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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-07-08 · Heft 23 (8.7.1884) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 23 (8.7.1884)
Date
1884-07-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Indem wir dieses Hiemir registriren, wünschen wir der wohllöbllchen Mariahilfer Gemeinde Glück und Gedeihen für ihr weiteres künstlerisches Streben auf dem synagogal-gesanglichen Gebiete. Wenn Luch die mehrjährige Geschichte des Mariahilfer C-antorateS leider keine Bläthezeit aufzuweisen hat, wenngleich die Heiligkeit des neuerbauten Mariahilfer Gotteshauses durch den innerhalb seiner Mauern inaugurirten Sängerkampf—als allererstes Weihefest — nicht sonderlich glücklich zum Ausdruck gebracht wurde und unsere Hoffnungen auf ein ersprießliches Resultat -bezüglich'der Formvollendung der Mariahilfer synagogalen Zukunftsmusik keineswegs als rosige zu bezeichnen sind, so iverden wir die in Angriff:genommenen Bestrebungen dennoch auch fernerhin beobachten und es soll uns freuen, seinerzei! irgend welche didactische Erfolge verzeichnen.zu können; vorläufig scheinen Willkühr und eine gewisse Bevormundung der cantoralen Wirksamkeit daS Scepte. zu führen, welche Umstände niemals zur Quelle deS Segens werden können. Was die Betheiligung an dem Mariahilfer Cantoren- Wettsingen betrifft, freuen wir uns, wie wir Eingangs dieses Aufsatzes erwähnt, die Beobachtung gemacht zu haben, dass das Standesbewußtsein seitens unserer Collegen zu erwachen beginnt, dass besser denkende und edler geartete Fachgenossen solchen und ähnlichen Zumuthungen und Anforderungen entrüstet den Rücken kehren. Wir sprechen jenen Collegen für ihre an den Mariahilfer Synagogenvorstand noch vor Thorschluss gerichteten Absagebriefe unseren tiefgefühlten und wärmsten Dank aus. Das war einmal eine wahrhaft männliche That, welche nicht nur den betreffenden Collegen, sondern dem ganzen Stande zur Ehre gereicht; das ist eine Handlungsweise, welche die Eignung besitzt, das Ansehen des jüdischen Cantors zu heben und der Willkühr und Eigen- Mächtigkeit gewisser Gemeindedespoten Schranken zu setzen. Jahresbericht -es österr.-ungar. Canloren-Vereines. Der gefertigte Vorstand erlaubt sich den Mitgliedern des österr.-ungar. Cantorcn-Vereines den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr vorzulegeu und will es versuchen, in kurzen Abrissen die wichtigsten Erfolge' seiner Thatigkeit flüchtig zu skizziren. Vorausgeschickl mag Werdens dass zwar große Erfolge, wie sie das vorige Jahr gebracht hat, in diesem Jahre nicht erzielt wurden, dass durch Zusammenwirken oerschiedener Umstände ein so rapides Anschwellen des Vereinsvermögens, wie es das frühere Jahr gebracht hatte, in diesem Jahre nicht eingetreteu ist, dass aber der Verein eine immer kräftigere und sicherere Basis gewinnt, die ihn binnen Kurzem befähigen wird, allen Anforderungen gerecht zu werden, die an ihn das Statut stellt. Dafür mögen die Ziffern des an anderer Stelle abgedruckten Nechnungsausweises sprechen. Unter den Einnahmen sind. jetzt die regelmäßig wiederkehrenden und nicht blos zufälligen dominirend Die Spenden bilden kaum den dritten Theil der Gesammtcinnahme, während die Zinsen des in guten Staatßpapicren angelegten Vereinsvermögens, sowie die Beiträge der Mitglieder zwei Drittel des Einkommens bilden. Wenn wir einen Ueberschlag machen, so ist dem Vereine nach dem gegenwärtigen Vermögensstande ein Zinsenerträgnis von 250 fl. gesichert, welches zur Deckung sämmtlicher Ausgaben hinreicht, während die mit über 600 fl. zu veranschlagenden Mitgliedsbeiträge, von denen freilich Heuer über 150 fl. unbe- ~ richtigt geblieben sind, dem Vereine zur Verfügung stehen. Außerdem ist uns jedoch von vielen Seiten die Zusicherung ertheilt worden, dass wir für's nächste Jahr auf kräftigere Unterstützung unserer Interessen rechnen können. Bei::dieser! Gelegenheit möchten wir auch au die geehrten. Mitglieder den neuerlichen Appell richten, auch mit Hand anzulegen und in ihren Gemeinden für die Unterstützung des österr.-ungar. Cantoren- Vereines thätig zu sein- . Von den Einnahmen pr. 1043 fl. 72 kr. wurden im verganzenen Jahre über 600 fl. fruchtbringend theils in Renten, theils in Sparcasse-Büchern angelegt, so dass das Vereinsvermögen mit Schluß dieses Jahres ungefähr fünftausend Gulden beträgt, ein gewiss bedeutender Erfolg für einen so jungen Verein. Besondere Ausgaben wurden dem Vereine durch.den leider misglückten Versuch zur Gründung und Festigung einer Zweig- Niederlassung für Böhmen verursacht. Trotzdem ist es uns gelungen, die Kanzleispesen in diesem Jahre unter das vorjährige Niveau herabzudrücken, und lässt uns dies hoffen, dass eine weitere Ersparnis in dem nächsten Vereinsjahre bei . Wegfalle außerordentlicher Ausgaben eintreten wird. Der Nedaction der österr.-ungar. Cantoren-Zeitung, die in so bedeutender Weise zum Emporblüben unseres Vereines beiträgt, und die von den. Mitgliedern nicht in dem Maße unterstützt wird, als sie es verdient, wurden für verschiedene Verlautbarungen, Abdruck der Statuten der Zweigniederlassung, Abdruck und Versendung des Rechenschaftsberichtes,Bersendunz von Gratis- Exemplare an bedeutende jüdische Männer 100 fl. ausgezahlt. Zu unserem Bedauern waren wir in diesem Jahre nicht in der Lage, derselben eine Subvention zu bewilligen, und zwar aus dem Grunde, da die außerordentlichen Einnahmen eine Herab- Minderung erfahren haben. Von den im verflossenen Vereinsjahre an zwei Collegen geliehenen 20 fl. wurden 14 fl. zurückerstattet. Dafür mußten aber an mittellose Vereinsmitglieder, die sich in momentaner Noth befanden, 30 st. dargeliehen werden. Bei Gelegenheit des achtzigjährigen Jubiläums unseres Ehrenpräsidenten Meister Sulzer betheiligte sich der Verein an den ihm dargebrachten Ovationen in hervorragender Weise; der Vorstand jah sich auch veranlasst, zu diesem Behufe einen Betrag von 25 fl. aus Vereinsmitteln zu votiren, wodurch documentirt werden sollte, dass alle Mitglieder des Vereines und nicht blos dessen Vertretung an der seltenen Feier Antheil nehmen. Der Bericht würde eine Lücke empsindeu lassen, wenn wir blos die materiellen Erfolge, die der Verein im verflossenen Vereinsjahre aufzuweisen hat, besprechen würden, wir glauben vielmehr, dass die moralischen Erfolge, die wir errungen, mit größerem Nachdrucke betont werden müssen. Man hat in vielen Gemeinden schon zu empfinden begonnen, dass der Cantor nicht ganz ungeschützt dasteht, dass er zu einem großen'Ganzen gehört, welches schonende Behandlung und Rücksicht fordert. In mehreren Fällen wurde der Vorstand von Vereinsmitgliederu um seine Intervention gegenüber der Gemeinde angegangen und hat er dieselbe gerne und, wie hier verzeichnet werden kann, auch mit Erfolg geleistet. Die Ereigniße der jüngsten Zeit haben es auch bewiesen, dass das Gefühl für Standesehre im Wachsin begriffen ist, und dass die Zeit nicht mehr so ferne liegt, wo der Cantor die Achtung nicht bloß verdienen sondern auch genießen wird, die keinem pflichteifrigen und aus seine Ehre bedachten Manne verweigert wird. Wenn wir nun auf die Erfolge, die der Verein bis jetzt errungen, zurückblicken, fühlen wir unseren Muth gehoben, und

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