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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-05-29 · Heft 18 (29.5.1884) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 18 (29.5.1884)
Date
1884-05-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Herr Herman Nofenthal bat eine Pacht van etwa 1000 Acres,! die er mit großer Intelligenz verwerthet, er bewohnt ein schönes Haus von 8 Wohnungspiecen, er hat bemerkenswerthe Gebäude aufführen!affen, die für die landwirthschaftliche Ausnützung nothwendig waren. Bernard Picht bat eine Pacht von etwa 500 Acres, eine bequeme Wohnung und verschiedene Bauten und mehrere andere sind noch in einer sehr gemächlichen Lage. Der größte Theil dieser Flüchtlinge ist in die Vereinigten Staaten vor zwei oder drei Zähren mit einer Summe, die kaum genügte, um ihre Ueberfabrt zu zahlen, gekommen, sie haben sich gleichzeitig es angelegen sein lassen, schwere Arbeiten zu verrichten und die englische Sprache zu erlernen. Einer der Colonisten, der Profeffor E. S. Mashbis, welcher diesen Winter die deutsche Sprache an der höheren Schule zu Mitchell lehrt, Hai sich als Eisenbahnarbeiter in der Nähe von 03ttid'efl verdüngen. Sein Wortschatz umfaßte kaum einige Worte, 11.10 seine Handhabung einer Schaufel war noch allzumenig anszebildet. Nach einem Versuch von einer halben Stunde war er nicht mehr im Stande, sich seiner Schaufel wie seine Genossen zu bedienen, und der Chef der Abtheilung verabschiedete ibn mit der Drohung, dass er ihm, wenn er ihn unter den Arbeiteru wieder fände, den Schädel zerschlagen werde (break his head). Der Professor zog sich zurück und, befragte sein Wörterbuch, um den Sinn dieses Ausspruches break his head zu ergründen. Er hat eine Landarbeit gesucht, eine günstige Situation gefunden, und wird nun im Frühjahr anfangen, sein Pachtstück auszunützen mit seiner Mutter und seiner Schwefle, welche von Rußland, um sich wieder zu finden, abgereist sind, und -mit seinem Bruder, der von New-Pork angekommen ist. Was alle diese Leute charakterisirt, das ist eine bemerkenswerthe Geduld und Ausdauer. Sie sind in ein fremdes Land gekommen, deffcn Sitte und Gebräuche sie nicht kennen. Sie werfen sich auf die Arbeit, scheuen nicht die Mühen, sind practische Leute und accomodiren fich den sich ihnen darbietenden Ereignissen. Sie sind sparsam, verschleudern keinen Dollar, geben keinen Centime für Getränke aus und machen keine Schulden, außer unter dem Drucke der größten Nothwendigkeit. Einige Emigranten sind im Begriffe, sich ein hübsches kleines Capital zu erübrigen, aber der größte Theil ist ungeachtet aller Mühen, deren sie sich unterziehen, noch nicht in der Lage eine genügende Summe bei Seite legen zu können, und sich das was ihnen unumgänglich nötbig ist, zu kaufen: ein Paar Ochsen. Ihre Zahl wird diesen Sommer noch beträchtlich erhöht werden durch die Ankunft von Freunden und Eltern, die aus Rußland kommen. Die Colonisten haben eine Privatschule im Hause des Herrn Rosenthal, welche durch eine junge sehr unterrichtete Dame, Miß Burncs, geleitet wird, deren Gehalt im Wege der Subscription yereiugebracht wird. Diese Schule wird sehr fleißig von russischen Kindern besucht, welche bald Englisch sprechen werden. Sie lieben die Musik, die Lecture und die Gesellschaft. Die Niedrigsten haben eine gute Erziehung erhalten und die besten unter ihnen verstehen Musik. Während der langen Winterabende und der Tage, an denen die Kälte zu streng ist, um auf den Feldern arbeiten zu können, vereinigen sie sich und verbringen ihre Zeit, um Musik zu machen und zu tanzen, und sich unter einander über ihre Geschäfte zu befragen. Es eristiren jetzt mehrere jüdisch-russische Colonien in den Vereinigten Staaten, die ganz neu errichtet sind. Die bedeutendste ist die Colonie von Neu-Odeffa, welche durch die Mühe der Herren Michael- Heilprin, Dr. Julius Goldmann, Edward Lauterbach und den Richter Jsaacs, sämmtlich aus New-Uork gegründet wurde. Diese Colonie hat ungeachtet des jungen Datums ihrer Gründung und der absoluten Entblößung der Emigranten im Moment ihrer Ankunft in Amerika und aller Hindernisse und Schwierigkeiten des Lebens von Pionnieren, das Resultat erzielt, daß sie sich von ihren eigenen Einkünften erhält.' Diese Nachrichten, welche von einer Person gegeben sind, die einfach das erzählt, was sie gesehen und gehört bat, sind ein ausgezeichnetes Zeugniß der fortdauernden Erfolge der russischen Emigranten und lassen die Zukunft der russischen Colonisten in Amerika mit Hoffnung und Vertrauen betrachten. Kleine Chronik. Wien. Herr Herrmann Epstein, welcher bereits viele Jahre hindurch als Prokurist im Hause Königswarter amtirt, feierte am 22. d. M. seine silberne Hochzeit. Von vielen Seiten sind dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche zu diesem Ehrentage zugekommen, und wir haben besondere Ursache, uns diesen Wünschen im Namen Vieler vom ganzen Herzen anzuschließen. Herr Hermann Epstein versieht seit mehreren Jahren im weltbekannten Hause Königswarter auch das Amt eines Almoseniers. Das will sehr viel sagen, denn hier handelt es sich nicht etwa darum, hie ünd da einem vorsprechenden Armen eine Unterstützung zu reichen; Baron Moriz v. Königswarter übt Wohlthaten, wie kaum ein zweiter in Oesterreich. Auch der österr.-ungar. Cantoren-Verein ist diesem hochherzigem Manne, der den Vereinsfond mit einer bedeutenden Summe unterstützte, zu großem Danke verpflichtet. Aber das verschwindet gegen die ungeheuere Zahl jener wahrhaft freigebigen Unterstützungen, welche dieses, im erhabensten Sinne des Wortes, echt jüdische Haus täglich vertheilt. Baron Moriz von Königswarter ließ in seinem Hause ein eigenes Amt errichten, um allen Hilfesuchenden nach Thunlichkeit gerecht zu werden. An der Spitze dieses Amtes steht eben Herr Hermann Epstein, der mit der ängstlichsten Gewissenhaftigkeit die edlen Intentionen seines freiherrlichen Ehefs zur Ausführung bringt. Er ist ein zärtlicher Vater der Armen und reicht die Gaben in höflicher und den Bedürftigen tröstender Weise. — Möge der Allgütige an dem Jubilar alle die Segenswünsche verwirklichen, ׳ mit welchen unzählige Arme seiner gedenken. Wien. Baron Nathaniel Rothschild wird nunmehr die Sommersaison in Reichenau zubringen; er gedenkt dort ein großartiges Schloß zu erbauen, und wenn Baron Nathaniel baut, so geschieht das bekanntlich allzu rasch, und nicht zum Nachtheile seiner Nachbarn, die heute schon den Werth ihrer Gründe verzehnfacht sehen. Der Plan des neuen Schloßes ist fertig und auch die Gründe für dasselbe und den neu anzulegenden Park sind schon im Besitze des Freiherrn. Er hat vorläufig 17 Joch Wiesengrund um einen fabelhaften Preis angekaufr. Der frühere Besitzer verlangte für diesen Komplex, der einen Schätzungswert!) von 7000 fl. hat, 120 000 fl. und erhielt die Summe auch. Und wer war der frühere Besitzer? Niemand anderer als Herr v. Schönerer der die 120.000 fl. des Barons Nathaniel Rothschild mit großem Behagen einstrich. Es scheint also, dass auch Antisemiten Gefallen an jüdischem Gelde finden. Wlafchim. Die Repräsentanz der hiesigen isr. Cnltnsgemeinde hat auf ihre warme Glückwunsch-Adresse, die sie anläßlich der Feier des siebzigsten Geburtstages des Fürsten Carlos Auersperg an denselben richtete, eine Antwort erhalten, der wir folgende Stellen entnehmen: ״Die Adresse ist in einer schwungvollen edlen Sprache gehalteil, wie sie der Intelligenz eines Volksstammes entspricht, der im Bildnngsdrange niemals zurncksteht, vielmehr stets nach Kräften vor׳ aneilt. Das Schriftstück hat auch Anlaß gegeben, Bedrängnisse zu berühren, welchen Ihre Glaubensgenossen ausgesetzt sind. Vor solchen

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