Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 24 (16.7.1884)
- Date
- 1884-07-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische ־ •ז V | Pränumerations-Preis j für Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Vereines ohne Musikbeilcige viertelj. . st. 1.— mit Musikbeil, viertelj. st. 1;25 für Nichtmitglieder in Oefterr.» Ung. ohne Musikbeil, viertel« jährig .... fl. 1.2s mit Musikbeil, viertelj.-fl, 1.50 für Abonnenten im AuSlande o. Musikbeil, viertelj. fl- 1.50 mit Musikbeil, viertelj. st. 1.75 v_._ Organ die GrLMmt-IllteresM jüdischer Coutnren. Erscheint jeden achten Tag. Begründer: Obercantor Aakoö Mauer. ^cdaeüon und Administration Wien, II., Novaragaffe 27. Inserate werden billigst berechnet. Manufcripte werden nicht I retournirt. J Nr. 84 Wien, 18. Juli 1884. 4. Jahrgang. Neiwr ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XVII. Nach, kurzem Aufenthalte in Wien, während welcher Zeit er wieder im Chore de: Seitenstetten-Synagoge mitwirkte, erhielt Fischer bald (1841) einen Ruf als Obercantor nach Biala und von da (1842) nach Teschen. Kaum zwei Jahre in der letzterwähnten Gemeinde thätig, wurde er vom Vorstande der Wiener israelitischen Cultusgemeinde auserkoren, an der Seite Sulzer's das Amt des zweiten Cantors zu übernehmen, welche Stellung er im Hinblicke auf seine Weiterentwickelung sofort annahm und 1843 antrat. Adolf Fischer trat somit feine Stelle als Cantor der Seitenstetten-Synagoge an. Genügt uns. auch der alleinige Umstand, dass er von vielen Bewerbern zum Substituten Sulzer's auserkoren ward, als Nachweis für die Tüchtigkeit Fischer's, so müssen wir es dennoch rühmend erwähnen/ dass er in strenger Selbstkritik die Unzulänglichkeit seiner Befähigung der großen Aufgabe gegenüber fühlte und im rastlosen Wissensdrange und sorgfältiger Prüfung seiner Umgebung auch die geeigneten Mittel zu seiner Ausbildung fand. Männer, denen in der Musikwelt noch heute volle Bedeutung zuerkannt werden muss, waren die Lehrer und Unterweiser Fischer's. Laurenz Weiß, Gottfried Preyer, Rotter und Duck theilten sich in die verschiedenen Unterrichtszweige der Musiktheorie und Maestro Gentiluomo, der nachmalige bedeutende Stimmbildner am Prager Conservatorium der Musik, war sein Gesanglehrer. Der poetisch angehauchte, nach Idealen strebende Jüngling labte sich an den reichen Segnungen des ihm bisher verschlossenen Unterrichtsmaterials, und namentlich die Opernliteratur der alten Italiener, wie nicht minder die Bühnenwerke Mozarts und die dazumal noch mit veilchenarnger Schüchternheit emporkeimenden Musikblüthen Schubert's erregten das Interesse Fischer's. — Wenngleich wir, unserer heutigen Anschauung gemäß, die Partituren italienischer Opern rc. als, Quellenstudien für angehende jüdische Cantoren für verfehlt erachten, so dürfen wir den Umstand nicbt aus dem Auge verlieren, dass bei den damaligen religiösen und socialen Verbältnißen der Juden das Erschließen der angedenrelen Musikquellen als bedeutender Fortschritt für diejenigen betrachtet werden muss, denen bis dahin Alles, was mit Musikliteratur und Musikgesetz im Zusammenhänge steht, ganz vorenthalteu blieb; deshalb verdient die eminente Beherrschung der angeführten. Bühnenmusik, deren Fischer noch hente sich erfreut und die ganz bestimmt nur das Ergebnis eines umfassenden und anhaltenden Studiums sein kann, unsere volle Anerkennung. So erblicken wir Fischer an der Seite Sulzer's ebenfalls strebend, arbeitend, schaffend, und es liegt uns ob, das Ve» hältnis zu verzeichnen, in welchem er zur Entwickelung des Synagogengesanges stand und steht. — Sulzer und Fischer. — Es sind durchaus nicht zwei miteinander parallel dahinlaufende Linien, denen unser forschender Blick begegnet, bedeutende Abweichungen, oftmaliges Durchkreuzen, hie und da auch ein strenges Nebeneinandergehen und gleich darauf die auffallendste Gegenbewegung der beiden Linien, so könnten vielmehr die Bestrebungen der beiden Herren bildlich dargestellt werden. Sulzer, der e r st e Obercantor des Judenthums, der Dictator auf synagogal-ge« sanglichem Gebiete, hatte in Allem das entscheidende Wort und der strebsame Fischer lauschte andachtsvoll den Tönen und Worten seines Obercantors. Nichtdesloweniger hatte Fischer sein Programm für die zeitgemäße aber historisch getreue Weitergestaltung desjenigen gottesdienstlichen Theiles, den er zu vertreten hatte, vollständig geordnet. — In seinen Ohren klangen ja noch zu mächtig die herzerhebenden Töne der berühmten mährischen הזנים, der glaubensschaurige Angftruf der Lslioba-Melodien, die in Tönen geformte Religionsfreudigkeit der Pismomm, die kindliche Ergebenheit des Geschem- und Pall-Sanges. Fischer wollte auch in der Residenz- Synagoge heimisch werden, allein nur wie das Echo eines lieblichen Gesanges säuselte es in der Luft *ואהיה שכונה, - - . er wollte jüdischen Brauch, jüdische Sitte und demgemäß auch die jüdische Melodie unangetastet erhalten, er hätte es gar zu gern in die Welt hineingerufen: ,Kommt, sehet und höret, wie unsere Vorfahren gesungen"; doch wie aus längst ent-