Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 22 (30.6.1884)
- Date
- 1884-06-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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Ton verfasst, was so viel heißt, als im hexametrischen Nhythmus. Dies Letztere hat nämlick seine vollkommene Nichtigkeit, denn der Rhythmus dieses Gedicktes ist auck kein anderer als der hexametrische, d. h. dactylisck-spondäische. Hier ist nun zuglcick der Ort zu bemerken, dass derselbe Rhythmus in den hebräischen Poesien überall wiederkehrt, d. b. eine Mischun ׳ derselbe n, durch die natürliche Wortbetonung gegebenen Füße, nämlich der trüber bereits genannten (Dactylus, Spoudäus und Trockäus), zu welchen, wie wohl selten, noch der erste Päon - v v kommt, von dem bereits erwiesen wurde, dass er mit den genannten Füßen gleichen Tact hat. Die Gedickte unterscheiden sich also nur durch die Länge der Versreihcn und mitunter durch einen charakteristischen Wechsel längerer oder kürzerer Reiben, dass auch die Mischung der Füße selbst manchen Versen einen eigenen Charakter gibt. ist.sehr natürlich, wozu noch die Vorschlüge und Halbsüße beitragen können. Nichts Anderes als dies mein! Hieronymus, wenn er sagt, dass man in den Psalmen bald' jarnviseve (gi^a2wü malokv erez), bald sapphische (näschküwar pen-jenaf wetauwdu dereck), bald alcäische Bewegung — denn von einer Strophenform in solchem Sinne ist nicht die Nede — finde. Wie i^eit aus dergleichen das Gefühl des Dichters einwirrre, lassen wir dahingestellt. (Fortsetzung folgt.) Die Juden -er Türkei. (Monatsbericht der Alliance israelite.) Herr Pariente, Direcror der Schule der Alliance in Smyrna, hat vor Kurzem einige israelitische Gemeinden der Türkei besucht und an das Central-Comitd einen diesbezüglichen Bericht ge!endet, dem wir Folgendes entnehmen: Die Stadt Tireh befindet sich circa 100. Kilvm. westlich von Smyrna. Zhre Bevölkerung wird ans 18.000 Seelen, darunter circa 300 israelitische Familien geschätzt. Die Stadt ist äußerst malerisck an einem Hügel gelegen. Sic ist amphilhea tralisck an denselben gebaut, inmitten einer üppigen Vegetation. Von außen gesehen, macht sie mit ihren 34 Minarets einen sauberen und eleganten Eindruck, von innen dagegen bietet sie das traurigste Schauspiel. Außer dem Bazar, welcher, nachdem er vor Kurzem abbrannte, neu errichtet wurde, sind alle Häuser verfallen und entbehren jeden Comforts. Die Wohnungen des Iudenviertels — alte gebrechliche Spelunken — wie Gerüste übereinander ausgerichtet, zittern bei jedem Windstoß und drohen zusammenzustürzeu. Eine jede Familie besitzt ihr eigenes Haus, jedoch hält man es nicht der Mühe werth, auch nur einen Hammerschlag daran zu wenden, sei es, um hier eine Treppen׳- stufe zu befestigen, oder um dort eine Diele oder einen Balken in Stand zu setzen. Von jeher nannten die Israeliten Tireh ,das kleine Safed*, mit Bezug auf eine der vier orthodoxen Stätten des gelobten Landes. Dies bezeugt zur Genüge, dass die Israeliten dieser Stadt zu den frömmsten gehören. Das Familienleben daselbst ist ein patriarchalisches, die Sitten sind rein. Dis Frauen tragen ein unschönes Nationalcöstüm, welches die ganze Brust entblößt lässt. Von den Männern kleiden sich einige nach europäischer Sitte, jedoch trage» sie den Fez. Man heiratet ge׳- wöhnlich jung; die Männer zwischen 13 und 18 Jahren, die Frauen von 12 bis 15 Jahren; man findet Großväter von 29 Jahren. Diese Gewohnheiten bleiben selbstverständlich nicht ohne Einfluss aus die Körperbildung. Die Züge der Israeliten zu Tireh sind unregelmäßig, spitz und eckig, der Teint dunkel, die Gestalt klein und untersetzt, der Gang langsam und schleppend,^ besonders bei den Frauen, welche fast immer Holzschuhe tragen. Die Kinder sehen im Allgemeinen gut ans und scheinen intelligent. Vom 10. Jahre an verlassen sie die Talmud-Thora, um in das Geschäft eingeweiht zu werden. Ihre Bildung, wie die der Eltern, beschränkt sich auf das Hebräische und die jüdischspanische Schrift. Die Frauen beschäftigen sich nur mtt der Wirtschaft. Als einzige Kunst lehrt man die jungen Mädchen eine Art türkischen Tanz und schlechte Lieder. Nichts ist einfacher als die Organisation dieser interessanten Gemeinde. Nicht einen einzigen Bettler gibt es; ein Zeder arbeitet und verdient sein Brod; man begnügt sich mit wenigem, jedoch man streckt nicht die Hand aus. Ein armer fahrender Citronenhändler bat darum ersucht, eine jährliche Summe an die Alliance zahlen zu dürfen. Sein kleiner Handel kann ihm täglich ailerhöckstens 2 Francs abwersen; die Sabbath- und Festtage abgerechnet. Trotzdem ist er der Besitzer des Hauses, welches er bewohnt. Dank ihrem Fleiss und ihrer Sparsamkeit, erfreuen fick die Israeliten von Tireh eines viel größeren Wohlstandes als diejenigen des inneren Landes. Ihren Verdienst verdanken sie zum größten Theile den Ver- Wüstungen der Phyllorera, da das Hanpl-Ansfuhrproduct Tireh's dis blauen Traubenrosineu sind, -welche seil einigen Jahrerr bedeutend im Preise gestiegen sind. Nun besitzen dort einige Zsraeliten Weinberge und Ackerboden, welche beule bis 20 Percent ihres Werthes bringen. Viele Israeliten handeln mit Baumwolle, Getreide oder fabricirten Waaren. Man findet auch Schuster, Schneider und Blechschläger unter ihnen. Einige israelitische- Kinder befinden sich als Lehrlinge bei griechischen Meistern. Auch find die Beziehungen der Juden zu der übrigen Bevölkerung sowohl in Tireh, wie in den anderen Städten des Innern, die allerbesten. Ueberall find Juden unter den städtischen und verwaltenden Behörden. Die Kinder haben nicht die geringste Bildung, kaum lesen sie fiießeud die Thora — selbstverständlich ohne auch nur das geringste davon zu verstehen. Nachdem der. Gemeinde hierüber Vorstellungen gemacht worden sind, hat sich dieselbe entschlossen, außer der Talmud-Thora noch ein anderes Schul-Institut zu gründen und demselben große Opfer zu bringen. Die Einnahmen der Gemeinde Aidin betragen ungefähr- 5400 Francs, wovon 1200 Francs von einer Steuer auf Wein und Käse herrühren, und das Uebrige von einer Personalsteuer, welche die jüdische Verwaltung den wohlhabenderen Mitgliedern auferlcgt. Die Ausgaben werden folgendermaßen eingetheilt: das Honorar des Oberrabbiners 1500 Francs; Kleidungsstücke für bedürftige Kinder und Korn für die Armen bei Gelegenheit״ des Osterfestes, 1400 Frcs.; Unterstützung der Scheluhim 900 Frcs.; Bezahlung eines Samas 600 Francs; Diverses 1000 Francs. Es gibt sieben verschiedene Talmud-Thora's. Ein jeder Familienvater, sei er nun reich oder arm, handelt mit dem von ihm selbst erwählten Rabbiner. Das monatliche Schulgeld für jeden Schüler wechselt zwischen Francs 0.80 und 1 Francs. Die Verwaltung gewährt diesen Rabbinen nicht die mindeste Subvention; diese nun verlieren den größten Theil ihrer Zeit damit, ihre geringen Einkünfte einzuziehen, und überlassen ihre Schüler sich selbst. Die Kinder treten schon vom 3. Jahre in die Talmud-Thora ein und bleiben dort höchstens bis zum 12. Jahre. Die Gesammtzahl der Schüler, welche diese Anstalten besuchen, mag ungefähr 300 betragen. Die Unterrichtetsten unter ihnen können kaum hebräisch lesen. Im Uebrigen ist die Lehrmethode so veraltet und so dürftig wie möglich, auch begleiten sie ihre Studien mit einem monotonen Gesang und dem hergebrachten Hin- und Herschaukeln des Oberkörpers. Es ist also kein Wunder, dass diese armen Kinder trotz ihrer Intelligenz mehrere Jahre mit Lesenlernen zubringen. Es ist unnöthig hinzuzufügen, dass weder Lehrer noch