglückte ihn mit 7 Kindern, von denen 6 am Leben sind. Nach der Hochzeit etablirte sich Herr Stern als Kaufmann in Oftrowo und sammelte daselbst ziemlich viel Vermögen, welches er jedoch im Jahre 1837 wieder verlor, so dass er gezwungen War, eine Cultusbeamtenstelle anzunehmeu. Am 1. Jänner 1852 wurde Herr Stern nach Strelno berufen, woselbst er, wie bereits erwähnt, noch heute in fast jugendlicher Geistesfrische, gehoben und beglückt durch die allseitige Liebe und Verehrung seiner theuren Gemeinde, zur Ehre Gottes wirkt und schafft. לא בהתה עינו ולא נם לחה. Am 1. Jänner 1877 feierte Stern sein 25jäbriges Amtsjubiläum, zu welchem ihm großartige und seltene Ovationen und sehr werthvolle Geschenke u. s. w. dargebracht wurden. Stern's ältester Sohn, Herr Dr. rnsä. Wilhelm Stern in Berlin hatte früher das jüdisch-theologische Seminar in Breslau besucht und ward bereits zum Rabbiner promovirt — als er später aus unbekannten Gründen zur medizinischen Facultät überging; aber auch seine jüngeren drei Söhne haben eine sorgfältige Erziehung und höhere Schulbildung genossen und vor Allem sehr viel Hebräisch gelernt. Alle 6 Kinder sind glücklich verheiratet und leben in den besten Verhältnißen; sie Alle — flechten und weben himmlische Rosen in's Greisenalter ihrer geliebten Eltern — die mit innigster Freude auf die frohe und muntere Schaar von Kindeskindern, als auf die schönste Krone ihres Hauptes blicken. (עטרת זקנים בני־בנים ותפארת' בנים אבותם). Am 17. August dieses Jahres wird Herr Cantor Stern mit seiner frommen Lebensgefährtin das seltene Fest der goldenen Hochzeit אי*ה feiern. Seitens der Strelnoer Gemeinde werden schon jetzt umfassende Vorbereitungen getroffen, um das schöne Fest in würdiger und gebührender Weise zu begehen. Dieses ist in gedrängter Kürze der Lebenslauf eines braven Amtsgenosssn, der durch seinen edlen Charakter, seine gründliche wissenschaftliche Bildung sowohl, als durch seine unermüdliche Wohlthätigkeit als glänzender Stern uns Allen voranleuchtet. — Möge er noch recht lange binieden leuchten und bis zum spätesten Lebensabend zur Freude seiner Angehörigen und seiner ungezählten Freunde und als Zierde unseres Standes hell und freundlich strahlen. Cottbus, am 1. Juli 1884. A. Z ad eck, Cantor. Vereinsnachrichten. Sitzungsbericht über die Donnerstag den 3. Juli, 4 Uhr Nachmittags abgehaltene Vorstandssitzung des österreich.-ungarischen Cantoren-Vereines. Tagesordnung: a) Ablegung des Rechenschaftsberichtes über das abgelaufene Vereinsjahr; b) Erledigung der Einläufe. Anwesend: I. Bauer, S. Hirsch, M. Papo, M. Petersilka, D. L. Rotter, I. Schiller und M. Schlesinger. Vorsitzender: Präses-Stellverireter I. Bauer. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit der Mittheilung, dass Sr. Hochwohlgeboren Herr Theodor Ritter von Tausky dem Vereinsfonde den Betrag von fünfzig Gulden ö. W. gespendet habe, und ersucht die Versammlung ihrem Dank-r durch Erheben von den Sitzen Ausdruck zu geben. Da diese Sitzung die letzte im zweiten Vereinsjahre ist, hält er es für angemessen, einen kurzen Rückblick auf den. Entwicklungsgang des Vereines und auf die Thätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Vereinsjahre zu werfen und kommt zu dem Schlüsse, dass der österr.-ungar. Cantoren-Verein, Dank der thatkräftigen Unterstützung hervorragender Männer des Judenthums, immer größere Fortsch ritte mache und einer schönen, glück» verheißenden Zukunft entgegen gehe. Redner kann es auch nicht unterlassen, dem Präses des Vereines, Herrn Obercantor Singer, für die ausgezeichnete und bewährte Leitung des Vereines die vollste Anerkennung auszusprechen. Hierauf bringt der Vorsitzende den vom Vereinscasfier, Herrn A. F i s ch e r, vorgelegten Rechnungsausweis zur Verlesung, wobei einzelne Punkte einer kurzen Debatte unterzogen werden. -- Nachdem Controlor I. Schiller die Erklärung abgegeben, dass sämmtliche Rechnu ngsbelege genau geprüft und die Vereinseasse, conform mit Ausweise, in vollkommener Ordnung befunden wurde, wird der ganze Rechnungsausweis genehmigt und dessen Veröffentlichung in der österr.-ungar. Cantoren-Zeitung, zur Kenntnisnahme seitens der Vereinsmitglieder, beschlossen. Herr I. Schiller beantragt hierauf, der Gesammtausschuss möge dem Präsidium, sowi e dem mit den Sammlungen für den Verein betrauten Comits, bestehend aus dem Präses I. Singer, Präses-Stellvertreter I. Bauer, Cassier A. Fischer, öffentlichen Dank abftatten für ihre hervorragende und ersprieß» liche Thätigkeit. (Der Antrag wird einstimmig angenommen.) Präses-Stellvertreter I. Bauer dankt im Namen des Präsidiums für diese Anerkennung, fühlt sich aber verpflichtet, allen Vorstandsmitgliedern, die durch lebhafte und unverdrossene Theilnahme an den oft langwierigen Berathungen Vieles zur Förderung des Vereines beigetragen haben, vollstes Lob zu spenden und hofft, dass auch in Zukunft Jedermann an seinem Platze zu sinden sein werde. Hierauf werden die Ausnahmsmodalitäten für das nächste Vereinsjahr mit Bezugnahme auf §. 7 der Statuten festgesetzt und die Veröffentlichung derselben in der österr.-ungar. Cantoren- Zeitung beschlossen. Nachdem noch ein Antrag des Vorsitzenden behufs Auf» nähme von Privatsammlungen in der Provinz für die nächste Sitzung vertagt und die Petition eines Nichtmitgliedes abschlägig beschieden wurde, wird die Sitzung geschlossen. Aer Worstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines.

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