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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-05-21 · Heft 17 (21.5.1884) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 17 (21.5.1884)
Date
1884-05-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Vormerk in ein Couvert und schickte es Herrn Gerold mit dem Bemerken zu, dass die Herren, die da die Parole ausgebsn: .Kauft bei keinem Juden!" diesen Ruf doch auch nun confecsnenter Weise dahin ausdehnen sollten, dass sie keinen Juden per Circular aufforderten, bei ihnen zu kaufen. Die oben angeführte Bemerkung auf dem Kreuzband hielt Herr Gerold umsomehr für eine Beleidigung, als die Netoursendung offen der Post übergeben worden war und, es entwickelte sich daraus eine Privatbeleidigungsklage, die auch zur Ver-s urtheilung des Bankiers Arnstedt führte. Neichraths-Abgeordneter Muukel als Vertheidiger bestritt zwar, dass von einer Beleidigung hier die Rede sein könne, da das Wort Anti-Semit an sich doch nicht beleidigend sei, denn sonst würden sich doch nicht manche Leute mit besonderem Stolze Anti-Semiten nennen. In der Sache selbst habe der Angeklagte nur in ganz berechtigter Weise die Conseguenzen gezogen, die sich aus dem Vorgehen der Anti-Semkten ergeben. Der Gerichtshof war aber der Meinung, Lass sich aus.der ganzen Situation und noch mehr aus den Worten, . die der Angeklagte zur Erläuterung ichriftlich hinzufügt, die beleidigende Absicht ergebe, und er verurtheilte ihn deßhalb zu fünfzig Mark Geldbuße, eventuell fünf Tagen Gefängnis. «London. Nach dem Jahresberichte der jüdischen Freischule wurde diese Anstalt im verflossenen Schuljahre von 3000 Schülern, 1830 Knaben und 1170 Mädchen besucht. Hebräisch wird in derselben tagtäglich mindestens eine Stunde in jeder Classe unterrichtet. Die Schule hat besonders dadurch große Schwierigkeiten zu überwinden, dassein großer Theil der Zöglinge außerhalb Englands geboren, oder aus ganz fremden Ländern herftammt, und daher in Folg: dieses Umstandes nur wenig mit der englrschen Sprache vertraut ist. Das Lehrerpersonal muss daher außergewöhnliche Kraft anwenden, um die Schule auf der Höhe zu erhalten, auf welcher sie gegenwärtig steht. Die Einnahmen betrugen 3987 Pfund Sterling) das ist beiläufig fl- 47.850. Der Beitrag der Regierung betrug 2305 Pfund Sterling, die Ausgaben beliefen sich auf 8900 Pfund Sterling. Hin Jude. Unter dieser Rubrik erzählt der ״Jewislt ChroDicle“ folgende Geschichte, deren Wahrheit er selbst garantirr: Vor etwa 30 Jahren lebte in Haag ein Herr Prins, heute ein achtzigjähriger Greis. Er war Teppichhändler und erfreute sich der .Kundschaft des Königs. — Eines Freitag Abends, als eben dis Familie im Begriffe war, nach dem Abendtisch das rradirionelle Semiroth zu singen, trat ein Bote des Prinzen Heinrich herein, Herrn Prins bittend, er möchte sich sofort ins Schloß begeben mit einer schönen Auswahl von Teppichen, zu einer an demselben Abend stattfindenden Vorstellung. Der Händler weigerte sich höflich, dieser Bitte Folge leisten zu können, ,indem', sagte er, ,er am heiligen Sabbathtage kein Geschäft abschließe. Eine Viertelstunde später erscheint der Bote abermals, wiederholt seine Bitte, indem er hinzufügt, dass die Vorstellung nicht verschoben werden könne und anderswo solche gewünschte Teppiche nicht zn finden seien. Der Israelit aber gab dieselbe Antwort in Begleitung vieler Entschuldigungen. Es verging wieder eine Viertelstunde, und es erschien sin dritter Bote, diesmal aber mit einem eigenhändigen Schreiben des Prinzen. Letzterer verpflichtete sich, die Mielhe der Teppiche dreifach zu bezahlen, aber er müsse sofort bedient werden, wenn Herr PrinS nicht seine Kundschaft verlieren wolle. Dieser aber antwortete: Sagen Sie Seiner Königl. Hoheit, dass ich mit dem größten Bedauern die Kundschaft Sr. Königl. Hoheit vertieren würde, aber es stände nicht in seiner Macht, und wäre es der König selbst!.Der Köni g aller Könige erlaube nicht, den heiligen Sabbath zu entweihen, und ich werde es auch nicht thun. ׳ Am Sabbathabend erhielt unser Held den bestimmten Befehl, unbedingt Montag Morgen in dem Palast des Prinzen zn erscheinen. Obwohl ..der Jude als Bürger eines freien Staates nichts zn fürchten.; hatte, begab er sich dennoch mit bangem Herzen hin, in der Gewissheit, seinen besten Kunden verloren zu haben. Wie erstaunte er aber, als -r sich mit dem wohlwollendsten Lächeln des Fürsten empfangen : sah und dieser ihm mit folgenden Worten entgegentrat: »Mein lieber . Freund, ich bitte um .Verzeihung für die Ihnen zugefügte Unauuehmlichkeitem Der Graf von Limburg-Styrum war mein Gast. Während des Diner's war die Rede von den Juden. Der Graf behauptete, alle Juden hätten weder Glauben noch Gewissen, und wären im Stande alles, nms Geld zu thun, indem sich ihr Gewissen nur immer nach ihren Interessen richte. Sie kennen die Juden nicht, antwortete ich, denn ich versichere Sie, daß sie ehrlich und gewissenhaft sind, und die Religion über Alles, was ihnen am heiligsten ist, vorziehen. Dieses Gespräch wurde immer heftiger und artete in einen förmlichen Streit aus. Kurz, es wurde eine Wette auf Sie abgeschlossen, dessen Einsatz ein Faß Tokayer war. Sie haben mich meine Wette gewinnen machen, und ich danke Ihnen dafür, weniger aber für den Einsatz, als für die Bestätigung meiner Meinung und der des Königs, dass die niederländischen Juden unter die besten Bürger des Landes gezählt werden können, in Bezug auf Ehrlichkeit und Strenge in ihren Grundsätzen. Ich bleibe nicht nur Ihr Abnehmer, sondern der König, mein erhabener Bruder, und der ganze Hof wird von nun an keinen andern Fournisseur (Lieferanten) haben, als Sie.' — Der Prinz hielt Wort. Es vergingen kaum l4 Tage, so wurde Herr Prins autorisirt, auf seine Firma .Fournisseur Seiner Majestät und des Hofes zu schreiben. Er gewann die Achtung und die Freundschaft der größten Persönlichkeiten des Reiches; als vor einigen Jahren die Prinzessin Marianne, Tante des Königs, eine Reise nach Jerusalem machte, brachte sie dem frommen Israeliten ein Prachtvolles und elegant ausgefertigtes Paar Tefilin, als köstliches Andenken aus dem Lande seiner Väter. Stellenverän-erimg. Die in unserer letzten Nummer gebrachte Mittheilung, dass College Stransky aus Prag den Grazer Posten angenommen habe, bernbt auf einer irrtbümlicheu Nachricht. Da wir nun hoffen, dass der löbliche Vorstand der Klanssynagoge in Prag einen so bewährten und tüchtigen Beamten wie College Stransky, der sich durch langjähriges Wirken allgemeine Anerkennnnz erwarb, nicht ohne Weiteres wird fortzieben lassen, so müssen wir unsere Collegcn darauf anfmerksam machen, mit der Concnrren; auf den mittlerweile ausgeschriebenen Cantorposten in der Klaussynagoge nickt allzn voreilig zu sein. Ja wir möchten fast denselben entschieden davon abralhen, um fick dadurch getäuschte Hoffnungen und verlorene Reisespesen zn ersparen. Die Red. Druckfehler-Berichtigung. Zn der Musikbeilage (adonoj el raehum) s. Part.-Zeile, 1. Tact, Bass soll eS beißen; e, g, e; 2. Part.-Zeile, 2. Tack, Bais: d, 68, d; 3. Parr.-Zeile, 3. Tacr, Base׳: g, g, r, es, d. (Lo oinus) 4. Part.-,Zeile, 3. Seiet bei odecho Uebergang uon^Esnach C-dur. (Ent- Wicklung deS Synagogengesanges) 1- Seite, rechte ׳Lpalte, Zeile 2 von unten soll es heißen ״enharmonische Wendungen" statt ,unharmoniiche." Correspondenz der Nedaction. College R. in B-, R. in R., Ab., Eis in Cis, P. in E. Ki in L. bestätigen dankend die eingeiandten Beträge. Diele Liste könnte taut unseren Rückständen viel größer sein, wenn die Herren Cantoren beherzigen würden, dass Druckerei, Porten und sonstige nicht geringe Redactionskoiten iowrt gezahlt werden müssen. Rin N. Haben Ihnen bereits mitgetheilt. dass die Anweisung durch Zufall in Verlust gerieth, wollen Sie gef. neuerdings den Betrag anweisen. — Wünschen Sie etwa die Beilagen von 1883? Gruß. R. in N. Wir baben bis jetzt noch keinerlei Wahl getroffen. Gruß. I. B. in Pr. Ihr Rückstand beläuft sich auf die bisher verflossenen Quartale yom Jahre 1884, da Sie das Abonnement nur bis 1. Jänner beglicben haben. Gruß. L. in Br. Sie haben uns selbst angezeigt, dass die Blätter fortan nach P. zu senden seien, weshalb sie auch jedeSmal dorthin erpedirt wurden. Gruß.

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