Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 16 (13.5.1884)
- Date
- 1884-05-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- ׳7׳ / gesprochene Bitte erfüllt sieht. Das gedachte Tnch der Königin Louise ist in dieser Familie (Hirsch Levin Bornstein und seine Ehefrau Jente, geborene Eibeschütz), welche später nach Berlin übersiedelte und hier eine sehr geachtete Stellung einnahm, stets als eine heilige Reliquie aufbewahrt worden. Jener kleine Knabe Isaak Bernstein (so schrieb er später seinen Familiennamen) erwarb sich später, noch als zarter Jüngling in den Freiheitskriegen bei den schwarzen Hußaren das Eiserne Kreuz; derselbe starb im Anfänge der Fünfziger Jahre als Kaufmann zu Brandenburg a. H. Das gedachte Tuch der Königin ist zuletzt im Besitze seiner Schwester, des Hierselbst in der jüdischen Alterversorgungs-Anstalt in der großen Homburgerftraße im December vorigen Jahres verstorbenen Fräuleins Henriette Bornstein gewesen. Da die gedachte Anstalt nach ihren Statuten und auch gesetzlich Erbin des Fräuleins Bornstein geworden ist, so wird sich dieses Tuch, falls die Erblasserin bei ihren Lebzeiten dort über den Ursprung desselben etwas hat verlauten lassen, vielleicht noch auffinden lassen. Jedenfalls wäre es zu bedauern, wenn dieses Tuch, ein erhebendes Andenken an die Herzensgüte der edlen Königin, nicht mehr anfzufinden sein sollte. London. Ueber die jüngst verstorbene Baronin Lionel Rothschild schreibt der ״Amerikan Hebrew“ unter Anderem Folgendes: »Mit tiefem Humanitätsgefühl und warmem Herzen vereinte sie große Intelligenz und Geistesschärfe, welche ihren Wohlthaten steten Erfolg sicherten. Sie hat ihr Leben mit seltener Selbstverleugnung den Armen und Leidenden gewidmet, sie widersetzte sich der Veröffentlichung ihrer Wohlthaten und sagte immer: »Lassen Sie es nicht bekannt werden'. Wenn sie aber wußte, dass ihr Name eine Anregung für Andere werden würde, oder dass eine gute Sache darunter leiden könnte, wenn man glauben würde, dass sie daran nicht theilnehme, dann nur ging sie von ihrer Abneigung gegen die Veröffentlichung ab. Ihre Mildihätigkeit H.'י raufte sich nicht allein auf Juden, sondern beglückte die Nothdin,!gen jeder Confession. Die Baronin war unermüdlich im Besuchen der Armen; die entlegensten, elendesten Bezirke suchte sie auf und die Kranken- und Volksküchen, welche sie dort errichtete, geben Zeugnis für ihr rasches Anffassen der dringendsten Bedürfniße des Volkes. Ihre Gedanken waren immer bei den Armen." H^etersvnrg. Unter der Aufschrift: »Alte immer wiederkehrende Geschichte", theilt die deutsche ,,Pet. Zrg " Folgendes aus Tiflis mit : Kürzlich erzählte eine Grufterin einem Polizeisoldaten, eben wäre sie durch die Grjasnaja gekommen; in der Nähe des Soldatenmarktes hätte sie aus dem Kellergeschoß Nr. 46 heraus das Schreien und Jammern eines Kindes gehört. Dort befände sich eine jüdische Fleischbude. Die Nähe des Osterfestes und die alte G.schichte von dem zu den Matzes nöthigen Christenblnt genügten, um die ganze Bevölkerung jener Stadtgegcnd in Bewegung zu setzen. Dis Straßen waren durch Volkshaufeu geradezu versperrt. Um Nachmittags, so berichtet die Zeitung ,,Now. Obosr.", erschienen der Procurator des Bezirksgerichtes und der Polizeimeister zur Vornahme einer Untersuchung an Ort und Stelle. Das ganze Haus und sogar der im Hofe befindliche Brunnen wurde auf's sorgfältigste untersucht; natürlich fand man weder ein jammerndes Kind, noch sonst irgend etwas Verdächtiges. Es stellte sich heraus, dass in dem zur Fleischbude gehörigen Kellergeschoß Lämmer eingesperrt waren, deren Blöcken jener Grufterin wie Kindergeschrei vorgekommen war. Man hielt es für geboten, in dem Hause, sowie in den benachbarten beiden Gassen, bis zum späten Abend verstärkte Polizeiwache aufzustellen. Madrid. Pater Mon ist in einer Predigt, welche ausschließlich von Damen der hohen Madrider Aristokratie besucht war, heftig gegen die Juden losgezogen und hat es namentlich getadelt, dass die hohen Herrschaften bei einem Juden (bei Bauer, dem Repräsentanten des Hauses Rothschild in der spanischen Hauptstadt) getanzt haben. Diese Predigt erregte am Hofe große Sensation, so dass das Ministerium sich gezwungen sah, zu veranlassen, dass Pater Mon noch am selben Tage Madrid verlaste. Die Zeiten haben sich geändert, selbst auch in Spanien. Dieser Vorfall, welcher nur ein Symptom ist, das aber seine Wichtigkeit hat, verdient, weil in Spanien geschehen, verzeichnet zu werden. Smyrna. Vor einiger Zeit verstarb hier Msgr. Meletios, der griechische Erzbischof. Die Trauerfeierlichkeiten waren in ganz ungewohnter Weise pomphaft. Dieser ehrwürdige Geistliche hatte sich von jeher den Israeliten wohlwollend gezeigt, und zur Zeit des Aufstandes gegen die Juden im Jahre 1872, hatte er sich mit Gefahr seines Lebens bemüht, die Aufrührerischen zu besänftigen. Noch vor einigen Monaten hatte er die Schulen der Alliance besucht und beinahe zwei Stunden damit zugebracht, die Schüler zu prüfen, die Lehrer zu ermuthigen; sein Besuch hatte den rührendsten Eindruck gemacht. Das israelitische Consiftorium Smyrna's und das Loeal-Comite der Alliance haben Werth darauf gelegt, sich in ganz besonders hervorragender Weise bei der Trauerfeierlichkeit der griechischen Gemeinde zu betheiligen. Der Oberrabbiner im Ornat, die Mitglieder des Eonsistoriums und das Local-Comite. ein Theil der Schüler und die Professoren der Schule der Alliance sind dem Leichenconduet gefolgt, welchem zwei israelitische Kinder vorangingen, die zwei Kränze trugen, den Einen im Namen des Local-Comite der Alliance, den Andern Namens der Israeliten Smyrna's. Herr Pariente, Director der Schule, hatte den Auftrag, im Namen aller Israeliten der Stadt dem Schmerz Ausdruck zu geben, welcher sie Alle bei dem Ableben des Msgr. Meletios erfüllt. Stellenveränderungen. College I. Stransky, welcher bisher in Prag (Klausfynagoge) amtirte, wurde nach Graz berufen und wird im Monat Juni daselbst seinen Posten antreten. College S. Bass, bisher in Marienbad, ist in Münchengräz acceptirt worden. College Sckulhof wurde von Unter-Szöles nach Jriz berufen. Sämmtlichen Herren Collezen wünschen wir, dass alle ihre Hoffnungen, die sie an den Antritt ihrer neuen Stelle geknüpft haben, auch wirklich in Erfüllung gehen mögen. Die Redaction. Correspondenz der Nedaction. Collezen Gr. in T., M. in K. St. M., Sch. in B. P-, G. in St., M. in Pr.. G. in P., Fr. in Kr-, L. in Pr., H. in Kopr., Sch. in Ir. bestätizcn dankend die eingesandten Beträge. Ad. in Rep. Sie haben blos für l*/2 Monate bezahlt. Sch. in P. Den Schir Zion können Sie direct bei Nestor Sulzer beziehen. Gruß. H. in Kopr. Den eingesandten Betrag haben wir für das 4. Quartat 1883 und 1. Quartal 1884 gutgebucht. Gruß. .Rin N. Für Ihre eingesandte Composilion unseren besten Dank und werden für die nächst erscheinende Musikbeilage hievon veröffentlichen. Besten Gruß. ik. Nin L. Wenn Ihnen all dies contractlich zugesagt nt, dann steht Ihnen wohl das Recht zu, gerichtlichen Anspruch darauf zu erheben, ׳doch würden wir Ihnen rathen, diesen Weg nur im äußersten Nothfalle zu betreten, da er selten zu einem guten Ende führt. Uebrigens ist eine eingehende Erörterung dieser Punkte in der offenen Corresponden; nicht gut möglich. Gruß. Die Redactiou.