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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-05-13 · Heft 16 (13.5.1884) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 16 (13.5.1884)
Date
1884-05-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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zu bewegen, den auf Seite 27, beim Worte ,Schutz ihr mich vertrauet' angebrachten Vorhalt zu streichen, um den Accord A, 018, E, Fis gleich nach E־dur aufzulösen? Bezüglich der Grab- und Requiemgesänge ein anderes Mal- Wir kehren zu unserer Anfangsbemerkung rücksichtlich der Freigebigkeit der Attributertheilung zurück und gelangen zum Resume, dass, wenn je Einer Anspruch auf die freundliche Anerkennung seitens der jüdischen CantoreN bat, Grünzweig dieselbe in vollem Matze verdient. Er bietet zu allen Zeiten und andauernd - sein Bestes und ist für Viele durch seine trefflichen Gaben zum wabren Freunde geworden; lassen wir daher Anderen fulminanten Bezeichnungen ,Papa', ,Meister' 2c. und nennen wir Grünzweig kurzweg ,Freund Grünzweig.' ..... r. Nachdem Ritter v. Borkenau zum Präses gewählt worden war, hielt er folgende Ansprache: ,Meine geehrten Herren Co liegen! Sie haben mich durch Ihr Vertrauen zur höchsten Würde in unserer Cultusgemeinde berufen, mir die Ehrenstelle übertragen, welche ein durch Gelehrsamkeit, Geist, Charakter und > alle bürgerlichen Tugenden ausgezeichneter Mann inne hatte. Ich nehme daher nur mit bangen Gefühlen diese mich hochehrende Mission an, kann Ihnen nur wenig mehr bieten als den besten Willen, soweit meine schwachen Kräfte reichen, all dasjenige zu thnn, was dieser ersten und größten Gemeinde des Reiches frommt. ColMtuiruilg des Vorflaildes der Wiener Cultusgemeinde. Wir haben bereits in der letzten Nummer das Resultat der Neuconstituirung des Vorstandes der Wiener Cultusgemeinde gemeldet und wollen mit Heutigem einen ausführlichen Bericht über diesen hochwichtigen Act mittheilen. An die Spitze des Vorstandes wurde, wie unseren Lesern schon bekannt sein dürfte, Herr Moriz Ritter v. Borkenau berufen, ein Mann von hervorragenden Verdiensten für die Stadt Wien sowohl, zu deren bedeutendsten Gcmeinderätben er zählt, als auch insbesondere für die Cultusgemeinde. Ein umfassendes Wissen, ein edl׳- Charakter, ein jüdisch fühlendes Herz und geschästskund?.׳׳»׳ 'inn, dies sind die seltenen Eigenschaften, welche den neug'.i. ׳׳ nt Präses der Cultusgemeinde zieren, und der Vorstand so., oh' als auch die ganze Gemeinde und deren Beamte können mit freudiger'Hoffnung auf den Mann blicken, der nun an ihre Spitze getreten ist. Vor Allem genehmigen Sie die Versicherung, dass es mein eifrigstes Bemühen sein wird, gleichwie mein verewigter Vorgänger den Frieden in der Gemeinde nach Innen und Außen zu erhalten, ohne jene Reformen hinlanzuhalten, welche die neue Zeit erheischt; dabei wird mein volles Streben darauf gerichtet sein, dass der religiöse Sinn bei unserer Jugend, welcher derselben allmälig abhanden kommt, erhalten und geweckt, neu belebt werde. Es kann nickt geleugnet werden, dass die Wiener Cultusgemeinde, welche in frnberer Zeit stets die Initiative ergriff, wo es galt, Verbesserungen und zeitgemäße Reformen einzuführen, darin einen Stillstand eintreten ließ und von kleineren Gemeinden überflügelt wurde — wissen Sie dock, meine Herren, dass auf jedem Gebiete, dem geistigen wie materiellen, Stillstand mit Rückschritt gleichbedeutend ist; es soll daher meine wichtigste Aufgabe sein, in jedem Zweige unserer Verwaltung einen besonnenen aber entschiedenen Fortschritt anzustreben, und da bitte ich Sie, meine Herren College!! vor Allem um Ihre Unterstützung, denn nur mit dieser, getragen von Ihrem Vertrauen und dem der ganzen Gemeinde, kann mir die Führung meines schwierigen Amtes erleichtert werden. Die jüdische Colonie Pointed Woods (Amerika).! Monatsbericht der ,Allianz Israel. Univ.׳! Die in Pointed Woods (Minnesota) etablirte russische Co-! lonie, welche von Herrn Dr. Wechsler, Rabbiner in St. Paul, geleitet ׳ wird, hat sich seit ihrer Gründung bedeutend vergrößert. Sie bestand! ursprünglich aus dreißig Familien. Diese Familien, welche sich all-! malig eine gewiffe landwirthschaftliche Erfahrung angeeignet und durch! ihre Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienten, haben ihre Verwandten j und Freunde aus den verschiedensten Theilen der Vereinigten Staaten! und Canadas heraugczogen. Heute besteht die Colonie zu Pointed Woods aus 71 Männern, 52 Frauen und ungefähr 90 Kindern. Die neuen, unerfahrenen und unbemittelten Ankömmlinge sind eine schwere Last für die Colonie geworden, deren Lage heute weniger! befriedigend ist, wie bisher. Anbei die sehr intereffanten Mittheilungen, welche diesbezüglich von Herrn Dr. Wechsler an das Central-Comite gemacht worden sind. ״Die ruffifchen Flüchtlinge, welche sich in Pointed Woods niedergelaffen, gehören der ärmsten Claffe unserer Glaubensgenossen an; sie besitzen nicht alle die erforderliche Kraft und Energie, um sich durch Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sich selbst zu erhalten. Nichts ist leichter als in Amerika Grund und Boden zu erlangen, man muß ihn nur zu bebauen verstehen. Selbst bei perfönlicher Tüchtigkeit und einiger Kenntnis der Bodencultur, muß der Colonist mindestens 700 oder 800 Dollar besitzen, um, falls er Familie hat, seine Bedürfnisse bestreiten zu können. 500 Dollars würden für jede Familie genügen, wenn zwei Familien zusammen auf eine und dieselbe Conceffron arbeiteten; jedoch;eigen sich diese Fluchtlinge einem Zusammenwirken nickt geneigt. Es gibt jetzt in der Colonie von Pointed Woods ungefähr 60 Familien, von denen eine Anzahl noch nichtetablirt ist, wodurch die Fortschritte' der Colonie aufgehalten werden. Als dis ersten Colonisten erkannten, dass sie große Aussicht auf Gelingen hatten, haben sie einer bedeutenden Anzahl ihrer in dM verschiedensten - Theilen der Vereinigten Staaten und Canadas befindiichen Freunde gerathen, ihnen nachznfolgen. Viele sind gekommen und haben Boden erhalten, aber sie hatten nicht die geringsten Mittel, und die Meisten von ihnen nicht die mindeste Begabung zur Bodenenltur. Bald nach ihrer Ankunst verhungerten die Familien, nachdem die Häupter derselben sich anderweitig um Stellung oder Beschäftigung bemühreu. Unter solchen Umständen sah sich die Niederlassung wohl gezwungen, diese unglücklichen Frauen und Kinder zu unterstützen, was ihr schwere Opfer aurerlegte. Es muss hinzugesügt werden, dass die Colonie 500 Meilen von St. Paul entfernt lieg!, und dass cs außerdem keine naher wohnenden Israeliten gibt. Zudem ist die letzte Saison nicht günstig gewesen, da die Ernte durch übermäßige Trockenheit fast vollständig verloren ging. Ohne diesen bedauerlichen Zwischenfall hätte eine gewiffe Anzahl der Colonisten sich halten können. Noch ein anderes Unglück hat die Auswanderer betroffen. Das Feuer der Prairien hat eine große Menge Heu und Ackerwerkzeuge zerstört. Große Ausgaben waren erforderlich, um diese Verluste zu ersetzen und Winternahrung für das Rindvieh zu beschaffen.

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