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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-05-29 · Heft 18 (29.5.1884) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 18 (29.5.1884)
Date
1884-05-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— — vorzüglich der Materie nach, wie auch die griechische Uebersetznug bei Ps. 98, 6., andeutet. Denn die הצצר״ה wurde aus Metallblech verfertigt. Das Schofar aber war aus Horn, wie mau sich auch aus dem fortdauernden Gebrauche dieses Instrumentes in der Synagoge überzeugen kann, und wird der Materie wegen auch pp genannt; denn bei Jos. 6. 5 kann gar kein Zweifel obwalten, dais beides sich auf ein und dasselbe Jnftrumeut beziehe. Auch יובל■ welches mit pp und שופר verbunden ist und nur 2. Mos. 19, 13 allein ftebi, haben Einige für ein besonderes Juftrumeur gehalten und, weil משך dabei steht, an ein Zieben wie bei unserer Posaune gedacht. Indes יובל ent* spricht unstreitig, wie auch G e n e s i u s um Recht vermnthet, dem deutschen ,jubeln* und bezeichne: nicht ein eigenes Jnstrument, sondern wie eine uubcfangenc Ansicht der Stellen 6, 4, 5. 6. 8. 13. lehrt, einen jubelnden, Hellen Ton des Hornes selbst. Daher wird auch 2. Mos. 19, 16. 19. ausdrücklich dieses Instrumcni in Bezug ans das יובל V.!3 genannt. Dass aber an dieser Stelle (V. 13) blos יובל steht, ohne Verbindung mit שופר hat seinen natürlichen Grund darin, dass ein solches Instrument dort in der Thal nicht vorhanden war, und dass der Helle Ton, der dem Volke von einem Schofar zu kommen schien, eigentlich durch ein Wunder und ohne jedes Instrument entstand. משך bezeichnet nun nichts weiter als das lange Anhalten dieses Tones, wofür 2. Mos. 19, 19. ebenfalls als Beleg bient, wo das במשך ר,יובל umschrieben ist קול השופר הולך וחזק מאד. Das הולך scheint kein Zuuebmen. sondern nur ein Fortdauern des Tones anszudrücken. vergl. V. 16. הליל (von הלל durchbohren) ist unstreitig ein flötenartiges Instrument, dessen größere oder geringere Uebcrcinsti mmnng mit den noch jetzt im Orient sich findendenden Instrumenten dieser Art nicht zu ermitteln ist. Sollte der Plural N^M Pl- 5 nicht im Allgemeinen Flöten bedeuten, sondern sich auch auf eigenes Instrument beziehen, so könnte darunter eine Doppelflöte verstanden sein, für welches Instrument auch wahrscheinlich auch חו מפניה Dan. 3, 5. 10. zu entnehmen ist. Ueber וגב# sind die Meinungen sehr getheilt, indem man ungewiss war, ob man hierunter ein Sailen- oder Blas- Instrument verstehen solle und wenn es das letzte war, welche Form es gehabt. Die alten Uebersetzungen weichen sehr von einander ab und die Etymologie läßt uns im Stiche. Um so weniger darf mau wohl übersehen, dass וגב# Ps- 150, 4. neben מגיב steht. Da nun מגיב hier alle Instrumente mit Saiten andeutet, so kann daneben wohl nicht ein einzelnes Saiteninstrument besonders genannt fein. Hieraus scheint uns nicht allein hervorzugehen, dass וגב# hier auf Blasinstrumente hindeutet, sondern auch, dass es nicht ein einzelnes dieser Jnstrumente, sondern die ganze Gattung als solche, im vollständigen Gegensätze zu מגים bezeichnet. Dies passt auch auf die übrigen Stellen. Denn 1. Mose 4, 21, wo מגיב dem בגור entgegengesetzt ist, steht das letztere offenbar, nicht für ein bestimmtes, einzelnes Saiteninstrument, sondern für die Gattung überhaupt, da Jubal ohne Zweifel als der Erfinder der Instrumentalmusik im Allgemeinen und . nicht einiger einzelner Instrumente genannt wird. Ebensowenig kann man bei Hiob 12, 12 an drei einzelnen Instrumente denken, da hier offenbar die 3 Gattungen der Schlag-Saiten und Blasinstrumente gemeint sind. Bei Hiob 30, 31, wo dies וגב# ebenfalls dem בגר entgegensteht, wird fein Ton mit der Stimme Weinender (קול בביב) in Vergleich gebracht, was vielleicht auch auf den gedehnten Ton eines Blaseinstrumentes besser passen mag, als auf den Klang der Saiten, obschon man auch von diesen sagt, sie klagen ויהי לאבר כנרי. Wi r übergeben mehrere, in der Bibel genannte Saiten- und Blasinstrumente von nicht hebräischem Ursprünge. Aber auf ein späteres Instrument der Hebräer genannt מגריפה müssen wir noch hindeuten. Eine genaue Erörterung der diesbezüglichen Daten scheint uns keinen Zweifel übrig zu lassen, dass dies ein den Windorgeln ähnliches Instrument war, dessen frühe Erscheinung, zur Begleitung des Gesanges im Tempel, ohne Zweifel höchst interessant ist. (Fortsetzung folgt-) Breslauer Synsgogengesänge. Wenn der Mensch im reiferen Aller sein ganzes Schaffen und die wunderbare Verkettung seiner Schicksale überschaut: welche Wonne muss es da sein, gleichsam auf der Höhe zu stehen Und sein eigenes Streben und Wirken wie den Lauf eines Baches mit all' den Krümmungen und Hemmnissen zu überblicken! Ja, dann genießt man das Gute in der Erinnerung noch einmal und dankbar fallen sich die Hände,, dankbar richtet sich bas Auge empor zu dem Leiter und Lenker aller Schicksale. Von solchen Gefühlen muss auch unser Freund und College, Herr Obereantor Deutsch in der königl. Residenzstadt Breslau durchdrungen sein; wenn er seine Reise durch's Leben vor seinem geistigen Auge vorbeizieheu lässt. Wie ein Wanderer, der die Weiten der Erde durchmcsscn, im Kreise der Seinigen von all' den Beschwerden und Annehmlichkeiten erzählet, so thut es mit dankbarem Herzen und collegialem Sinne Deutsch. Sein frommes Herz wird umsomehr am Tage des Herrn rufen: .Danke! dem Herrn, denn er ist gütig, ewig währet seine Gnade*. In einer Großgemeinde Mährens erblickte er das Licht der Welt und wurde von seinen frommen, wohlhabenden Ellern zum Rabbiner bestimmt. Sein Fleiss und seine scharfe Fassungsgäbe fanden den gehofften Erfolg, denn schon im Jünglingsalter erlangte der Laebur׳ die .rabbiuische lieentia doeendi.״ Mit lolcher Vorbildung ausgestattet und von dem Streben nach Vervollkommnung beseelt, bezog er die Hochschule in Wien. 8ic eunt fata homimim. Der große Reformator des Synagogengesanges, Herr Professo^Sulzer/lernte den strebsamen Theologen kennen, gewann ihn lieo. und nachdem er die vorzüglichen Anlagen und Talente entdeckt hatte, wurde unser Deutsch nach kurzer Zeit als zweiter Cantor und Regenschori an Sulzer's Seite angestellt. Hier hatte ec die beste Gelegenheit,- sich in allen Discipliuen bei den größten Meistern für seinen neuen Beruf auszubilden. W eit über die Grenzen Oesterreichs drang sein Ruf hinaus, denn die ,Breslauer Gemeinde", welche sehr bedeutende Anforderungen stellte, berief ihren Obereantor in der Person des Cantor Deutsch. Harte Kämpfe muß ten vor mehr denn als 35 Jahren geführt werden, bis der alte Sing-Saug gewichen war. Eine neue Epoche war angebrochen, denn ,,Geiger" machte allen erfolglosen Experimenten und ephemeren Einrichtungen durch sein Gebetbuch ein Ende. Unter lolchen ungünstigen Verhaltnißen mußte der neue Cantor als ganzer Mann dastehen; doch die Schaffensfreudigkeit besiegte all' die Hinderniße. Bescheiden wagte sich so manche großartig angelegte Compositionen mit Orgelbegleitung in den Gottestempel hinein, um die Gemeinde seelenvoll und andächtig zu stimmen. Die Schaffenslust erwachte immer mehr, und aus der Tiefe des Herzens, aus dem reichen Gemüthe des edlen Sängers mit seiner gottbegnadeten Phantasie, entstanden und erblühten duftende Rosen, die ihre Würze bis in die entferntesten Zonen verbreiteten und die Herzen Israels zu Gott erhoben. Nach solchen Erfolgen wurde Deutsch aufgefordert,

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