Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 22 (30.6.1884)
- Date
- 1884-06-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Man siebt schon, dass hier kein jambisch-anapästischer Rhythmus entstehen kann, sondern dass man vielmehr vorne betonte Füße zu erwarten bal und der Rhythmus, den die Verse bei einem ganz ungekünstelten Ablesen haben werden, ist ohne Zweifel folgender: schlches | 16 16 | bonow \ müraöm dor | ikesch iif j saltol jazew ge j w ul aus \ amlm le | mispav be j ne jis j roel 2)e1m.דור wird gewiss Jedermann so nabe mit עקש zusammenlesen, dass es als meirische Kürze erscheinen muss, und was die hier als Kürzen angegebenen Schwalllante betrifft, so würde sich der Charakter des Rhythmus nickt ändern, wenn sie etwa Jemand gar nicht wollte hören lassen. Unter allen Umständen spricht man hier nur Dactylen, Spondäen und Trochäen, also lauter Versfüße, die in den Hexameter Hineingebören, und nicht allein dies, sondern in jeder Reihe sind auch gerade sechs solche Füße. Man vergleiche hiemit folgende Reihen in demselben. Gefange (5. Mos. 32.) järof kä ( mötoi’ | 11'kihl j tisäl ka | tal um | 16881 bal6 hü b { wicho ko | n6cho hü | osscho | wäjechon j neeho und man wird zngeben müssen, dass weder die hier sich sindenden, wirklich hexametrischen Verse ein Zufall sein können, noch auch die Uebereinstimmung mit der Angabe des Josephus, der diesen Abschnitt ausdrücklich ein hexametrisches Gedicht nennt, was sich auch in allen seinen Versen beweist. Da nun diese Belonungsweise nicht willkürlich erdacht, sondern vielen, unserer Leser lauge geläufig ist, Anderen leicht geläufig werden kann, so wird es Jedem leicht werden, unzählige Verse, wie die obigen, im Hiob, in den Sprüchen, Klageliedern, vielen Psalmen u. s. w. selbst aufznfinden. Sollte gleichwohl Jemand dies für Zufall oder bloße Hypothese halten, so versuche er doch, ob er in prosaischen Stücken ein Kapitel finden werde, dem Angedeulelen an Neihenmaß und Rhythmus entsprechend. Zugleich wird er sich überzeugen können, dass es auch rythmische Stücke von anderen Reihenmaßen gibt, in welchen es schwer sein möchte, ebenso wie hier dura gehend sechsfüßige Verse nachzuweisen. Ehe wir nun hierauf und auf die anderen Angaben des Josephus näher eingehen, wollen wir noch etwas bei dem obigen Gedichte verweilen, um einige Eigenthümlichkeiten des hebräischhexametrischen Rhythmus anzudeuten. Da nämlich viele Reihen mit mehr als zweisilbigen Wörtern beginnen, bei welchen nun der Ton oder die metrische Länge erst mit der vorletzten Silbe eintritt, so entsteht bei diesen Versen ein Vorschlag von einer oder mehreren Silben; zuweilen wird dieser selbst von besonderen kleinen Wörtern gebildet; z. B.: jarkiwehü al | bomosse j orez wajjaüchal te|nüwaüs | sodoj. Der hebräische Dichter ist keineswegs bemüht, solche Vor; schlagssilben (Auftacte) zu vermeiden, wie auch aus einem interessanten, hieher gehörigen Fall hervorgeht. Das Lied am rothen Meere fängt nämlich ebenfalls mit einer solchen Vorschlagssilbe an: 0 | schiro lädönbj' ki goaüh göoh wie ganz überflüssig nun diese Silbe ist und wie leicht sie hätte vermieden werden können, geht aus Miriam's Wiederholung hervor, welche mit dem ersten Tacre aniängt: sehlrb lädonbj ki goaüh gooh So wenig man nun dieses Umstandes wegen den obigen Reihen den hexametrischen Charakter absprechen wird — es ist bekannt, dass man auch im Deutschen versucht hat, Hexameter mit Vorschlagssilben zu machen —!0 muss man doch gestehen, dass sich sowohl hiedurch als durch die Anordnung der Versfüße und Cäsuren der hebräische Hexameter von der Regelmäßigkeit und Wohlgemessenheit des griechischen sehr weit entfernt. Eine andere große Unregelmäßigkeit ist, dass sich in manchen Versen Halbfüße finden; z. B.: Hl ejmüuoh w’en [ owel | zäddik | wjoschor ) hu. Merkwürdig ist, dass auch Hieronymus ibrer gedenkt und sie sogar, namentlich im Anfänge der Verie, als eine besondere Schönheit betrachte!, wo sie allerdings mitunter^charakteriftisch sind: bazür s tomlm s polaü 32, 4. 11 j nokom | w'schllein 32, 35. Betrachtet man nun dieses Gedicht näher, so findet man allerdings, der Angabe des Josephus entsprechend dnrckgehends, mir alleiniger Ausnahme von V. 14 und 39, seckSfüßige Reihen im dactylisch-spondäisckcn Rhythmus. Aber alle diese Reihen haben in der Mitte einen Einscknitt und zerfallen auf diese Weise in zwei kleinere, im Gedankenparallelismus einander gegenüberstehende Reihen: j’ssauw’wenhü jeiwbimelnehü jlzrenhü kejischaün | enaü. Ai an sieht also, dass der ursprüngliche Charakter des Gedichtes nicht sechs-, sondern dreisüßig sei, und dass der Dichter selbt nicht eigentlich Hexameter, sondern dreifüßige Neiden im hexametrischen (d. h. dactylisch-spondäischen) Rhythmus schreiben wollte, wie dies auch auS V. 14 hervorgeht, wo, wenn man Alles in Hexameter zerlegen wollte, einmal ein dreifüßigec Vers übrig bliebe. Ebenso bei V. 39. Gleichwohl gibt der Umstand, dass hier lauter dreifüßige Verse stets paarweise (mit einer Ausnahme) durch das ganze Gedicht durchgehen, was, wie wir noch sehen werden, sich nicht häufig wiederfindet, diesem Stücke etwas Eigenthümliches. Hieraus erklärt sich also, was Josephus bewog, hier auf die Aehnlichkeit der hexametrischen Form besonders hinzudeuten; denn vergleicht man hiermit das 2. Mos. 15., so wird man sich sehr bald überzeugen, dass man hier in den wenigsten Fällen im Stande ist, eine bexametrische Reihe zusammenzusetzen. Ja selbst V. 9, welcher in zwei sechsfüßige Reihen zerfällt, gestattet bei diesen nicht eine Zerlegung in zwei dreifüßige Hälften, welche bei 5 Mos. 32. bei mehr als siebzig Reihen möglich ist, sondern hier findet man je drei zweifüßige und auch zweigliedrige Theile. ארדוף אשיג 1 אחלק שלל I אמר אויב תמלאמו נפשי 1 אריק חרבי 1 תורישמו ידי. Dies ganze Gedicht besteh! aus einer Reihe von Strophen, deren Verse großentheils vierfüßig, zum Theil aber auch abwechselnd zwei- und dreisüßig sind. Dass diese Versformen bereits in der ursprünglichen Schreibart des Gedichtes gegründet sind, davon kann man sich überzeugen, wenn man die höchst werthvollen Bemerkungen des R. Asaria in Hinsicht der Gliederzahl in Anwendung bringt. Denn sowie man bei 5 Mos. 32., von welchem auch N. Asaria sagt, dass es aus Halbreihen von je drei Gliedern bestehe, dies im Durchschnitte vollkommen bestätigt finden wird, so zeigen sich hier Strophen ans Versen von vier Gliedern (V. 6 und 7.) abwechselnd mit solchen, deren Verse aus drei und zwei Gliedern bestehen, welchen Unterschied in beiden Gedichten ebenfalls R. Asaria angemerkl hat. Mendelssohn bemerkt hiebei mit Recht, dass dieser Wechsel von Versen aus mehr oder weniger Gliedern bei 2 Mos. 15. nicht zufällig, sondern dem Gedaukenwechsel entsprechend sei, und unsere Leser können sich ebenfalls hievon überzeugen. Aus diesem Allem ergibt sich, dass Josephus vollkommen Grund hatte, wenn er dieses Gedicht nicht, gleich dem Abschnitte 5. Mos. 32, ein hexametrisches Gedicht nennt, und dass der Wechsel im Ausdrucke bei ihm keineswegs blos zufällig ist, wenn er von 2. Mos. 15. nur sagt, es sei im H e x a m e t e r-