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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-07-16 · Heft 24 (16.7.1884) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 24 (16.7.1884)
Date
1884-07-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— ־4 — stehe. So hätten, würden wir antworten, diese Nachweisnngen, j wenn sie richtig sind, doch das doppelte Verdienst, zu verhüten, dass mau nickt mehr suche, als sich stndet, und das Wenige, was wirklich da ist, enthüllt zu haben. Indes eben das, was wir stndeu, nicht mehr noch weniger dursten wir erwarten. ׳Dies ist der Rhythmus, der des Dichters natürlichem Verlangen nach Tact und Wohllaut, den unumgänglichen Forderungen des Sängers Genüge leistete, ohne den hohen Flug der Begeisterung zu hemmen und den Gedanken, der dem hebräischen Dichter immer das Erste und Bedeutendste war, Gewalt anzuthnn; dies ist der Nhyihmus, der gerade geeignet war, das geistige Spiel des Parallelismus zu unterstützen, und dessen Gleichmatz man daher auch selten bei parallelen Versen vermissen wird. Und sollen wir den Standpunkt, den diese freie Versbewegung im Bereiche der Rhythmik einnimmt, näher bestimmen, so ist hier der freie jambisch-anapästische Rhythmus des deutschen Dichters gerade in Vergleich zu bringen. Es ist bekannt, welch vielfälliger Gebrauch von diesem Rhythmus gemacht wird, sowohl bei einheimischen Dichtungen in höherem Styl, z. Bdramatischem, als auch bei der Übersetzung fremder Werke, die den Deutschen dargeboteu werden, und es wird Keiner sagen, dass ein Herder' scher Psalm unrhythmisch sei, wiewohl hier die ungleichen Reiben von dem freiesten Matze gehalten sind. Man lese nun unter diesen Voraussetzungen mit unseren leicht angewandten Regeln, z. Bdas Buch Hiob mit seinen, durch das Ganze, durchgehenden Kürzen, der Regel nach dreigliedrigen Reihen, die nur selten mit zwei- oder vielgliedrigen abwechseln, in dem auch von Hieronymus bemerkten daclylisch.spondäischen Rhythmus, man vergleiche damit die zwei ersten, in ungebundener Rede geschriebenen Kapitel desselben Buches, und man wird gestehen müssen, dass diese Rhythmik auch da die oben bezeichnete Stufe mit Recht einnimmt, wo selbst nicht, wie-dies oft der Fall ist, ganze Versreihen in vollkommen gleichem Maße hinfließcn. (Fortsetzung solgt.) Biographische Skiye. Seit dem Erscheinen dieses geschätzten Blattes . haben wir manch' wunderbaren Kometen, der bis dahin unbemerkt und wenig beachtet seine Bahn zurücklegte und dessen glänzende Strahlen ohne dieses nützliche Fernrohr unseren Augen ganz unsichtbar geblieben wären, am Cantorenhorizonte entdeckt; mit Hilfe dieses Fachorganes haben wir manch' kostbaren und edlen Sckatz, (ש“־<ן) der so lange in bescheidener Zurückgezogenheit sich verborgen hielt, näher kennen gelernt. Hiefür sind wir der löbl. Nedaction zu. aufrichtigem Dank verpflichtet; denn ich bin fest überzeugt, dass unsere werthen Collegen interessante Schilderungen aus dem Leben bedeutender und ausgezeichneter Cantoren stets freudig begrüßen. Und in der Thal sind solche Lebensbeschreibungen doppelt lehrreich für uns Alle und so recht geeignet, uns aus der Lethargie gewaltsam aufzurütleln und über unser eigenes Schicksal nachzudenken. Die schönen Erfolge, welche unsere hervorrageudcn Amtsgenossen durch emsigen Fleiß errungen, sollen uns ermuntern und anregen, die hohen Ziele, die sie durch edles Streben erreicht, uns aufrichten und stärken; die ansopferungsvolle Hingebung, mit welcher jene tapferen Geistesbelden ihrem heiligen Dienste sich widmen, uns Alle zur eifrigen Nachahmung, zur rastlosen Pflichterfüllung anspornen. Um dem dringenden Wunsche einiger sehr geehrter Collegen nachzukommen, will ich es unternehmen, bas Miniaturbild eines ehrwürdigen, . verdienstvollen Amtsbruders mit meiner schwachen Feder zu entwerfen und den geneigten Lesern dieser Blätter vorzuführen. Von diesem (כהן'לאל עליון) wirklichen Priester des Allerhöchsten kann man mit vollem Rechte sagen יבורך p הנה כי ׳בבל ירי ה' denn seit 32 Jahren fungirt derselbe als Cantor, Prediger und.ש״וב zur größten Zufriedenheit seiner Gemeinde, diestets mit freudigem Stolze zu ihrem väterlichen Seelsorger emporblickt. Es ist dies der Rabbiner I. Stern in Streluo (Provinz Posen). geschwungenem Hammer den Unschuldigen niedergestreckt. Kaum war Kraus rücklings niedergestürzt an die eiserne Wand, als er das Gejährliche seiner Lage begriff. Die Wand mutzte ihm einen Stützpunkt bieten. Aber Szölöfsy schwang den Hammer zum zweiten Male, seinem Opfer den Garaus zu machen. Doch mit löwenhafter Kraft und Wuth stürzte Kraus auf ihn zu, packte ihn am Halse, warf ihn zu Boden und drängte ihn hinaus! Ein gräßlicher Schrei ertönte, der Mörder Szölösfy war von der Maschine auf eine schmale, gcländer׳ lose Brücke und von da in die Theiß gestürzt. Dumpf und schwer war dem armen Kraus der Kopf. Er fühlte sein Ende nahen; Loch vorher wollte er noch die Reisenden retten, die ruhig nichtsahnend dasaßen, seiner Leitung anvertraut. So mühte er sich, den Dampf abzuschließen, damit der Zug zum Stillstand gebracht werden könnte, allein die Kräfte schwanden und er konnte sich nicht nach links wenden, denn nach rechts hin war er gefallen; auch die Bremse vermochte er nicht zu drehen und sie zurückzuhalten, denn die Schraube war zu Schanden, so dass auch ein gesunder Mann alle Kraft aufbieten mußte, um das fertig zu brmgen. Wie auf Adlerflügeln flog der Zug donnernd und brausend mit gedoppelter Dampfkraft dahin. Die Reisenden wurden von dem Donnergebrause aus dem Schlafe geschreckt. Die nächste Station wurde durchflogen — und auch auf der nächsten Haltstelle, wohin die Schreckenskunde telegraphisch gemeldet worden war, konnte man dem Zuge nicht Halt gebieten. Die Bahnwärter schwenkten die rothen Fahnen, die anzeigen, dass eine Gefahr nahe; auch der Conducteur, der auf einer kleinen Erhöhung über dem Dache eines Waggons seinen Sitz hatte, erkannte, welch' Furchtbares drohe. Das Schreien der Beamten und der Wärter nach dem Zugführer ließen die Reisenden ahnen, was ihnen bevorstehe. Furchtbarem Angstschrei folgte grause Stille — Seufzen und stilles, verzweifeltes Weinen. Der Zugführer setzte sein Leben ein, um die Verzweifelten zurückzuhalten, welche durchaus aus dem Wagen springen wollten, um so in sicherem Tode Rettung vor dem Verderben zu sichern. Da beschloss der zweite Schaffner sich zu opfern. — Er kroch zur Maschine hin, um Rettung allen oder sich den Untergang zu bereiten. Doch noch keinen Augenblick hatre er sein Wagnis begonnen, da — Entsetzen und zugleich Hoffnung, denn ihm tönt ein Pfiff der Locomotive entgegen. Kraus hatte nach 50 Minuten der Bewußtlosigkeit sich wieder emporgerafft und die Versuche erneut, den Zug zu retten. Der Zug fährt langsam in die Station ein und steht auf dem Geleise. Alle Angestellten stürzen auf die Locomotive, um die Ursache des Geschehehenen zu erkundigen und finden den in den letzten Zügen liegenden Kraus, wie er nur mühsam noch die Augen offen hält und sich abmüht, den Dampf abzuschließen. Die Bremse schließt der zweite Schaffner hinter ihm. Kraus erzählt noch in kurzen, abgerissenen Andeutungen,' was ihm geschehen und gibt seine muthige Seele im Kreise der ihn bewundernden und anstaunenden Kameraden auf. Nach drei Tagen ^zogen Fischer den Körper Szölössy aus der Theiß; hierdurch wurde die Ursache des Räthsels vollständig aufgei hellt. Dieser Mörder war der Schwager des Antisemiten G6za Onody. Hie Semit, hie Antisemit! Die Wahl kann nicht schwer fallen. (Ung. Jsr.)

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