Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 20 (14.6.1884)
- Date
- 1884-06-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Geht man in die ältesten Zeiten zurück, so findet man die bestimmtesten Behauptungen in Hinsicht der Metrik der Hebräer. Joseph us sagt ausdrücklich, der Gesang am rochen Meere wäre im H exam e ter-Ton verfasst worden. Den sogenannten Schwanengesang Mosis (5. Mos. 32.) nennt er ebenfalls ein Hexametrisches Gedicht und von den Psalmen David's sagt er, dass sie von verschiedener Versart. einige drei-, andere fünffüßig seien. Auch Philo behauptet, die alten bebräischen Dichter hätten metrische Gedichte in dreifüßigen Versen und Chorgesänge in abwechselnden, w o h I g e m e ss e n e n Strophen hinterlassen. Ein Gleiches sagen unter Anderen auch Gusebins und Hieronymus. Bei jenem finden wir die Angabe, dass Ps. 119. im heroischen Metrum (Hexameter) -geschrieben sei, und Hieronymus der, wie aus manchem hervorgeht, seine Bemerkungen nicht blos ans den Angaben der Vorganger, sondern auch noch aus eigener Anschauung schöpfte, sagt, dass in Hiob, vom 3. Capitel an, h e x a m e tr i s ch e, in Dactylen und Spondeen sich bewegende Verse seien. Die Versuche, welche nun G o m a r us. M ei b o rn, H ar e, Z o u c s, A nt o n, L e u t w e i n, -G r e v e u. A., mitunter mit einem großen Aufwande von Scharfsinn machten, um das ver. lorene System der hebräischen Metrik wieder aufzufinden, mußten mislingen, weil sie sich bei den Systemen, welche sie anfstellten, nicht an etwas Gegebenes 1111&. Sicheres, sondern an neu ersonnenen Regeln hielten, die ihnen mitunter eine sehr lebhafte Phantasie diciirte. Bei einer so großen Reihe mislungener Versuche darf man sich nicht wundern, dass Diejenigen, welche von dem Dasein einer hebräischen Metrik überzeugt waren, jede Hoffnung, dass sie wieder gefunden werden könnte, aufgaben, und dass Andere überhaupt zu zweifeln begannen oder es selbst mit Bestimmtbeit leugneten, dass die Hebräer eine Metrik oder Rhytmik gehabt hätten. Indessen hat noch in der neueren Zeit B e l l e rm a n n sich bemüht, die Versmaße der Hebräer anschaulich zu machen. Er geht von der Ansicht aus, dass die Silbe, welche durch den Accent (נגעה) als betonte bejeicfynet, alä die prosodische Länge betrachtet werden müsse, von welcher Ansicht zum Theile auch L e u t w e i n ausgegangen war.... Wenn nun auch hier aus Gründen, auf welche wir zurückkommen׳ werden, ein den Aussagen der ältesten Schriftsteller entgegengesetztes Resultat ge- Wonnen werden mußte, und wenn die gefundene Rhytmik auch keineswegs den Erwartungen entspricht, so bat der Versuch Bellermann's dennoch für uns sehr großen Werlh, weil er, auf keine Willkürlichkeiten gestützt, sondern von einer grammatischconsequcnten Betonnngsweise ausgehend, vollständig gezeigt hat, was auf dieser Seite für die Auffindung der hebräischen Rbytmik zu hoffen sei. Was nun Diejenigen betrifft, welche entweder die Existenz einer hebräischen Metrik oder doch die Möglichkeit ihrer Wiederauffindung ganz und gar leugnen, so stützt sich ihre Meinung einzig auf den Umstand, dass diese Metrik bisher noch nicht wiedergesunden worden. Indes wie wenig dieser Umstand beweist, zumal gegen die bestimmten Aussagen einheimischer Schriftsteller, wie Philo und Joseph us, zu deren Zeit der hebräische Staat noch bestand und. die Sprache noch im Volke lebte, dürfen wir kaum erst andeuten. Die neuere Zeit hat wohl in mancher j Hinsicht gezeigt, wie unstatlhasl es sei, die Berichte alter Schriftj stell er zu verwerfen und sie der Unredlichkeit oder Unwissenheit 1 zu beschuldigen, blos deshalb, weil, wir das, was sie uns suchen! heißen, nicht zu finden wissen. Wir dürfen hier Wohl nur mit! einem Worte an die wirkliche Existenz einer egyptischen Buchl stabenschrift erinnern, von welcher alte Schriftsteller mitunter : ebenfalls auf das Unzweideutigste sprechen, und deren Existenz! man stolz verleugnete, während man auf anderer Seite die abj geschmacktesten Versuche einer symbolischen Erklärung der egypti-; schen Bilder machte, bis einige glückliche Zufälle die Ueberzeugung : von dem alphabetischen Charakter der egyptischen Schrift herbeiführten. Wenn also hierin nicht für uns eine Mahnung liegt, die! Angaben jener Alten nicht leich,sinnig zu übersehen, so kömmt . noch eine ganze Reihe von Gründen hinzu, welche auf einen rhytmischen Bau der hebräischen Poesie schließen lassen. (Fortsetzung folgt.) ״Nein, ich will nichts von Euch wissen, bevor Ihr Buße, und Besserung gelobt habt und au Euere Seligkeit denkt." ״Ich hoffe in der That, ebenso gut wie Ihr, selig zu werden," antwortete der Wirth ruhevoll. .Mit welch' unverschämtem Vertrauen der Mensch zu hoffen wagt!* dachte der Rabbi. Das Gespräch wurde durch den Eintritt eines Dieners unterbrochen, welcher meldete, dass eine arme Frau mit Don Abraham zu sprechen wünsche. ״Ich komme sogleich," sagte der Wirth. ״Eine arme Frau!" rief der Rabbi; ״morgen hat Eure Tochter Hochzeit, und noch habt Ihr der Armen nicht gedacht, sondern lasst sie zu Euch kommen und bitreu?!" ״Mein lieber Rabbi, damit Ihr nichts Böses von mir denkt und mir nicht Unrecht thut, sollt Ihr selbst die Frau fragen." Sie gingen darauf zusammen in den Saal, wo die arme Frau wartete; sie aber antwortete auf des Rabbi Frage: ״Gaben an die Armen sind genug ausgetheilt, ich komme keiner Gabe wegen." Es freute den Rabbi, dass fein zukünftiger Gesellfchaftsbruder wenigstens milden Sinnes gegen die Armen war, Don Abraham aber richtete nun selbst die Frage an sie, womit er dienen könne. ״Mir einem Rath." ״Sprecht und seid überzeugt, dass ich Euch gern nützlich sein will," antwortete Don Abraham. ״Ich bin eine arme Witwe," sagte die Frau, ״und ernähre mich und meine vier Kinder kümmerlich. Meine einzige Hoffnung war der Verlobte meiner Tochter; allein er hat jetzt eine reiche Braut gewählt und lässt meine Tochter sitzen." ״Weib," sagte Don Abraham, ״weshalb kommst Du zu mir, um meinen Rath zu hören? Habe ich denn Macht über den jungen Mann?" ״Ja, Du hast sie, Herr; denn er ist Dein Schwiegersohn." Don Abraham erblasste. Erft nach einer langen Pause sagte er zur Frau: ״Die Sache soll untersucht werden, und ist sie, wie Du gesagt, so soll Dir Genugthuung werden. Gehe jetzt getrosten Muthes heim." ״Das ist eine unangenehme Geschichte," sagte der Rabbi. ,,Ihr werdet Euch mit dem Mädchen und der Mutier absinden müssen." Don Abraham antwortete trocken: ״Wollt Ihr morgen bei der Trauung meiner Tochter anwesend sein, so werdet Ihr das Ende dieses unangenehmen Handels erfahren." Rabbi Rafchi vermochte in jener Nacht fast kein Auge zu schließen, so begierig, war er auf den Ausgang und am nächsten Tage, sobald der Anstand es nur gestattete, eilte er nach dem Paläste.