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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-05-29 · Heft 18 (29.5.1884) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 18 (29.5.1884)
Date
1884-05-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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eine Cantorenschule einzurickten. deren Zöglinge zugleich die Qualiflcation für den Neligionsnnterricht am Rabbiner-Seminar erlangen sollten. Mit welcher Liebe und Aufopferung er an's Werk ging, und welche Anzahl non Candidaten sein Institut mit Wissen und Können verliehen, wird uns allen bekannt sein. Noch jetzt lodert ein göttliches Fluidum in jedem Nerv dieses Priesters am Altäre des Herrn und zündend wirkt seine orgiastische Vortragsweise, welche durch die vorzügliche Ortbotonie um so mehr aus den Beter einzu wirken vermag. Von vielen Gemeinden und Cantoren aufgesorderl, all' die herrlicken Gesänge,;)iecita* tive und Lieder dem Druck zu übergeben, konnte sich Jahrelang der bescheidene und liebenswürdige Cantor Deutsch nickt entschließen, bis es aus verschiedenen Gründen die äußerste Noth- - Wendigkeit erheischte. Wer kennt nicht die Vorbeterschule, die deutschen Lieder, Präludien. und die neue Ausgabe des berrlichen Werkes ,Breslauer Synagogengesänge" rc.? Aus all' den meisterbasten Werken weht uns der Geist früherer Zeiten entgegen. Wir glauben David, den unsterblichen Psalmsäuger zu vernehmen, wenn seine Weisen erklingen. Wir fühlen uns in jene Zeiten versetzt, in denen Assaph's Lobgesänge in heiliger Begeisterung durch die Saiten rauschten und wie heilige Opserslammen zum Himmel stiegen. Bald erheben sie sich in Zubelaccorden, bald erklingen sie in leisen, wehmüthigen Melodien, gleich den Klage-!ledern unserer Väter an den Wässern zu Babylon. Bei treuer Wiedergabe der alten Tempelweisen zeigt Deutsch zugleich, dass er mit dem Allen das Neue ans harmonische und sinnvolle Weise zu verbinden versteht. Hervorzuheben ist besonders die dem Charakter der betreffenden Tonstücke entsprechende Harmonie. Wie man den Silberwellen des rauschenden Bäckleins stundenlang mit dem Auge folgen kann, so fesselt uns auch der Fluss seiner Harmonie. Zn melodischem Wechsel folgen die Accocde einander. Die Eintönigkeit, die Klippe so mancher Compo nisten, versteht er kunstvoll zu vermeiden. Auf die mannigfachste und geschickteste Weise weiß er überraschende Modulationen hervorzubringeu, Trugschlüsse anzuwenden. Wie der Wanderer, der durch ein dunkles Thal dahinzieht, erstaunt still steht, wenn ihm bei der nächsten Biegung des Weges unerwartet eine sonnige Flur cntgegenlacht, so fühlten auch wir uns überrascht, als wir seine Tondichtungen stndirten. Wenn man glaubt, hier wolle er die Harmonie nach einer bestimmten Tonart hinsühren und man im nächsten Augenblick den ersten Accord dieser neuen Tonart zu kören hofft, so hält man unwillkürlich erstaunt inne, wenn wir uns plötzlich in eine ganz andere Tonart versetzt fühlen. Und das geschieht so allmälig. dass man es nickt eher merkt, bis man vor dem Factum steht. Auch die Begleitung der Melodien ist eine sehr ansprechende. Besonders hervorheben wollen wir seine sehr gelungenen Gebetsstücke, die sich dem traditionellen? Styl eng anschließen. j Auf Einzelnes einzugehen ist uns nicht möglich, da wir es nicht wagen zu entscheiden, was das Schönste ist. Möge jeder selbst prüfen! Der Forscher wird eine ausgiebige Fundgrube für Fachstudien sinden, der strebsame Cantor sich bei seiner Gemeinde Anerkennung verschaffen, wenn ec sich Dcutsch's Synagogengesänge bei den Andachten bedient, da dieselben zur Verschönerung und Veredelung des Cultus, sowie zur Stärkung und Erhaltung des religiösen Sinnes dienen. Der Verfasser selbst ist zu bescheiden, um damit Neclame zu machen. Wer Herrn Obercantor Deutsch persönlich kennt, wird seine Bewunderung für den Mann mit uns theilen, denn trotz so vieler Erfolge bewahrt er eine außerordentliche Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit und stand so manchem Collegen, Freund und Schüler mit Nath und That kräftig zur Seite. So haben wir es mit unserer schwachen Feder zu versuchen gewagt, einigermaßen eine Skizze über das Leben und Wirken eines Mannes zu bringen, der unserem Stande zur Zierde gereicht. Gott segne nock lange Jahre seine amtliche Tbätigkeit. Uns aber sei Cantor Deutsch ein Muster des Fleißes, der Ausdauer und des collegialen Sinnes. M. Ti nt ne r, Cantor und Lehrer in Bunzlau, Preußen. Die russischen Colonien in Amerika. (Monatsbericht der Alliance israelite universelle in Paris.) 6 0 11}nie Alliance. — Das Febrnarbnlletin hatte berichtet, dass auf Verlangen des Board of delegates in New- Port, das Centralcomire für die Colonie ״Alliance" eine Subventivn von 25.000 Francs gewäbrt hat. Der Board richtete nun an das Cenrralcomite über die Verwendung eines TheileS dieser Summe und über die Situation der ״Alliance" die folgenden Mittheilungen.׳ ״Herr Henry, den wir von Ihrem Beschlüsse zu Gunsten der ״Alliance" in Kenntnis gesetzt haben, bat unmittelbar den Colonistcn derselben bekannt gegeben, dass jeder derselben Unterstütz ung zur Anschaffung von Samen und Arbeitswerkzsugen erhalten wird. Die Colonie hat außerdem vier Pferde und mehrere Pflüge angekaust. Diese verschiedenen Auslagen belaufen sich auf die Summe von 3500 Dollars (circa 18.000 Francs). Die Verwendung des Nestes der Spende von 25.000 Francs wird zum Nutzen der Colonie vor sich gehen. Die Unterstützung welche der Colonie ,,Alliance" zu Theil wurde, wird die besten Resultate liefern; denn dis Lage dieser Colonie ist sehr zusriedenstellend. Die Colonisten bearbeiten in diesem Augenblicke das Land für die Anpflanzungen, vorzüglich für die Anbaunng von Korn, Früchten und Küchenpflanzen. Sie haben ein Haus für eine Synagoge und ReligionSsckule eingerichtet, und man sucht eine Persönlichkeit, welche geeignet wäre, die Functionen eines Cantors und Lehrers zu versehen. (Colonie Monteflore.) Diese Colonie wurde erst ganz kürzlick, in einer sehr fruchtbare n Gegend organisirt, im Südosten von Kansas, umfaßt 25 Erwachsene, wovon 15 durch die Nonteilore Agricultural Aid Society" versorgt sind, und 10 sich aus eigene Kosten etablirt haben. Die Organisation dieser Colonie kostete gegen 12.000 Dollars; die Auswanderer, welche sich hier besinden, sind jung und thätig. Drei von diesen Bauern haben Theil gehabt an der Colonie vor. Lonisiane, welche sich, nach einigen Monaten ihres Bestandes aufgelöst hat. (Colonie von Dakota.) Ein Journal von New-Aork, ״Evening-Post" publicirt in seiner Nummer vom 19. März folgenden Brief über die russischen Colonien in Dakota: ״Ihr Corr espondent hat in Begleitung eines jungen jüdischen Pächters der Colonie ״Cremieux" Mitchell mir Tagesanbruch verlassen, um die jüdische Colonie, welche 32 Meilen südöstlich ven Mitchell errichtet ist, zu besuchen. Die Colonisten sagten, dass die Zeit gekommen sei, wo die Juden statt Consumenten zu bleiben, Producenten werden könnten und zeigen werden, dass sie ebenso gute Ackerbauer sein könnten, als ihre Vorfahren geschickte Kaufleute waren. Die Colonien Cremicux und Betlehem Judah wurden im August 1882 gegründet, aus den Rath eines jüdischen Notabeln in New-Pork, Michael Heilprin. Augenblicklich sind diese Niederlassungen vom 70 Emigranten eingenommen. Mehrere dieser Colonisten besitzen ein bedeutendes Stück Land, wo sie solide Bauten aufgesührt haben.

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