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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-07-16 · Heft 24 (16.7.1884) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 24 (16.7.1884)
Date
1884-07-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Bssener Meinungsaustausch. Wohl lob lich e Redaction! Es ist eine bekannte Thatsache, dass ein Wissbegieriger mehr fragen kann, als tausend Gelehrte zu beantworten im Stande sind. Diese allgemeine Wahrheit bestätig! sich auch im vorliegendem Falle. Die größte Schwierigkeit in der Beantwortung der in Nummer 21 a. c. vom College» ,Anonymus' aufgeworfenen Trage, liegt darin, dass diese nicht präcise und vollkommen umgrenzt stylisirt ist. Ist unter dem zweiten Schochet ein von derselben Corporation angestellter Functionär gemeint, der dieselbe Verpflichtung zur jederzeitigen Besorgung der שחיטה hat, oder etwa ein im Orte beflndlicher Privatmann, der zufällig auch ש1הט ist? Zm ersteren Falle ist dem יאבל die שחיטה vorzunehmen, nicht gestattet, im Zweiten hängt die Sache von der Gefälligkeit des Privatmannes ab. Uebrigens sei für den bezeichneten Einsender durch vorliegende Zeilen die Anregung gegeben, die versäumte und bitter beklagte Präcifion durch einen Nachtrag nachzuholen. Kleine Chronik. Wien. Dienstag den 1. d. M. fand im Tempel der inneren Stadt die Trauung des Fräulein Katharina v. Kuffner mit Herrn Oppenheimer aus Frankfurt am Main statt. Die Braut ist die Tochter des vor zwei Jahren verstorbenen, rühmlichft bekannten Wohlthäters, des Herrn Ignaz Edler von Kuffner. Die Trauungsfeierlichkeit, der ein den höchsten Ständen angehöriges Publikum beiwohnte, gestaltete sich zu einer besonders imposanten. Obercantor Singer ließ einen von ihm componirten Ni aääir, der schon einmal, gelegentlich der Trauung des Compouisten Brüll, die Aufmerksamkeit und Anerkennung der zahlreich anwesenden Musiker erregte, mit verstärktem Chore zur Aufführung bringen und wurde auch diesmal zu seiner überaus gelungenen Composition vielfach beglückwünscht. Dienstag den 8. d. M. vermälte sich in Kritzendorf nächst Wien der Prediger des Tempelvereines in Mariahilf, Herr Dr. L. Unger, mit Fräulein Regina Wachsmann. Bei der Trauung fungirte Obercantor Singer mit den Functionären deö Stadttempels. Auf allgemeinen Wunsch des zahlreichen, distinguirten Publikums machte Obercantor Singer von seiner gewiss lobenswerthen Gewohnheit, bei Hochzeiten nicht zu singen, diesmal eine Ausnahme und trug nach dem Hochzeitsdiner ein Lied vor, welches großen Beifall errang. Wrag. In den Localitäten der Stransky'schen Bierhalle auf dem Graben hatten sich vorgestern Abends die Cantoren der hiesigen Synagogen mit ihren Frauen eingefunden, um sich von dem nach Graz berufenen Collegen, dem bisherigen Obercantor der Klaussynagoge Herrn I. Stransky, zu verabschieden. Die zahlreiche Betheiligung zeugte von dem eollegialen Geiste, der unter den hiesigen Cantoren waltet und die ganze Feier von der Achtung, welcher sich Herr Stransky bei seinen Collegen erfreut. Die herzliche Abschieds-Ansprache des Herrn Stransky wurde vom Herrn Obercantor Wallerstein in ebenso herzlicher Weise erwidert und auch die Reden der Herren Bachrach, und Körner fanden viel Anklang. Ein humoristisches Abschiedsgedicht, verfasst und' gesprochen von Herrn L.. erregte allgemeine Heiterkeit. Doch nicht nur von Seite seiner Collegen, sondern auch von Seite des Vorstandes und vieler Gemeinde- Mitglieder wurden dem von hier scheidenden Herrn Stransky viele Beweise aufrichtiger Sympathie und Hochachtung zu Tdeil. Aus der Schweiz. Die ״Neue Züricher Zeitung' enthält folgende Notiz: ,In Aarwangen (Oberaargau) ist ein Proceß gegen die Juden eingeleitet wegen ihrer Thierquälerei beim Schächten. Bekanntlich wiro dabei dem Thier einfach der Hals durchschnitten und dann läßt man es verbluten. Vom Thicrschutz- Verein aiii; wird gegen die Juden vorgeschritten, aber sie wollen bis jetzt ihr aus dem grauesten Alterthum herstammendes Schlachtverfahren nicht aufgeben.' Zur Ergänzung und Vervollständigung sei noch hinzugefügt, dass bereits vor Jahren Herr Dr. Engelbert, Rabbiner zu St. Gallen, ähnliche ungerechtfertigte Bejchuldigungen und unsinnige Angriffe widerlegte und zurückwies in einer besonderen Broschüre: ,Ist das Schlachten eine Thierquälerei?* Trotzdem tauchen und lreten won Zeit zu Zeit wiederholt diese lügenhaften aus antisemitischer Gesinnung rcsultirenden Verleumdungen neuerdings aus. In der freien Schweiz begegnen sich, da die verschiedenen Ansichten ungehindert sich entfalten können, zelotischer Obscurantismus und fanctlischer Nadicalismns. Les extrlmes 86 touchent. — Abgesehen davon, dass Abstechen, Schlagen und dergleichen ein viel grausamerer, fast mörderischer Tödtungsact ist, bietet selbst die Bouterole nicht die Garantie dass der Tod des Thieres sofort eintrete, da es nicht leicht ist, die Maske so anzulegen, dass momentan das Rückenmark (שדריה) vom Hirn getrennt wird. Ueberdies handelt es sich ja für uns zunächst darum, dass auch der größte Theil des Blutes zugleich entfernt werde, was eben nur bei שחיטה מן הצואר möglich ist. Petersburg. Die Regierung und die meisten Zeitungen zeigen' sich wohl höchst entrüstet über die letzte Judenmetzelei in Kuniawino bei Nifchnei-Nowgorod und verdammen die grausame Unterdrückung so vieler unschuldiger Unterthanen; aber das Alles nützt ja nichts. Die Judencommission, welche seit Jahren damit betrant ist, ein Statut zur Regelung der Rechtsverhältniße der Juden zu entwerfen, hat bisher kein Lebenszeichen von sich gegeben. Der russische Kaiser fühlt sich durch die letzten Ereigniße sehr peinlich berührt und er sprach feinen entschiedenen Tadel gegen die Judencommission aus. Der Kaiser soll sich dem Grasen Fahlen, dem Präsidenten der Judencommission) gegenüber in diesem Sinne geäußert haben; aber Graf Fahlen weiß selbst noch nicht, welche Rechte man den Juden zugestehen will, er weiß nur, dass die Frage einer Gleichberechtigung im Vorhinein ausgeschlossen ist. — Wie ferner gemeldet wirb, ist ein Gesetz in Vorbereitung, nach welchem die Juden in Beßarabien, Jekaterinoßlaw, Poltawa, Turien, Cherson und Czernichow, an Len Schwurgerichten theilnehmen werden können. — Unter den Prämiirten des Petersburger Conservatoriums befinden sich diesmal ein jüdischer Violonist und fünf jüdische Damen für Piano. — In Warschau wurden auf Befehl der Regierung alle Firmen und Schilder, die hebräische Inschriften trugen, entfernt. Dasselbe geschah auch in Lodz. —: In Kiew hat die Polizei 4 Synagogen geschloffen, weil sie nicht in gesetzlicher Entfernung, hundert Meter von den russischen Kirchen stehen. Einige Jahre ging es so hin und die fehlenden Maaße thaten der Kirche keinen Schaden, aber jetzt hat die Polizei nachgemeffen und fand ihr Gewissen beunruhigt. Vielleicht werden die Synagogen durch ein gut Stück Gold wieder geöffnet werden.. Auch ist daselbst und in Barkow an den Universitäten die Zahl der jüdischen Studenten auf zehn Procent aller Studirenden vermindert worden. Von Ausweisungen der Juden in Rußland wird aus vielen Orten berichtet. Bukarest. Als sich vor einigen Tagen eine Deputation der hiesigen Judenschaft zum König begab, um Lessen Intervention zur' Erleichterung des Loses ihrer Glaubensgenossen zu erbitten, wurde diese zwar in huldvollster Weise empfangen, derselben aber aryh gleichzeitig bedeutet, dass sie ihre Beschwerden und Wünsche bei der

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