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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-07-16 · Heft 24 (16.7.1884) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 24 (16.7.1884)
Date
1884-07-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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noch eine andere Art von Versmaß im Hebräischen anzunehmen, bei welchen die Silbenzabl verschiedener Verse nicht, übereinstimme, aber diese Unregelmäßigkeit durch den Gesang, d. i. durch den Rhythmus sich außgleiche. Man sieht also, dass N. Moses hier auf dem ganz richtigen Wege war.. Ein ähnliches, richtiges Gefühl leitete unstreitig auch N. S a m ue l A rcuv o l ti, welcher bei der Beweisführung, dass unter den übrigen Verssormen, deren sich neuere israelitische Dichter bedienen, namentlich auch der Nei m in der heiligen Schrift seinen Ursprung habe, fvlgende Beispiele anführt, in welchen er offenbar auch auf Rhythmus Rücksicht nahm: halaü hu öwichö kbnecho 5. Mos. 32, 6. hu ässcrhb >vüg"vhauu'n66hb — lulb oharüsohtsru b’eglössi Ni^t. 14, 18. lau mezbssem chidössi. außer diesen führt, er noch Ps. 15, 8. 2, 3. Spr. 31, 18. 15, 15. und andere an. Was nun N. Asaria betrifft, so ist es ganz natürlich, dass er bei dem zu Grunde liegenden rhythmischen Gleichmaße so häufig eine Gleichzahl von Gliedern, und namentlich dort im Allgemeinen Verse von sechs Gliedern entdecken mußte, wo Josephus Hexameter oder Verse von sechs Füßen angibt. Denn da jedes Wort nur auf einer Silbe den Ton hat, da gleichfalls jeder Versfuß nur eine betonte Länge hat, so kann es nicht anders geschehen, als dass sehr häufig wenigstens gerade so viele Woriglieder sich finden, als die Reihe Vertfüße hat. Da nun aber ein längeres Wort auf einer der vorderen Silben noch einen Halbton erhält, welcher auch, wo es der Rhythmus fordert, eine metrische Länge bilden kann, da ferner auch das Schwa zuweilen eine kurze Silbe bildet, so kam der hebräische Dichter oft mit zweien Wörtern statt dreien aus, wofür er an anderen Stellen wieder vier kleine Wörter gebrauchte, und hieraus erklären sich vollkommen die Fälle, welche als Ausnahmen von dem Gesetze der Gleichgliederzahl auch Joel Löwe treffend anführt, z. B.: הם קנאוני בלא־־אל כי עמוני בהליהם היתה יהודה לקדשו , ישראל ממשלותיו. Fassen wir nun noch einmal in's Auge, dass, wenn wir im Allgemeinen Grund haben, eine rbytbmische Poesie bei den Hebräern anzunehmen, alte Schriftsteller uns die Existenz derselben in den heiligen Schriften ausdrücklich melden, dass sie nicht allein Verse im Allgemeinen, sondern auch eine bestimmte Länge und Rhythmik derselben, und zwar mitunter mit Bezug aus besonders genannte Bücher und Stücke angeben, dass diesen Angaben das von 91. Asaria beobachtete Gliedermaß, auf eine höchst auffallende Weise, und zwar nicht blos im Allgemeinen, sondein auch in Bezug auf namentlich angegebene Stücke (wie 5. Mos. 32.), entgegenkommt, dass endlich hierzu nach unseren Untersuchungen eine Rhythmik wirklich hinzukommt, welche die Uebereinstimmung mit unseren Erwartungen und mit den Angaben jener Schrifsteller vollständig macht, so dürfen wir wohl den Schluss machen, dass das Zusammentreffen aller dieser Umstände kein Zufall sei, dass die unzweideutigen, sich nunmehr für Auge und Ohr. bewährenden Behauptungen jener Schriftsteller nicht leichtsinnig und lügenhaft ersonnen seien, dass ferner, weil die von uns angewandte Bctonungsweise allein diejenige Verslänge und diejenige Rhythmik zum Vorschein brachte, die jene Männer deutlich genug anzeben, auch sie selbst entweder derselben oder einer höchstähnlichen Betonungsweise gefolgt sind, und dass endlich, weil, was diese genannten Männer fanden, in der ursprünglichen Anlage des Gedichtes gegeben sein müßte, die von ihnen angedeutete und von uns entwickelte Rhythmik in ihren Grundzügen dieselbe sein müsse, welche die Dichter jener heiligen Poesien selbst, als eine natürliche äußere Form für die innere Rhythmik der Gedanken, in Anwendung brachten und empfanden. Man könnte uns jedoch zum Theil einwenden, dass der von uns nachgewiesene rhythmische Bau der hebräischen Poesien im Verhältniße zur künstlichen Metrik der Griechen vielfach zurücksteher hin, so dass dieser tief bewegt nach kurzem Sinnen rief: ,Eine einzige Aussicht gibt es noch, Dir zu helfen, wenn ein zuverlässiger und anerkannt tüchtiger Führer mit dem Lastzüge ankommt, dem ich den Schnellzug anvertrauen darf, und er übernimmt es auf unserer Beider Bitte, seinen Ruhetag hinzugeben und sofort mit dem Schnellzuge wieder abzufahren — dann magst Du heimgehen l Doch bezweifle ich eS sehr, ob sich ein solcher Stellvertreter finden wird, denn die Sache hat zudem noch den Hacken, dass die Bremse nur sehr schwer geht.- Hierauf rief er dem Assistenten zu: ,Werfährt den Lastzug?- ,Kraus ist der Führer", war die Antwort. Da seufzte Walraf schwer auf und Thränen entströmten seinen Augen. ,Denn-, dachte er, ,nun ist Alles verloren, der Jude “ wird mir diesen großen Dienst nicht leisten mögen, dazu grollt er mir'zu sehr, habe ich ihm doch auch manchmal gar übel mitspielen helfen.- Der Vorsteher dagegen rief, als er den Namen Kraus hörte: ״So — Kraus? Das ist ein braver, tüchtiger Mann, der allezeit treu seinen Dienst thut. Ihm darf ich Den Schnellzug ruhig übergeben und so wird Dir, Walraf, schnell geholfen sein." Langsam fuhr der Lastzug ein. Kaum hielt er, so erschien Kraus vor dem Vorsteher, der ihm ungesäumt sein Begehren und die Bitte seines College» Walraf aussprach. Gedanken mancherlei Art, für und wider streitend, durchzuckten Kraus, doch schnell entschlossen wies er die Hass- und Rachegedanken von sich und sprach: ״Ich will's!" Der Vorsteher schüttelte ihm die Hand. Als aber Walraf sie ihm reichen und danken wollte, wandte er sich ab und ging zur , Maschine. 1 Der Vorsteher rief ihm noch nach: Krauß, paß wohl auf, die Bremse ist in Unordnung." Beim dritten Klingeln sprang Kraus auf die Locomotive, ließ die Signalpfeife ertönen und der Zug verließ die Station. ״Gib Feuer", befahl Kraus, nachdem er auf den Thermometer gesehen, und verließ seinen Platz, um dem Heizer Raum zu geben, dass er Holz und Kohlen unter den Kessel schütte. Da sah er, wer mit ihm fuhr. Mit nicht eben freudigem Erstaunen erkannte er seinen Todtfeind — Szölössy. Der Schnellzug, der nur Wagen erster und zweiter Classe führte, lief pfeilschnell dahin. Die Reisenden plauderten noch in sicherer Heiterkeit und im Packwagen, welcher hinter der Maschine war, saß der Zugführer an seinem Tisch und ordnete seine Papiere. Der Führer stand in seinem überdachten -Orte vor den beiden Fenstern und blickte prüfend und auf Alles genau achtend hinaus. Mit der rechten Hand hielt er den Regulatorgriff, mit oer Linken die Handhabe des Hebels. Hinter ihm stand der Heizer, dessen Augen mit verzehrendem Grimme auf den Führer gerichtet waren und zerklopfte mit einem großen Hammer die Steinkohlen. ״Halte die Bremse fest", befahl der Führer und ließ die Signal, pfeife mächtig tönen. Eine kleine Station mit einer Minute Aufenthalt . und wieder ging's hinaus in nächtiges Dunkel. Um die Fahrt zu beschleunigen, gab der Führer Dampf und neigte seinen Kopf ein wenig, um zu sehen, ob genügend Waffer im Kessel sei. Plötzlich fühlte er einen gräßlichen Schmerz im Kopfe, Blut strömte wie ein Wasserstrahl auf seine Schultern. Der Heizer Szölöffy hatte mit hoch-

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