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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-06-30 · Heft 22 (30.6.1884) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 22 (30.6.1884)
Date
1884-06-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 — Cantor für Wochentage rc. beigeorduet mar, und mit ihm noch viele Zahre gemeinschaftlich wirkte, vertrat sa blos den alten Vorbeterstyl in laienhafter Weise — an ein küustlerisch-zeitgemaßeres Umgestalten dachte seine fromme Seele entschieden nicht — er kann demnach ebensowenig als Regenerator des bezeichneten Gebietes angesehen werden, wie die nach seinem Ableben an seiner Stelle nur kurze Zeit thätig gewesenen Cantoren. So führt uns der Faden der Geschichte sicher und zuverlässig bis zu jenem Manne, der noch heute, wie vor Zahrzehnten, als treuer Diener vor dem Herrn, am Betpulte der Seitenstetten-Synagoge fuuctionirt, und wenn wir seinen Namen auch nicht aussprächen, eS weih es dennoch die gesammte Cantvrenwelt des Judenthums, wirmeinen: Adolf Fischer. An seiner Wiege stand der Ernst des Lebens, und rauhe Töne eines düsteren Schlummerliedes lullten ihn in den Schlaf. Die einst unter sreuudlichcn Verbältuißeu lebenden Eltern werloreu ihr ganzes Habe unter den Hustritteu der Kriegsrosse Napoleons I. und das au Dürftigkeit gewöhnte kaum sechsjährige Knäblein warf ein bitteres Ungefähr erbarmungslos hinaus in die kalte Fremde. Die Pfade von Wisternitz in Mähren (der Geburlsstätte Fischer's) nach Nikolsburg, wo er die Jeschiwa besuchte, und von da nach Wien, waren keineswegs mit Rosen bestreut und nicht herzerbebende, freundliche Jugenderinnerungen sind eS, auf die Fischer, gleich anderen glücklichen Menschen, zurückblicken kann. Allein wir wissen nicht, ob das Geschick nicht zu segnen sei, welches ihn, obgleich noch im zarten Knabenalter stehend, gerade durch seine Härte so rasch zum Manne, d. h. zum männlichen Denken und Handeln heranreifen ' lieh. Den einen Bruder Ahron, ausgenommen, der guten Willen, aber bei weitem nicht Las richtige Verständnis für Kindererziehung besah, hatte der Knabe keinen Rathgeber auf Gottes weiter Erde, und/ so müssen wir es einem wunderbaren Zusammentreffen der Ereignihc zuschreiben, dass das Kind in dem Getriebe der Weltstadt allein den Weg fand. Das Nothwendige mit dem Angenehmen verbindend, beluchte der Knabe die Schule zu St. Anna, indem er, soweit es die freie Zeit gestattete, gleichzeitig im Chore des Seiiensteltentempels milsang, und die Leiter von Schule und Gotteshaus hatten vollauf Gelegenheit, mit den Leistungen des Kindes zufrieden zu sein. Im Jahre 1832 (שבת פרשת נצבים תקצ״ג) trat Fischer im Chorrocke des Sängerknaben an das Betpulr der Synagoge, um als ,בר מצוד die Haphtora vorzutragen. Dieses Ereignihes erinnert sich Fischer als eines Lichtpunktes seiner Jugend noch heute in dankbarer Stimmung, wenngleich er auch damals seine Einbildungskraft nicht darauf zu lenken wagte, die bezeicknele Stätte als den Ort seiner künftigen Lebenswirksamkeit zu betrachten. Mit der strengsten Pflichterfüllung nach der angedeuteten Richtung verband Fischer einen Wissensdrang für'» Hebräische, namentlich des lithurgischen Theiles, welchem er unter Saalschütz Befriedigung verschaffte, und später für Talmudstudien. die er in der Mutationsperiode unter ר' נחום טרעביטש זצ״ל in Nikolsburg betrieb. Nach beendigter Studienzeit erhielt Fischer den Noränu-Titel und die Approbation als שוחט ומדק. Allein auch diese Lebensphase, obgleich schon etwas freundlicher gestaltet, verschaffte ihm keine vollkommene Befriedigung: bei seinen geistigen Excursionen auf den verworrenen Pfaden der Talmud- Disputation, bei der feinfühligen Beschäftigung des Schlachtmesferwetzens und namentlich beim Vorbeten in der Nikolsburger Synagoge, allüberall umgaukelten ihn die Genien unserer göttlichen Kunst und in seiner Brust ertönte es mit Macht: Ach! nun kommt die schöne Zeit, Der Ton klingt wieder rein Hierdurch ward manches Herz erfreut, So soll auch mein's getröstet sein. Die natürliche Umgestaltung der Sopranstimme in einen Tenor war beendigt und mit einem ewigen Hosfnungsfrühling im Herzen nahm Fischer von Nikolsburg Abschied, um in Wien jene Pfade zu betreten, die ibn der Verwirklichung seiner Ideale, seinem einstigen Lebens׳ und Liebliugsbernfe näher brachten. Ja! der schmale, schlüpfrige Pfad der Künstlerlaufbahn grenzt zu beiden Seiten an die bequeme und breite Heerstraße des Komödiantenthums und sehr oft bemerken wir leider einen Kunstjünger, der seinen Lebensgang auf dem bezeichneten. schmalen Künstlerpfade begonnen, auf der nachbarlichen Heerstraße erst moralisch, dann körperlich untergehen. Nur von diesem Gesichtspunkie aus muss die eigenartige Richtung in der allgemeinen wie fachmännischen Gesinnung und Denkart wie überhaupt in der. Charaktercigenthümlichkeil Fischer's beurtheilt werden, um zu einem richtigen Resultate zu gelangen. Wie schwer ist eS für einen Menschen, dessen Jugenderziehung nicht vom Elternhause ihren Ausgangspunkt nahm, dessen spätere Fortentwickelung nicht unter der zarten Obhut von Vater und Mutter oder wenigstens unter Mithilfe tüchtiger und edeldenkcnder Erzieher geschah, dessen Berufswahl nicht von erfahrenen älteren Personen berathen wurde — wie schwer, sagen wir, muss es für einen solchen, ganz allein wandernden Erdenpilger sein, inmitten der obenerwähnten sittlichen Gefahren und moralischen Schäden, sich die v o l l ft ä n d i g e Reinheit seines Herzens, eine u n a n g e t a st e t e Sittlichkeit, eine klare Lebensanschauung, ein ungetrübtes, fachmännisches Wollen zu verschaffen und zu erhalten. — Wie nun Fischer seinen Lebensbcruf erfüllt? DaS Product seiner Lebens- und Fachbestrebuug liegt in seiner 40jährigen cantoraleu Thätigkeit vor uns. (Fortsetzung folgt.) Ueber Mustk uni» Porste der alten Hebräer. VI. In der That ist im Hebräischen noch eine andere Betonungsweise üblich, welche, ohne sich nach der Stellung des Aecenlzeicheus (נגינה) zu richten, den Ton, der Regel nach, auf die vorletzte Silbe legt. Gegen diese Betonungsart kann nichts gesagt werden, als dass sie der einmal angenommenen Ansicht von der כגינה widerspricht, für sie kann angeführt werden, dass dieselbe Betonungsweise im Syrischen vorherrscht, dass sie sich in vielen Stücken im Arabischen wiedersindet, dass die alten griechischen Dichter, wie man sich bei Homer leicht überzeugen kann, in den meisten Fällen die voiletzte Silbe betonten — im entgegengesetzten Falle würde sich bei ihnen schwerlich der Hexa- .meter so früh ausgebildet haben — und dass diese Betonung der vorletzten Silbe im Deutschen herrsche. In dieser Betonungsweise, nach welcher ein großer Theil der Israeliten das Hebräische liest, und die wir keineswegs als bloße Willkürlichkeit oder üble Gewohnheit zu verwerfen das Recht haben, würden die angeführten Verse folgendermaßen lauten: schiehes 16 16 bonöw mumöm dör ikesch ufsaltöl *) jazew g’wulös amim l’mispar bne jisroel. *) In den nachfolgenden metrischen Beispielen ist das Zeichen des Accent sign (') für die metrische Länge, das Zeichen des Accent grave (׳) für die metrische Kürze gesetzt. Die Redaction.

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