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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-05-29 · Heft 18 (29.5.1884) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 18 (29.5.1884)
Date
1884-05-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Erlebnissen darf man ■feie Augen nicht verschließen, und jeder wahre Menschenfreund muß sie tief beklagen. Reibungen unter Mitbürgern sind stets traurige Erscheinungen, aber sie sind ein ganz besonderes Unrecht, wenn Gehässigkeiten geschürt werden gegen Staatsbürger, welche friedlich und staatstreu ihre Verpflichtungen dem Reiche, der Gemeinde, sowie der Familie in vollem Maße erfüllen. Diese feen unlautersten Trieben entspringenden Ausfälle der Feindschaft bezeichne» traurige Rückschritte in der Cultur, uno sie kennzeichnen Jene, welche an diesen Raubzügen mittelbar oder unmittelbar Schuld tragen, als Diener des Neides und als offene Feinde des Besitzes und des Eigenthums. Die Auffassung genügt, um ein solches anarchistisches Treiben zu verdammen; wenn aber die Verfolgungen hinter dem Schilde der Religion eingeleiter werden, dann tritt zu der Schmach des Raubes noch der Fluch des Mißbrauches des Höchsten der Menschheit hinzu, denn wahre Religion soll veredeln und nicht verwildern. Es steht zu erwarten, daß nichts versäumt wird, um diese verwerflichen Strömungen mit aller Kraft zu unterdrücken; möge die Cultusgemeinde sich durch nichts beirren lassen im emsigen Schaffen, in der Ausbildung der Jugend zu fleißigen treuen Bürgern und in dem festen Glauben, daß wir alle unter gleichem Schutze der Vorsehung stehen. Prag, am 3. Mai 1884. Fürst Carlos Auersperg irr. p." Diese energischen Worte eines Cavaliers aus einem der ältesten Adelsgeschlechter Oesterreichs, dessen Name mit der Verfassung»- geschichte des Reiches auf das innigste verknüpft ist, verdienen den aufrichtigsten Dank der Juden und aller Gebildeten, welche die Verr ohung des Volkes durch den Antisemitismus beklagen. Fürst Auersperg hat mir vollem Rechte das Streben der Antisemiten als ein anarchisches gebrandmarkr und auf die unlautersten Triebe zurückgeführt. Mit je größerer Anmaßung der Antisemitismus au stritt, und je mehr er die Maske der Vvlksbeglückung vornimmt, desto werthvoller ist der vernichtende Ausspruch eines Mannes über denselben, dessen Familientraditiouen und dessen Vergangenheit ihn vor dem Verdachte in Schutz nehmen, daß er genöthigt sei, den Juden, gegenüber Liebedienerei zu üben. Von besonderem Werthe ist es auch, daß ein Staatsmann, der während seiner langen öffentlichen Wirksamkeit Gelegenheit genug hatte, die Inden in ihrem Verhältnisse zum Staate unparteiisch zu beobachten, ihnen das Zeuzniß gibt., daß sie ihre Pflichten als Bürger voll und ganz erfüllen Man wird nicht zweifeln rönnen, ob Fürst Auersperg oder der Abgeordnete von Zwettl den richtigen Maßstab zur Benrrheilung der Jndenfrage har. London. Herr Markus N. Adler, welcher von seiner Reise in Palästina zurückgekehrt ist, erlässt eine Warnung gegen die Ein- Wanderung jüdischer Colonisten in das heilige Land. Von einer Autorität, deren Angaben nicht in Zweifel zu ziehen sind, habe er gehört, dass die türkische Negierung nicht Willens ist, fremden Ein- Wanderern in Palästina irgend welche Erleichterungen behufs Colonifirung dieses Landes zu bieten. Gleichzeitig bemerkt Herr Adler, dass in Jerusalem viele Israeliten aus Rußland in großer Noth sich befinden, und dass die Missionare jetzt thätiger als je seien. Literarisches. ״Sehirath Jacob,“ Synagogengesänge für den isr. Gottesdienst von Obereanror Bachmann in Odessa, werden in nächster Zeit der Oeffeiulichkeit übergeben werden. Es ist dem Autor gelungen, in der Person des Herrn P. Jnrgensohn in Moskau eilten Verleger zu finden, der das Werk auf eigene Kosten in prachtvollster und glänzendster Ausstattung herausgibt. Das Werk wird schon seit 5 Monaten gedruckt und wird Ende Juni erscheinen. Es besteht aus drei Theileu, 1. Theil: Sabbathgesänge, 2. Theil: Gesänge für die drei Feste und 3. Theil: Gesänge für den Neujahrs- und Versöhnungstag wie auch Casualgesänge. Meifteutheils find es groß angelegte Chöre mit und ohne Orgelbegleitung, doch finden sich auch viele und leichte, die für kleinere Gemeinden bestimmt find, und auch für den Cantor ist durch zahlreiche Recitative und Soli reichlich gesorgt. Das Werk enthält 227 Seiten außer den Titelblättern und kostet 12 Rubel — 15 Gulden — 30 Mark. ' Die beiden Compositionen adonoj adonoj und waani sefi- 1081 in unserer letzten Musikbeilage find von Collegen L. Rosenzweig, Obercantor in Nagy Abony componirr. Vereinsnachrichtkn. Herr Gesangmeister Franz Joseph Löwen st a m m, der Herausgeber der Synagogengesänge ״.Semirotli1'61 chaj“, 011ט Max G. Löwenstamm, weiland Obercantor in München, hat vier Exemplare dieses gediegenen Werkes dem östcrr.- Ungar. Cantoren-Vereine gespendet. Indem wir dem Herrn Gesangmeister Franz Joseph Löwenstamm hiemit öffentlich unseren Dank abstatten, theilen wir zugleich mit, dass Vereinsmitglieder diese vier gespendeten Werke zu einem ermäßigten Preise erhalten können und sich diesbezüglich an den Vorstand wenden mögen. Wien, am 29. Mai 1884. Aer Dorstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines. Gründungs- und Vereinsbeitrage. M. Reiser, Neuern, ganzj. Beitr. I. Schönfeid, Tyrnau» viertelj. Beitr. I. Holzer, Znaim, dreiviertelj. Beitr. I. Blum, Troppau, halbj. Beitr. A. Hahn, Teschen, halbj. Beitr. I. Körner, Smichow, halbj. Beitr- S. Popper, Eger, halbj. Beitr. A. Lederer, Eger, halbj. Beitr. K. Grünfeld, Gaudenzdorf, halbj. Beitr. H. Löwenstein, Turn-Severin, viertelj. Beitr. M. Salzer, Tulln, ganzj. Beitr. PH. Bachrach, Prag, ganzj. Beirr. A. S. Schirman, Lemberg, viertelj. Beirr. I. Wittinann, Wien, ganzj. Beitr. Fried» mann, Liesing, halbj. Beitr. Neumanii, Hollabrunn, viertelj. Beitr. S. Steiner, Böhm.-Neustadl, viertelj. Beitr. M. Papo, Wien, dreiviertelj. Beitr. A. Fischer, Vereinscassier. Correfponden; der Nedaction. Collegen E. in M., Rin M. Kr., R. in N., L. in K., L. in 9t. P-, L. in W., Z. in W-, Ain S-, S. in T-, Gem.-Vorstand in Pr. bestätigen dankend die eingesaudtcn Beträge und ersuchen die geehrten Collegen, ivelche im Rückstände sind, sich mit der Einsendung des rückständigen Abonnementsbetrage» zu beeilen, nachdem das neue Ouarral bereit» am 1. Juli beginnt. W. in Ep. Ihren eingesaildten Betrag erhalten und haben Ihnen da» Abonnement pr. 1. Jänner bi» 1. Juli a. c. gutgebucht. Sie hätten also noch ein Guthaben von fl. 1.40, wollen Sie uns gef. mirrheilen, ob wir Ihnen den Betrag retourniren sollen. Gruß. Ü. in N. P. Bis 1. Juli beträgt der Gründungsbeitrag fl. 2, Bereinsbeitrag fl. 4 pr. Jahr. Gruß. Gr. in I. Das Blair wird stet» pünktlich unter ihrer Adresse abgesendet. Gruß. Fi. in P. Beim ״Maskir* ist auch üblich ״Sclnwisi‘* vorzutragen. M. in 9t. Haben Sie nur Geduld, e» wird sich schon etwa» Passendes für Sie treffen. Wir haben noch keine Kenntnis von der Besetzung des Postens in Tr. Gruß. B. in Gl. Die Adresse de» 9testor Prf. Sulzer ist: I., Seitenstätrengaffe 4. die andere Adresse ist un» gegenwärtig unbekannt. Besten Gruß. S. in Szg. Ihr Abonnement war am 10. März zu Ende. Wollen Sie daher den Betrag senden. B. i n R. Abonnementsbetrag durch unseren Vereinscassier erhalten, bestätigen dankend. Gruß. Die geehrten Herren Abonnenten in der Schweiz können den Pränumerationsbetraz auch in Francs einsenden. Allen Herren Collegen und Lesern unseres Blattes wünsehen wir zum Schewuoth-Feste שמחת יום טוב♦ Die Red.

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