Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 15 (5.5.1884)
- Date
- 1884-05-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 — schon die eigentümliche Bezeichnung des Trillers, welche, wäre jene Ausführung kunstgerecht, ganz überflüssig sein würde, denn man müßte dann den Triller ausschrciben, wodurch er aber wieder aufhörte, eine stehende Verzierung zu sein. Wichtiger aber noch spricht gegen die Methode, den Triller in streng gemessenen Tacttheilen auszusühren, der Umstand, dass man bei ihr den Triller stets zu langsam oder zu schnell wird anssübren müssen. Denn wollte man z. B. in einem Largo mit Sechzehn- oder Zweiunddreißigtbeilen trillern, so würde diese Bewegung des Trillers zu langsam, in Vierundsechzigtheilen aber zu schnell sein׳ Dieser Uebelstand würde im Allegro bei Noten geringer Geltung besonders schroff hervortreten, namentlich in Betracht der Regel, dass der Schluss des Trillers stets mit einer gewissen Ruhe angehängt werden muss. Kein Triller darf gegen das Ende in der Bewegung langsamer werden, weil er dadurch wirkungslos wird, indem es scheint, als nehme die Kraft des Sängers ab. Aber auch da, wo der Cadenz-Triller den höchsten Punkt erreicht hat, darf er doch nur in einem gewissen Grade schnell sein, denn es ist unabänderliche Regel: zu langsam ist der Triller wirkungslos, zu schnell fehlerhaft. Um dem Gesetze über die Langsamkeit des Trillerjchlusses auch dann genügen zu können, wenn man namentlich in einem bewegteren Tempo eine Note von kurzer Zeitdauer trillern soll, so thur man wohl, einen praktischen Kunstgriff zu gebrauchen, welcher darin besteht, dass man von der zunächst vorhergehenden Note einen kleineren oder größeren Theil ihres Zeitwerthes abzieht und der Trillernote zuschlägt. Versteht sich nur dann, wenn dadurch kein harmonischer Fehler geschieht. Die Generalvertammliiilg der isr. Allianz M Wien- Die isr. Allianz zu Wien hielt am 27. April ihre elfte ordentliche Generalversammlung ab. Zu Beginn derselben gedachte der Präsident, Herr JosefRitter von Wertheimer des jüngst erfolgten Hinscheidens des hochverdienten Vicepräsidenten, Herrn Dr. Ignaz Kuranda und forderte die Anwesenden auf, zur Bezeugung des' empfundenen Schmerzes über seinen Hintritt, sowie des dankbaren Andenkens für sein hervorragendes Wirken innerhalb und außerhalb des Vereines, sich von ihren Sitzen zu erheben. Hierauf erstattete er den Jahresbericht, dem wir Folgendes entnehmen. »Nachdem die russische Hilfsaction im großen Ganzen seit einem Jahre vollendet ist, verlohnt es sich, einen kurzen Rückblick auf dieselbe zu werfen, und gereicht es uns zur Befriedigung, constatiren zu können, daß die, mitunter als ein mißlungenes Experiment verschrieene Emigration russischer Flüchtlinge nach Amerika, sich nachgrade als ein überaus wohlthätiges Werk, deffeu Zukunft zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, darstellt. Sie wissen, meine Herren, dass wir in Verbindung mit Schwestcrassociationen von Paris, London und Berlin viele Tausende dieser unglücklichen Flüchtlinge nach Amerika befördert haben. Nur ein kleiner Bruchtheil derselben, und zwar nur solche, welche alt, kränklich und arbeitsunfähig waren, kehrten wieder in ihre Heimat zurück. Es waren dies zumeist Emigranten, welche auf eigene Faust ausgewandert waren. Die Anderen haben successive ihre Existenz in Amerika gefunden. Es war ihnen, wenn j auch nach mancherlei Schwierigkeiten, lohnende Beschäftigung in J Fabriken, Werkstätten rc. geworden, so dass jene von ihnen, welche ihre Weiber und Kinder in Europa zurückgelaffen hatten, dieselben nach wenigen Monaten Nachkommen laffen konnten. Aber noch ein anderes höchst beachtenswertes und für die Zukunft bedeutungsvolles Resultat hgt dieses Hilfswerk aufzuweisen; es hat nämlich schon jetzt den untrüglichen Beweis erbracht, dass diese jüdischen Emigranten, besonders die jüngeren, sich ganz vorzüglich für den Ackerbau qualificiren. Nach einigen Anfangs wegen Ueberhastung mißglückten Versuchen kam es bald zur Gründung mehrerer Colonien, deren Existenz nun trotz der zu bewältigenden großen Schwierigkeiten gesichert ist. Die authentischen Berichte über diese Colonien können nicht genug die Arbeitslust und Arbeitsfähigkeit, die zähe Ansdauer, die »unvergleichliche Energie' der Colonisten rühmen. Wie schwer auch überall der Anfang war, besonders zur Winterszeit, in welcher die Ansiedler, ärmlich gekleidet und beobdachtet wie sie waren, auf noch unbebautem Boden ausharren mußten; sie gelangten, alle Widerwärtigkeiten geduldig ertragend, zum Ziele und errangen sich die Sympathien nicht nur ihrer Glaubensgenossen, sondern auch der nichtjüdischen Nachbarn. Das Aufblühen jüdischer Ackerbau-Colonien in den Vereinigten Staaten Nordamerikas ist gewiß eine erfreuliche Erscheinung und geeignet, das gegen die Befähigung unserer Glaubensgenossen zum Ackerbau herrschende Vorurtheil schlagend zu widerlegen. Um nur einige authentische Daten über diese Colonien hier anzusühren, sei bemerkt, dass die Colonie Neu-Odessa in Oregon sich ganz allein durch eigene Arbeit bereits seit Jahresfrist erhält, dass die ,Alliance' oder Vineland-Colonie bereits siebzig Familien zählt, dass in dem südöstlichen District von Dakota, welcher die Colonien ,Crsmieux' und .Betlehem-Juda' einbegreift, die russisch-jüdflchen Ansiedler im Besitze von mehr als neuntausend Acres vortrefflichen Ackerlandes sind. Unsere Allianz -hat nun in Berücksichtigung der hohen Wichtigkeit, welche das Prosperiren dieser russisch-jüdischen Colonien und die Gründung neuer in sich schließt, der mit der Leitung derselben betrauten Montefior-Agricultur Aid Society in New-Aork erst jüngsthin — entsprechend den s. Z. zwischen den betheiligten Vereinen bezüglich der russijchen Hilfsgelder getroffenen Verabredungen — eine bedeutende Summe zur Verbefferung der wirthschastlichen Lage dieser Colonien votirt. Hieran reihen sich nicht minder befriedigende Erfolge, welche wir von den sowohl von uns selbst, als für Rechnung der ״Alliance israellte universelle^ in Paris übernommenen russischen Waisen aufzuweisen haben. Es gereicht uns zur aufrichtigen Befriedigung. Ihnen mittheilen zu können, dass die von uns seinerzeit übernommenen russischen Knaben, welche wir zum großen Theil bei Handwerkern in die Lehre gegeben haben, und welche auf unsere Kosten unter» halten werden, die vorzüglichsten Fortschritte machen und nach den Zeugnissen ihrer Lehrherren tüchtige und pflichtgetreue Arbeiter zu werden versprechen. Nicht minder günstig lauten die Berichte über die noch die Schule besuchenden Kinder beiderlei Geschlechts. Sie haben sich in sehr kurzer Zeit die deutsche Sprache, die ihnen fremd gewesen, vollkommen angeeignet und stehen in keiner Beziehung ihren übrigen Mitschülern nach. Einige von ihnen gehören sogar zu den vorzüglichsten ihrer Classe und wurden wiederholt von den Lehrern öffentlich belobt. Die in Rede stehenden, auf unsere Kosten erhaltenen Knaben, von denen einige bereits im Jünglingsalter stehen, gruppiren sich ihrem Gewerbe nach in folgender Weise: Schneider 3, Bürstenbinder 3, Posamentierer 2, Schriftsetzer 2, Musiker (im Conser-