Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-06-14 · Heft 20 (14.6.1884) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 20 (14.6.1884)
Date
1884-06-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/1304829-3452960-3452980--1033-3455130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 3 — Wir überlassen die Antwort den maßgebenden Kreisen und eilen zum Schlüsse. Schir Zion II enthält zumeist Neprodnctionen der im Schir Zion I befindlichen älteren Werke; einzelne Nummern, die ein, allerdings sehr verspätetes, Zurückgreifen zur Tradition nickt verkennen lassen und trefflicke Compositionen von Julius Sulzer- (f. k. Hofcapellmeister in Wien) und Joses Sulzer (Solo- Cellist am k. k. Hosopernhause in Wien), den beiden reicht«- lentirten Söhnen ihres berühmten Vaters. Die beiden Bände Schir Zion, wie noch andere kleinere Werke, bilden, das unzerstörbare Monument, welches der spätesten Nachwelt noch Zeugensckaft ablegen wird von der großen Bedeutung eines Mannes, der ein ganzes von der Vorsehung reich gesegnetes Menschendasein der Durchführung eines Gedankens gewidmet: der Veredlung des jüdischen Gottesdienstes. Es ist unseres Erachtens eine, der Bedeutung eines hochverdienten Mannes gegenüber unwürdige Anschauung, wenn der Freundes- und Verehrerkreis Sulzer in dem Bestreben, ihm zu schmeicheln, zum großen Componisten stempelt. Die Errungenschaften Sulzer's bedürfen solch' allgemein üblicher Zugeständniße nicht — Sulzer ist mehr als ein Componist — er ist ein Organisator. Der Name vieler Componisten, Zeitgenossen Sulzer's, ist bereits Untergängen im 'Strome der Zeiten; doch SulzerA-Schöpfungen, gewürdigt durch die ihm hohen Ortes Zuerkannten Auszeichnungen, leben nicht blos im Herzen eines jeden besser denkenden Inden, sondern wenn die Geschickte des Judenthums einstens, in späteren Tagen, all' die Namen ihrer verdienstvollen Glaubensmitglieder verzeichne!, so wird in goldenen Lettern auch hell und rein erstrahlen der Name ,S a l o m o n Sulzer". (Fortsetzung folgt.) Uelier Musik und Poesie der alten Hebräer. IV. Ueber die innere Beschaffenheit der hebräischen Musik lässt j sich nichts mit Bestimmtheit sagen, da uns kein Zeichen geblieben j ist, welches uns mit ihrem Charakter und mit der. Reihenfolge 1 ihrer Töne und Tonarten bekannt machen könnte. Da die Alten unsere vierstimmige Harmonie noch nicht hatten, so wirkte diese Musik wohl durch das Ergreifende ihrer Melodien, welche die erhabenen Gedanken des Textes ohne Zweifel entsprechend und würdig ausdrückten. Zwar hat Anton die Meinung aufgestellt, dass die Accente die Noten der alten Tempelmufik!eien und demnach mit vielem Scharfsinne und theoretisch-musikalischem Wissen versucht, die alten Choräle wirklich zu entziffern, es ist jedoch bereits nachgewiesen worden, wie unsicher alle Stützen seines SystemeS seien. — Sind nun auch die alten Singwerkzeuge verstummt, vernehmen wir nicht mehr die Klänge der alten Psalmodien, versuchen wir vergebens zu erforschen, wie ein David und A s s a p h, bei einfachen, musikalischen Mitteln, erhabene Gefühle in Töne kleideten, so sind uns doch ihre großen Poesien selbst geblieben, die Jahrtausende uns nicht entreißen konnten; und wie bei der Weihe des Salomonischen Heiligthumes, bei dem Klange des großen Halelujah die Herrlichkeit des Ewigen alle Räume er׳ füllte, so erfüllt sie auch, wenn wir in jenen Liedern forschen, die Räume unseres Herzens. Gern aber möchten wir nun bei jenen Liedern der Vorzeit auch das wieder erkennen, was den Formen der Poesie so eigen ist, nämlich den für das Ohr berechneten Wohllaut, das rhytmische Gleichmaß der Worte und Reihen. Aber die Regeln der hebräischen Rhytmik haben sich uns, ungeachtet so vieler Bemühungen, bisher nur halb erschlossen, sie waren wie ein ferner Klang, den das Ohr ahnt und der, wenn wir recht hinhören, längst verhallte. ,Mein Gefühl sagt mir", drückt Rabbi Asaria sich aus, ,dass Maaß und Längenbestimmung in den heiligen Gesängen vorhanden sei." — ,Wir fühlen dies beim Lesen auf eine wunderbare Weise, ohne jedoch zu einer gründlichen Kenntnis dieser Regeln gelangen zu können." In ähnlichem Sinne sprechen sich Lowtb, Herder, Bauer, Jahn u. A. aus. Viele machten wirkliche Versuche, die Metrik der Hebräer wieder aufzufinden, ohne jedoch zu einem befriedigenden Resultate zu gelangen. Ais der Rabbi vor Don Abrahams Wohnung stand, erstaunte er sehr, denn dieselbe bestand in einem nach allen Regeln der Baukunft erbauten Palast. ,Ist das eine Wohnung für einen Sohn unseres Volkes? sagte der Rabbi und schüttelte den Kops. Aber sein Erstaunen und Unwille wuchs, je weiter er kam. Diener in goldgestickter Livre liefen hin und her, vornehme Herren und Damen gingen und kamen, prächtige Karossen rollten donnernd in den Vorhof, Alles war in Bewegung und zeugte von einem lustigen Leben. Es fehlte wenig daran, und der'Rabbi wäre unverrichteter Sache wieder umgekehrt. Nur in der Hoffnung, abgewiesen zu werden und vor dem Herrn Zebaoth eine Entschuldigung zu haben, redete er einen Diener an, allein derselbe führte ihn mit der größten Höstichkeit über eins breite, marmorne Treppe in ein reich ausgestattetes Gemach, wo er ihn zu warten bat, während er ihn bei Don Abraham melden wollte. Indessen sprach der Rabbi vor stch: ״Es geht doch sonderbar zu in dieser Welt. Hier lebt ein schlechter Jude, ein Verächter des Gesetzes, in königlichem Glanze; an anderen Orten sah ich fromme, gottesfürchtige Männer mit der bittersten Noth kämpfen, in Elend und Unterdrückung schmachtend. Wozu brauchen diese reichen Menschen ein Paradies, da sie es bereits hier auf Erden genießen? Wenn auch der Prasser in den Himmel kommt, wozu nützt dem Frommen die Entsagung?" Da wurde die Thüre geöffnet, und ein hoher, schöner Mann trat dem Rabbi entgegen. ,,Ich fühle mich hoch geehrt Lurch den Besuch des berühmten Rabbi Raschi," sagte er; ״erweiset mir die Freude, Euch längere Zeit als meinen Gast behalten zu dürfen.“ Der Rabbi wurde ob dieses Empfanges so verwirrt, dass er anfangs keine Worte zu sinden vermochte. Der freundliche Wirth bemerkte seine Verlegenheit und sagte: ״Ihr wundert Euch gewiss über diese Pracht in einem jüdischen Hause". ״Nein", rief der Rabbi aus, ״nicht über den Reichthum wundere ich mich, ebenso wenig über die Pracht, aber darüber, dass Ihr dem Geber so ganz und gar nicht dankt, dass Ihr- ״Ah, jetzt weiß ich, worauf Ihr abzielt, lieber Rabbi," unterbrach ihn der Mann mit lächelnder Miene; ״aber spart Euer Bemühen. Ich habe nun einmal meine Lebensweise gewählt und bitte Euch, einige Zeit hier zu bleiben, um dieselbe recht aufmerksam zu beobachten. Morgen ist die Hochzeit meiner Tochter, seid beim Feste gegenwärtig." ״Die Hochzeit Eurer Tochter? Ihr habt wohl einen reichen Schwiegersohn?" ,,Nein, er ist ein armer, aber strebsamer junger Mann, den ich liebe, wie einen Sohn." Der Rabbi wurde dadurch etwas milder gestimmt, fuhr aber in strengem Tone fort:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.