Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 19 (6.6.1884)
- Date
- 1884-06-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Charakter des Liedes sich richtende Wahl passender Instrumente zur Begleitung. Es batten eigene Musikdirectorcn das Geschäft, ein jedes für den Tempelgeiang übergebene Lied in obigen Be- Ziehungen zu arrangircn und mir den Chorschülern, die allmälig zu Meistern sich ausbi:deten (vergl. 1 מבין עם״תלמיד Cbron. 25, 8), einzuüben (סן batte nach 1 Cbron. 15, 22. der Levitenfürs! Chananja, als Meister — כי מבין הוא — im Gelange zu unterweisen, oder den Singchor einznnben : יסר במשא vergleiche Spr. 31, 1: משא אשל ימלתו אמו). Der Titel eines solchen Dircctors war מנצה. Die Vergleichung der Stellen 1 Chron. 15, 21. 23, 4., 2 Chron. 2. 1. 17. 34, ]2. 13. Esra 3, 8. 9. lässt gar keinen Zweifel über die Bedeutung dieses Wortes übrig. Man sieht auch, dass es ganze Cböre für bestimmte Instrumeme oder für den Gelang gab, die unter besonderen Direckoren standen. So wird 1 Chron. 15, 20—22. 27 eine Reihe von Männern, welche angewiesen waren, die Chöre mit Harfen על־עלמות und mit Cilhern על־השמינית zu dirigiren (לנצח), und der oben genannte Chananja als oberster Leiter des Gesanges של המשא. (archön ton odon LXX.) angegeben- Aus Ps. 68, 26. gehl ebenfalls hervor, dass Diejenigen, welche Instrumente spielten, einen besonderen Chor bildeten und die Sänger ebenfalls, und dass diese verschiedenen Chöre nach einer gew ssen Reihenfolge geordnet waren (,voran die Säuger, sodann die Lailenspieler'). Diese, den heutigen musikalischen Einricbnmgeil entsprechende Trennung des Gesanges von der Znstrumenral Begleitung in verschiedenen Cboren, ja unter der Lotung eines ausgebildeten AtusikerS (מבין) zeigt von der Sorgfalt für gute Ausführung der Musik und mußte derselben natürlich auch förderlich' sein. Hiezu kam uoch ein Anderes. So viele verschiedene Chöre, die nach den Einrichtungen Davids zusammen 4000 Musiker — Ich kam, um die gnädige Frau um Verzeihung dafür zu bitten, dass ich Sie so beleidigt habe. Ich habe gefehlt, ich gebe es zu. Denn darin, worüber wir diSputirt haben, hat Mori; Recht. Der Buchstabe "(ין ist in der That ein Consonant, nur durch eine poetische Lieenz wird daraus manchmal eine Aspiration. Der Herr Professor hat mir die Sache erklärt. Ich bitte also um Vergebung, dass ich Moriz Anlass gegeben habe, mich zu schlagen. Aber es hat mir nicht wehe gethan, denn er hat Recht und hat eine gute Faust- Er wird schon mit derselben Faust den Juden vertheidigen, wenn der Jude Recht haben wird. Von diesem Momente an, bin ich Philosemit geworden. Und dies ist bei mir nicht blos eine ideale Phrase, es ist auch in'S Leben übergegangen. , Ueberall, wo ich in die Schule gegangen, habe ich dahin gestrebt, dass meine Schulcollegen den jüdischen Commilitonen anständig behandeln. Zm Keeskemeter Collegium, wo ich bereits einen hohen Rang erklommen — ich war nämlich auf dem Juristenball der constitutionell gewählte Vortänzer, in meiner Classe erster Eminent und bei den Dilettanten erster Liebhaber — habe ich dieses Ansehen überall in der Richtung geltend zu machen gewußt, dass wir die gebildeten Söhne der Kecskemeter jüdischen Handelsclasse in unseren geselligen Kreisen heimisch machten. Sie waren unsere besten Freunde, mit ihnen konnten wir das Meiste über literarische Dinge sprechen, von ihnen liehen wir uns die lesenswerthen Bücher aus; selbst Petöfi portirten Ne am Meisten. Einst arrangirten wir zur , Gründung einer Jugendbibliothek ein Dilettanten Concert. Musiker und Declamatoren fanden sich unter der Schuljugend genug, aber es gab unter uns keinen geschulten Sänger, welcher Opernarien Vorträgen konnte.׳ entbleiten, wie 1 Chron. 23, 5. berichtet wird, konnten nnmöglich anders im Tacte znsammengehalten werden, als wenn, außer jenen einzelnen Cborführern, ein Hauptdirigenl an der Spitze des Ganzen stand.. Daber zerfiel bei großen Feierlichkeiten, wenn die ganze Masse von Musikern zusammen war. dieselbe in drei Hauptchöre, welchen zur Zeit David's Assaph, Heman und Jedutun vorstanden. Heman stand mit feinem Chore in der Mitte, Assapb zur Rechten und Jedutun (Etan) zur Linken 1 Chron. 6, 18—29. Von diesen nun übernahm wieder Einer, wie es scheint abwechselnd, die Leitung des Ganzen. Nach ihm und seinem Chore mußten sich also die Uebrigen im Tacte genau richten. So heißt es 1 Chron. 16, 7: ״An dem Tage übergab David die Leitung des D a n k e t dem Ewigen (בראש להודות לה‘ ) dem Assaph und seinen Brüdern. Diese ersten Directoren spielten nun selbst kein Instrument, sondern hatten nur kupferne Castagnelten (1 Chron. 15, 19.), mir welchen sie, indem sie intonirten (sie werden vorzugsweise משוללים genannt!, zugleich den Tact von Allen hörbar (vielleicht bezieht sich eben hierauf das להשמיע V. 19 und der Name des Instrumentes selbst צלצלי שמע) markiren konnten. Hiernach sieht mau, was es heißen soll, wenn bei der Feierlichkeit zur Einweihung des Tempels, da beim Chor noch 120 Trompeten waren (2 Chron. 5, 12. 13.) gerühmt wird, dass es, wie wir sagen würden, gut im Tacte zusammenging (להשמיע קול־אחז— ויהי באהל), als sie den Hauptgesang .Dank und Lob dem Ewigen', bei dem alle Instrumente und Sänger in Thäligkeir waren, einstimmten. Bei dieser Sille, mit Castagnelten den Tact zu markiren, behaupten die Hebräer unstreitig den Vorzug vor den Griechen, bei welchen bekanntlich dis Chorführer in die Hände schlugen oder eiserne Sohlen unter die Füße banden, um den Tact anzugeben. Ja sie zeigten hierin offenbar mehr Geschmack, als noch Ein junger Jude, Philipp Gallia (später ist er Buchhändler geworden), ein sehr vielseitiger, gebildeter, diplomirter Mann, der nebenbei eine prachtvolle Tenorstimme und eine gute Schule hatte, bot über mein Ersuchen seine Mitwirkung an und er sollte die Arie ״Irsma Bizautia aus der Oper »Belizar" singen. Den Text übersetzte ich ihm u?s Ungarische. Einige Tage vor der Vorstellung verbreitete sich Las Gerücht, es werde im Publikum irgend eine Demonstration gegen den jüdischen Debütanten vorbereitet. Das schreckte uns jedoch nicht ab. Das Publikum füllte das Theater; die Einnahme genügte zur Gründung der Jngendbibliothek. Als die Reihe an den Gesangsvortrag Gallias kam, erwartete Jeder mir gespannter Aufmerksamkeit, was nun geschehen werde. Mein jüdischer Sänger betrat muthig die Bühne, trat vor das Orchester, aber kaum hatte er sein ״Reszkess Bizantium!" begonnen, da schrie aus dem Publikum eine Viehtreiberstimme: ״Hier gibt's keine Pferdehäute! Was hat hier der Jude zu suchen?" Aber der vereinzelte Schreier wurde von dem geehrten Publikum selbst mit einer erstaunlichen Raschheit aus dem Zuschauerraume hinausgeschleudert. Dies war das Werk eines so kurzen Momentes, dass die Arie gar nicht unterbrochen wurde. Als der letzte Vers von der blutigen Nächnng aller Thränen des edlen Helden verklungen war, brach das ganze Publikum in einen so allgemeinen Applaus und Eljensturm aus. dass derselbe gar nicht enden wollte. * * * Dies geschah vor 42 Jahren in der Stadt Kecskemet. Wie ist doch die Welt seit damals fortgeschritten!