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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-07-16 · Heft 24 (16.7.1884) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 24 (16.7.1884)
Date
1884-07-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 sckwündener Zeit rauschte es ihm entgegen ,אנה וראנה^^. Die Anknüpfungsnothwendigkeit an das überlieferte Alte leuchtete Fischer allenthalben ein — allein nur visionartig dämmerte es noch in seinem Innern auf ״4על הראשונים״. Verklungen war der alte Sang, Verhallt der liebe, traute Klangs Mit den aus der Synagoge verbannten Gebettexten mußten auch ihre Melodien und mit diesen auch andere, liebgewordene j Klänge auf Nimmerwiederkehr auswandern, um zeitgemäßeren aber leider einem fremden Boden entstammenden Gesängen Platz zu machen; doch Fischer drängte es zur Tradition und wenngleich, vielleicht aus Pietät, vielleicht aus Furcht vor dem Meister, der Musikgedanke nicht überall ganz ausgefübrt, d. h. verkürzt erscheint, das NUlN-Motiv klingt bei Fischer allüberall heraus uud gibt uns den besten Beweis für die schon damals streng conservative Anschauung Fischer'» in Sachen des jüdischen Borbeters.; . ' (Fortsetzung folgt.) Ueber Musik und Poesie der alten Hebräer. VII. Was nun das verschiedene Versmaß in den Psalmen betrifft, so sagt Josephus. dass dasselbe fünfauch dreifüßig, überhaupt verschiedenartig sei. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die dreifüßigen Verse am häufigsten sind, weswegen P hilo solche auch vorzugsweise nennt. Durch das ganze Buch Hiob, in den Sprüchen, Klageliedern und in vielen Psalmen herrscht diese Versart vor, oft treffen aber auch vierfüßige Verse ein. Fünffüßrge Verse finden sich -seltener (Ps. 128). ׳ny'־׳: ׳•; Von den sechsfüßigen Reihen haben wir bereits oben bemerkt, dass sie oft eigentlich als eine Zusammensetzung von zwei dreifüßigen Versen erscheinen und durchweg einen Einschnitt in der Mitte haben. Gleichwohl haben wir bei 2. Mos. 15, 9• dreifüßige Verse mit je zwei Einschnitten zu je zwei Füßen gefünden. Um so merkwürdiger ist es, noch eine dritte Art von sechsfüßigen Versen zu finden, die regelmäßig bei dem vierten Fuße eine Cäsur haben. Solche Verse findet man z. B, im Ps. 121 und 126 bescbdw ajddunbj es | schiwäs | zijon hö|jmu kbchaülmim schuwo adonoj es schewisenu choafikim banegew. Jetzt ändert sich mit den Gedanken auch das Versmaß, und in der Mitte zwischen je zwei zweifüßigen Versen, welche die Hoffnung des Säemannes und deren freudige Erfüllung aus drücken, steht ein in zwei Hälften theilbarer, sechsfüßiger Vers, der in veränderter Tonart den schweren, trauernden Gang des hoffnungslosen- Säemannes ausdrückt. basaur'ina beldimoh b’rinnoh jikjzauru hoflauch j jelech | ulwochau nausseh | messech j halsora bau jowau b’jrmnoh uausse alujmaussow. Dian wird kaum die schon künstlich zu nennende, rhythmische Anlage dieses Psalmes verkennen: Wir kommen nun׳ noch auf dasjenige zurück, was von israelitischen Forschern über Silben und Gliederzahl gesagt worden ist, um ihre Beobachtungen und einige der von ihnen gegebenen Beispiele von unserem Standpunkte aus zu betrachten. R. Moses ben Chabib führt Spr. 10, 5. Ps. 146, 9. 119, 146. als Beispiele gleicher Silbenzahl an. Es zeigt sich bald, dass es der Rhythmus ist, aus dem diese Gleichheit entstand. augbr bäjkäjiz ben | mäskil ’ ־. > nirdbm bä|kezir ben | m^wis .־ ״<.׳. jösaüm w’kllmönöh j j’äuddd w’ddrech rejschöim j j’äwds. Da nun aber diese wirkliche Silben-Gleichzahl sich sehr oft nickt wieder fand, so siebt fick schon dieser Forscher genöthigt, Die letzte Fahrt. Unter den Angestellten der Bahnlinie von Pest nach Czegl6d war auch ein Jude, Namens Adolf Kraus. Seine Cvllegen kielten sich ihm fern und er suchte ihre Gesellschaft nicht. Auf Freundlichkeit rechnete er nicht und ihre Schmähungen erwiderte er nicht. Noch nicht lange im Dienst, war er eifrig und gehorsam und erwarb sich dadurch die Zuneigung des alten Locomotivführers Winkelmann, unter dem er als Heizer diente. Als Winkelmann sich pensioniren ließ, hatte Kraus ein vorzügliches Führerexamen gemacht, sein Diplom erhalten und rückte an seines Lehrmeisters Stelle. Das erweckte, ihm den Neid der Collegen. Je mehr dieser sich zeigte, desto mehr zog sich Kraus zurück. Mußte er in dem Stations-Schlafraume mit ihnen die Nacht zubringen, wo er nicht die Wache hatte, dann wurde sein Gruss kaum erwidert, schweigend aber las er sein Buch, indeß die Anderen johlten oder spielten. Am ingrimmigsten haßte ihn Karl Szölössy, der 2 Jahre länger als Kraus diente, in der Prüfung auch das Recht, eine Locomotive zu führen, erworben, aber kein Diplom erhalten hatte. Dass der Jude es weiter gebracht als er, das lies ihn nicht zu Ruhe kommen. Der Jude ist Schuld daran — er soll's büßen. Zwei Locomotiven sollten einen Soldatentransport befördern. Die Hauptlocomotive wurde von Kraus» die Hilfsmaschine von Szölössy geführt. Dieser, neidvoll, wollte nicht Ordre pariren, obschon die Oberleitung des Zuges Krauß ausdrücklich anvertraut worden war. Deshalb machte Kraus auf der nächsten Station Meldung, da er unter solchen Umständen für die > Sicherheit des Zuges nickt einstehen konnte. Szölössy beschimpfte auch den Stationsvorsteher. ״Die verfluchten Juden hätten auf der ganzen Bahn das Heft in Händen.' Die Folge war, dass Szölössy nicht weiter fahren durfte und von der Direction in die Stelle eines Heizers zurückgesetzt wurde. Mit Kraus anzubinden, war nunmehr sein Dichten und Trachten, aber den ersten Schlag, den er führte, vergalt Kraus damit, dass er ihn vor die Thür warf und diese ihm vor der Nase verschloss. Darauf ging ein ganzes Jahr ruhig hin. Um Mitternacht stand auf dem Bahnhose Pest der Schnellzug bereit. Ein starker, großgewachsener Mann» Namens Walraf, steht trüb und düster blickend auf der Maschine. Schon ist der Lastzug gemeldet, nach dessen Eintreffen der Schnellzug seine Nachtfahrt antrelen soll. Thränen dringen in das Auge des starken Mannes, sein ganzer Körper bebt und windet sich in krampfhaften Zuckungen, denn ein 14jahriges Mädchen steht auf dem Perron, sie weint und fleht: ״O, Vater — nimm doch Urlaub, komm nach Hause — sieh', die Mutter leidet furchtbar — sie meint, sie werde in den Schmerzensnöthen vergehen müssen! Nur Dich ruft sie, Dich möchte sie bei sich sehen im Sterben!4 Walraf eilt nochmals zum Vorsteher hin, er bringt abermals die Bitte vor, einem anderen Führer den Schnellzug zu übergeben. Aber der Herr antwortet ihm: ״Du weißt eS, wie bei uns Alles bis auf's Pünktchen von Oben her geregelt ist. Für uns gibt's, sobald der Befehl ge geben ist, , keinen Sonntag und keinen Feiertag. Keine Rücksicht darf stark genug sein, den regelmäßigen Gang des Dienstes zu unterbrechen. Ich kann Dir nicht helfen!4 In stummer Verzweiflung starrte der Lokomotivführer auf den Vor

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