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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-06-06 · Heft 19 (6.6.1884) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 19 (6.6.1884)
Date
1884-06-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — für den Gottesdienst und das Cantorat so außenvescntlich, wie man gegenwärtig von vielen Seiten annimmt, so müßte gerade das umgekehrte Verhältnis eintreten, es müßten die Gemeinden, die nur ein crr Functionär erhalten können oder wollen, nur ein Rabbinernicht ein Cantorenamt crcircn. Wir wiederholen also noch einmal, sowohl die׳ Rabbinen als die Cantoren sind äs facto Seelsorger der jüdischen Neligionsgenossenschaft, und haben als solche Anspruch ans die von den Gesetzen gewährte, sogenannte staatliche Anerkennung. Freilich müßte dieser Charakter der Cantoren auch irgendwie seinen Ausdruck finden, was wohl am bequemsten in den Gemeinde- Statuten geschehen könnte. Wir wollen mit diesen Ausführungen nur eine Anregung gegeben haben, die für die Leser Ihres Blattes vielleicht von Nutzen sein könnte und zeichnen mit Hochachtung.' Dr. R. Die Erörterung der Frage der staatlichen Anerkennung der Cantoren scheint uns gerade jetzt am Platze zu sein, da' im gegenwärtigen Momente die Möglichkeit eines praktischen Erfolges vorhanden ist. Wir verössentlichen nämlich an anderer Stelle einen Erlass des hohen k. k. Ministeriums, in welchem, zunächst für Mahren, die Orzanisirnng der jüdischen Cultu!gemeinden und die Ausstellung von Gcmeindestalnten veranlasst wird. Wie wir schon früher gemeldet haben, wird dies auch bald in den übrigen Kronländern geschehen, und wir ersuchen die wohllöblichen Gemeindevorstehungen, bei Normirung der Rechte und Pfiichlen der Beamten auch auf die Stellung des Cantors Rücksicht zu nehmen und demselben das ihm vom Gesetze gewährleistete Recht nicht vorzuenthalten. Arber Musik und Poesie der alten Hebräer. m. Die S ch l a gi n str u m en t e sind am sichersten, weil sie noch alle im Orient gebräuchlich und von da auch nach Europa übergegangen sind, und weil ihre Form am wenigsten wandelbar ist. (תף (תפים arab. Ouf ist das Instrument, welches bei uns Aduse oder Tambourin beißt, und dessen sich, wie die Hebräerinnen, auch noch jetzt die Orientalinnen beim Tanze bedienen. מצלות צלצלים oder מצלותים.• ein zweilheiliges durch Zusammenschlagen, klirrendes Instrument, dessen cs nach Ps. 150, 5. zwei Arten gab. Wahrscheinlich bedeutet צלצלי שמע die Castagnetten und צלצלי תרועה die Becken. — מנענעים 2. Sam. 6, 5 (נוע) ein Instrument, bei welchem, indem es geschüttelt ward, bewegliche, metallene Stangen oder Ringe ein Geklingel machten. Dieses Sistrum (86io, schütteln) war auch bei den Egyptern häufig und man sieht noch in Museen kleine egyplische Sistern. Ein ähnliches Instrument mit kleinen Glocken findet sich bei unserer türkischen Feldmusik. — שלישים 1. Sam. 18, 6. kann kaum etwas anderes sein als Triangel. So sprechend die Etymologie der beiden letzten Znstrumenten-Namen ist, so haben doch Einige das erste für Violine oder Trompete, das andere für Anführer der Weiber genommen. Die Mannigfaltigkeit der Psalmenüberfchriften und andere Ausdrücke, welche sich offenbar auf Musik beziehen, lässt uns eine bedeutende Vielseitigkeit Der musikalischen Formen bei den Hebräern voraußsetzen, sei es nun, dass sie auf einen Wechsel von Melodien, Tonarten, Instrumentalbegleitung,-oder von Chor- und Sologesängen hindeuten. Alles dieses beweist eine ziemliche Ausbildung dieser Kunst und eines' feineren Gefühles-für die Verschiedenheiten des Vortrages und die wahrscheinlich nach dem Wie ich Philosemit wurde. Von Maurice Jokai. (Schluss.) Daheim wieder hatte ich es mit Mama zu thun. Meine Mutter ivar eine seelengute Person, Labei aber eine strenge, militärische Natur. Sie fragte mich, wo ich geblieben. Ich erzählte sehr indignirt, welche Ungerechtigkeit mir widerfahren; ich wisse gut, dass der Buchstabe ,h' ein Consonant sei, ich könne Vörösmarty zitiren. ,Herhalom' fei ein Daktylus; wäre das ״h" kein Consonant, so gäbe jenes Wort einen Trochäus. Jemand widersprach mir, deshalb habe ich. ihn geschlagen und darum sperrte mich der Professor ein. Deshalb mußtest Du Jemanden schlagen'? fragte meine Mutter. Es war ja nur ein Jude! Was! rief meine Mutter, Du sagst, es war ja nur ein Jude? Ist der Jude bei Dir kein Mensch wie jeder Andere? Du geringschätzest ihn wegen seiner Religion? Vergißt Du, dass man ״unsere' Religion vor fünfzig Jahren in dieser Stadt ebenso verfolgt, wie Du die jüdische verfolgst? Du hast das weder von mir, noch von'Deinem seligen Vater gelernt! Jetzt gehst Du sofort und fuchst den jüdischen Studenten auf, den Du geschlagen, bittest ihn um Verzeihung und bringst es mir von ihm schriftlich, dass er Dir verziehen. Ich war ob dieses drakonischen Urtheils entsetzt. Ich soll mich vor jenem Juden demüthigen? Du demüthigst Dich vor Gott, der den Juden sammt Dir geschaffen. Wo soll ich den jetzt in der Stadt aufsuchen? Das ist Deine Sache. Du weißt ganz gut, in welcher Gasse die Juden wohnen. Geh' von Haus zu Haus, bis Du ihn findest; | öffne Deinen Mnud, frage. Komorn ist kein großer Wald. Aber mir j komme ohne die Schrift nicht unter die Augen! Das war.das Ultimatum. Ein fataler Zustand. Das Mittagmahl hatte ich bereits versäumt, nun bekomme ich auch kein Nachtmahl. Aber ich konnte nicht appelliren und im Reichstage interpelliren konnte ich auch nicht; ich mußte mich fügen. Ich ent'chloß mich daher schweren Herzens, Koricsancr am Ende der Stadt auszusuchen, dort wohnte er. Wie ich nun die Gassenthüre öffne, drückt Jemand eben dieselbe von draußen nach innen. Und wie die Thyre sich öffnet, steht mein kleiner. Koricsaner vor mir. Mit eingezogenen Schultern, den Kopf traurig zur Seite geneigt, fragte er mich auf der Schwelle stehen bleibend, in sanftem, bebendem Tone: Ira866ri8 mihi? (Bist Du mir böse?) Ob ich ihm böse bin! Und dehmüthig den Hut ziehend, sagte er: — Ich bin zu Dir gekommen, um Dich um Verzeihung zu bitten! Er, der Geschlagene, kommt seinen Beleidiger um Verzeihung zu bitten! Und ihn zwingt doch zu Hause Niemand dazu! Er hat keine drakonisch urtheilende Mutter, die ihm befohlen, zu mir zu. kommen! Und er sucht mich auf! Mir strömteu die Thränen aus den Augen; ich fiel ihm um den Hals und umarmte ihn. - — Nicht Du bittest mich um Verzeihung, sondern ich Dich, und nun komm' zu meiner Mutter hinein und erzähle nun ihr, dass wir uns ausgesöhnt haben und einander schätzen. — Deshalb bin ich ja zu Euch gekommen. Damit ging er mit mir zu meiner Mutter hinein und sprach

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