Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 17 (21.5.1884)
- Date
- 1884-05-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«ne der kräftigste« Stützen für seinen Lebensgang bieten. Bezeichnend für den bedeutenden erziehlichen Einfluss, welchen die Werkstätte ausübt, ist gewiss der Umstand, dass selbst blinde Kinder, welche vor ihrem Eintritte in die Anstalt das traurige Geschäft eines Bettlers geübt haben und darum anfangs jeder gewerblichen Beschäftigung abhold waren, durch die Arbeitsfreudigkeit ihrer Genossen rasch und dauernd für die Arbeit gewonnen wurden. Die Werkftätte bietet, wenn sie im Geiste des Pestalozzi'schen Erziehungsprincipes aufgefaßt und geleitet wird, dem blinden Kinde die Gelegenheit, die ehrenhaften Gesinnungen, welche das Ergebnis des erziehlichen Unterrichtes sind, durch die That zu beweisen und zu üben, und so wird dieselbe nach den verschiedensten Richtungen zu einer Vorschule des Lebens. Auch die materiellen Erfolge, welche durch den technischen Unterricht erzielt wurden, waren erfreulich. Der Erlös für verkaufte Maaren betrug: im Zahre 1881 fl. 2769 46, im Jahre 1882 fl. 3146-47, im Jahre 1883 fl. 2961-22. Die Gesammtersparnisse der Zöglinge, welche in der niederösterreichischen Sparcasse angelegt sind, getragen fl. 3118-65; auf die derzeit im Institute befindlichen Zöglinge entfallen hievon fl. 900-10. Der bisherige Vorsitzende im Curatorium, Herr Dr. L. A. Frankl Ritter von Hochwart, sah sich veranlaßt, zur Zeit, als er in den Ruhestand trat, auch dieses Ehrenamt niederzulegen und aus dem Curatorium zu scheiden. Frankl's außerordentliche Verdienste um dieses Institut sind wohl allgemein bekannt. Um die im Curatorium entstandene Lücke auszufüllen, ersuchte das Curatorium Herrn Wilhelm Engel, k. k. Hof-Buchdrucker, das Ehrenamt eines Curators anzunehmen und fand Herr Engel sich bereit, seine Thätigkeit unserem Vereine zu widmen. Auch Herr Baron Mori» von Königswarter übte das ihm nach dem Statute zukommende Recht eines Curators seit dem Jahre 1882 wieder ans und widmete seine einflußreiche Thätigkeit und Obsorge der Leitung des Institutes. Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt: die Herren Dr. L. A. Frankl von Hochwart und I. H. Meijer, Director des Blinden-Jnstitutes zu Amsterdam. — Mit 31. December 1883 ^zählt unser Institut 497 Mitglieder, die Summe der Jahresbeiträge beträgt fl. 4376. In den letzten drei Jahren haben wir 48 Mitglieder, theils durch Austritt, theils durch Tod verloren, dagegen l26 neue Mitglieder ge- Wonnen; die Summe der Jahresbeiträge hat sich in dieser Zeit per Saldo um fl. 91 erhöht. —■ Von 19 Zöglingen werden als Ertödlete jeder Mann, um sich nicht der zaghaften Hand der Frauen anzuverlrauen, sein Weib, dann die Kinder und zuletzt sich selbst. Jovenus und der Nabbi blieben allein noch übrig, um sich zu überzeugen, dass Alles nach ihren Anordnungen ausgeführt wurde. Jovenus, als dem Haupte unter den Juden, ward die höchste Ehre zu Theil, indem er seinen Tod durch die Hand des bejahrten Rabbi empfing, der unmittelbar darauf die traurige Pflicht an sich selbst erfüllte.-Alles dies ward in der Stille der Nacht ansgeführt; der folgende Morgen sah die Mauern des Schlosses von Flammen umgeben, und nur wenige erbärmliche Feiglinge auf denselben, des Schwertes unwürdig auf ihre todten Brüder hinweisend. Als die Thore sich öffneten, bewies sich die Wahrheit der Rede des verstorbenen Rabbi; denn die Maste, durch die verlastenen Vorhöfe dringend und in ihrer Hoffnung sich getäuscht findend, rächte sich auf der Stelle an den feigen Elenden, die es nicht verstanden, ehrenvoll zu sterben. Dies ist die Geschichte der Juden von Uork, von denen sich, nach den Erzählungen der Geschichtsschreiber, etwa 500 freiwillig den Tod gaben. ziehungsbeiträge jährlich fl. 5155 bezahlt, b. i. um fl. 1465 mehr, als vor drei Jahren. Das Vereinsvermögen hat ün letzten Triennium um Nom. fl. 5400 Papierrente, fl. 200 Silberrente, fl. 1000 Bank- Pfandbriefe, fl. 100 Ungarische Goldrente und fl. 100 Tempel- Obligationen zugenommen. Dasselbe repräsentirt per 31. December 1883 einen effectivcu Werth von cirea fl. 158.000 mit einem jäh.rlichcn Zinserträgnis von cirea fl. 8370. Der.Unterstützungsfond für anstretende Zöglinge bat im letzten Triennium um fl. 3000 Silberrente und fl. 500 Papierrente zugenommen. Es wurden während dieser Zeit fl. 750 an 5 ausgetretene Zöglinge ans diesem Fonds bezahlt, im Ganzen seit Bestehen des Institutes fl. 1491-87 an 9 Zöglinge. Aus dein Baron Königswarter-Stiftungs-Fonde wurden in den letzten drei Jahren die Kosten stur Neuanschaffungen im Betrage von fl. 886-96 bestritten;, im Ganzen seit Bestehen dieses Fondes wurden fl. 1995-23 für Neuanschaffungen vorausgabt. Legate sielen unserem Institute im letzten. Triennium zu von den Frauen: Regine Biedermann. Rosalie Bondy, Therese v. Jauzat-Peche und Kestel, und von den Herren: Max Ritter von Dormizer, Ignaz von Kuffner, Ephraim Schützer, Eduard Thvrsch, Leopold Ritter von Weltheimstein und Simon Freiherr« von Winterstein. Skrallonlkz. Samstag den 10. d. M. fand in unserer Gemeinde ein .solenner Trauergottesdienst für die jüngst verstorbene Kaiserin Maria Anna statt. Zn demselben hatten sich die Spitzen der k. k. Behörden, die Honoratioren der Stadt und der Cnltnsgemeinde eingesnndeu. Auch die Schuljugend nahm unter Führung des Lehrkörpers an demselben Theil. Budapest. Am ersten Mai überreichte eine Deputation der Großwardeiner ״Chewra-Kadischa“ unter Führung des Herrn Salomon Löw, dem Ministerpräsidenten TiSza hier das Ehrendiplom. Der heilige Verein — welcher schon 153 Jahre lang besteht, wählte Herrn v... Tisza zu seinem Ehrenmitgliede; für diese Auszeichnung dankte der. Ministerpräsident und lobte den Patriotismus der isr. Bürger von Großwardein. Warschau. Die ״Now. Wr." entnimmt Warschauer Blättern nachstehende, ganz unglaublich klingende Geschichte: »In dem Flecken S. des Kreises Nowogrudok wurden in der Woche Nacht für Nacht durch unbekannte Verbrecher Raubüberfälle und Einbruchsdiebstähle verübt, durch welche besonders die jüdische Bevölkerung zu leiden hatte. Anfangs wollte es der örtlichen Polizei gar nicht gelingen, Licht in diese dunkle Affaire zu bringen. Endlich aber wurden ihre Bemühungen mit Erfolg gekrönt und einige der frechen Räuber wurden auf frischer That ergriffen. Aber was kam nun an den Tag? Die Verhafteten waren Insassen.des Zuchthauses in Nowogrudok, die zusammen mit ihren Gefängnißwärtern in das benachbarte Städtchen auf Raub ansgezozen und mit' dem Morgengrauen stets glücklich in ihre Zelle heimkehrten, ihre Bente im Gefängnis selbst verbergend. Sie wußten dafür so gute Verstecke anfzufiudeu, dass die Gesänguiß- Verwaltung lange Zeit keine Ahnung davon hatte. Nachdem nun aber die Polizei in S. diese nächtlichen Raubzüge ausgedeckt hatte, wurde auf höhere Veranlassung in dem Zuchtbause Nowog rudok eine strenge Durchsuchung vorgenommen, wobei dann die ganze Schandwirthschast! an den Tag kam. Unter den Fußböden wurden ganze Niederlagen verschiedenster, den Juden gestohlenen Waareu ansgefunden. Am zahlreichsten vertreten waren aber Flaschen mit Branntwein, was erkennen läßt, dass die Sträflinge bei ihren nächtlichen Raubzügen auch aus einen kräftigen Trunk bedacht waren." Berlin, 12. Mai. (»Anti-Semit' eine Beleidiguu!.) »Zurück an den Anti-Semiten Gerold!" Mit dieser Aufschrift sandte der hiesige Bankier Arnstedr ein Circular zurück, welches der bekannte Colvnialwaarenhändler Gerold, Unter den Linden, ihm zugesandt hatte. Die Post verweigerte in dieser Form die Annahme der Rücksendung, und nun packte Herr Arnstedt das Circular mit jenem