Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 15 (5.5.1884)
- Date
- 1884-05-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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— 2 nach E8 beim Teuer wenel’cho Seite 20 als musikalischer Hochverrath erschein׳.׳, mag, so bleibt zu bedenken, dass derlei Ketzereien durch ei i.ich unharmonische Andersbebandlung der betreffenden Tonstuf. 1־ sehr leicht gut gemacht werden können; im Uebrigen wird das Ohr durch wirklich vorzügliche harmonische Klangwirkung im reichsten Maße hierfür entschädigt. — Man laste den fünsstimmigeu Chorsatz Psdbem uPsiferes Seite 18 singen, beobachte den Tenoreinsatz Psehem, die Bewegung in Tenor und Baß, das Festhalten der Töne in Alt und Sopran, die duftige Modulation nach G־moll, das endliche Schließen bei welis’liilloli und man wird und muß uns beipflichten, dass hier meisterhaft in Tönen gemalt wurde ja, dass jeder Ton bei Sulzer zur Blume heranreift, welche nicht blos durch Farben- Pracht, sondern auch durch herrlichen Duft auf uns einwirkt. — (Fortsetzung folgt.) Vom Läufer und Triller. (Schluss.) Der Hauptkunstgriff, dem Schüler die Fähigkeit des Trillerns beizubringen, besteht darin, dass man ihn frühzeitig die Kirpst lehrt, mit einem ganz kleinen Athem den Triller auszuführen. Dies geschieht auf folgende Art: der Schüler muss jedesmal, bevor er einen Ton trillert, erst Ne88a äi voce machen und an diese den Triller anhäugen, und zwar in der Art, dass er nach der N6883. äi voce den Hilfston stark angibt, dann kurz absetzt und hierauf, jedoch ohne zu athmen, den Triller beginnt, inde er die ersten Töne ganz langsam und die späteren allmälig bewegter singt, den Schluss aber langsam ausführt. Dadurch wird sein Triller lei'cht und graziös, und er wird bei Zeiten die Kunst vorbereiten, Cadenzen und Fermaten prächtig zu schließen. Wollte hingegen der Lehrer, diesen wichtigen Erfahrungssatz hintenansetzend, den Triller mit vollem Athem machen lasten, so würde sein Schüler diese Kunst nicht nur nicht erlernen, sondern sein Triller würde auch ein sogenannter Bockstriller werden, nämlich ein solcher, der, mit Brustanftoss und großer Athemmasse gebildet, stolpernd und schwerfällig statt sicher und flüchtig sich bewegt. Haben sich die Fähigkeiten des Lernenden auf die vorgeschriebene Weise entwickelt und fester gestaltet, so muss er im vollkommenen Triller fleißig und sorglich geübt werden. Wie überall, so kommt es auch hier darauf an, dass der angehende Sänger seine körperliche Kraft nicht nur möglichst ausbilde, sondern sie auch genau berechnen lerne. Denn was würde es einem Künstler helfen, wenn er z. B. im Stande wäre, die Scala dreimal vortrefflich zu durchlaufen, er aber versuchte es das vierte Mal, und müßte wegen eintretender Ermattung seines Organismus abbrechen? oder mit Mühe stümperhaft schließen? Eben so bedauernswerth würde es sein, nenn ein Sänger einen schönen Triller hätte, aber ihn oft aus demselben Grunde oder aus Mangel an Athem nicht schließen könnte? Daher muss ein guter Lehrer, wie bei jeder Gelegenheit, so auch hier den Unterricht in dem von uns bezeichneten Sinne leiten, was beim Studium des Trillers dann geschieht, wenn der Schüler angehalten wird, unter strenger Befolgung der gegebenen Gesetze über die Unveränderlichkeit der Körperhaltung und genommenen Mundstellung, gleich beim Aushalten des ersten Tones daran zu denken, dass ihm die Kraft für die noch zu überwindende Schwierigkeit nicht ausgehe. So oft er sich darin verechnet, muss er das ganze Exercitium von vorn beginnen, nachdem er sich zuvor völlig erholt hat. Durch diese Methode, unausgesetzt beibehalten, wird der Sänger auf jedem Punkte seiner Bildungs- Periode sich seiner Fähigkeit im großen Triller auf das klarste bewusst werden, wa^ seinem Vortrage zuletzt den Stempel der unerschütterlichen Ruhe,, das Zeichen der vollendeten Meisterschaft aufdrücken wird. Den Sinn dieser wichtigen Lehre bezeichneten die alten L>änger mit den drei Worten: Formare, Fermare, Finire. Die Idee dieser drei Worte, Bilden, Festhalten, Endigen, ist tiefsinnig, viclbedeutsam und für das ganze weite Feld der Praxis von Gesetzeskraft. 1. Zn Beziehung auf den einzelnen Ton. Diesen soll der Sänger erstens bilden, dass er nach allen Richtungen hin den Namen eines schönen Tones verdiene, also ein Kunstproduct sei. Als solches soll er aber nicht blos beginnen, sondern er soll es auch in seinem Fortgange bleiben. Manche Sänger beginnen einen langathmigen Ton' sehr gut, sie sind aber nicht im Stande, ihn auch schön zu halten, weil sie der Tonbildung nicht in ihrem ganzen Umfange mächtig und ihrer Kraft sich nicht klar bewulst sind, geschweige ihn schön zu enden, weder was körperliche, noch was künstlerische Fähigkeit betrifft. Bald holen sie für die Kraft ihres Organismus zu weit aus und müssen unzeitig abbrechen; bald sind sie des schönen Tones nur in einer gewissen Gegend ihrer Stimme, oder auf einem gewissen Vocale, oder bis zu einem gewissen Grade der Kraft mächtig, überschreiten ibre Grenzen und können nicht schön festhalten, geschweige schön endigen. Das Alles aber soll der echte Künstler thun. 2. In Beziehung auf alle Tonfiguren hat der Sinn jener Worte Gesetzeskraft. Mancher z. B. kann nur kleine Scaletten kunstgerecht ausführen, aber sein Gelüst verlockt ihn zu großen, brillanten Passagen; ein kurzer Triller gelingt ihm, aber er will Ketten- und Cadenz-Triller machen, und wird im Fortgange des begonnenen Werkes den Vorwurf auf sich laden, dass er wohl das Formare, aber nicht das Fermare. geschweige das Finire könne. 3. Jene drei Worte haben aber auch Giltigkeit für den Vortrag ganzer Gesangstücke. Und hier ist ihr Sinn dieser: Der Sänger greife dem Culminationspunkte des Tonstückes niemals vor, d. h. er lasse sein ganzes Talent erst da glänzen, wo Dichtung und Musik ihren Gipfel erklommen haben. Hier erst zeige er die volle Gewalt und Cultur seiner Stimme, hier erst lasse er alle Quellen seiner Phantasie springen und die ganze Tiefe seiner Empfindung sich aufthun, hier erst leuchte sein Geschmack in den edelsten Conceptionen. Da es nun ein Hauptgesetz ist, dass ein Kunstwerk in seinem Verlaufe an Interesse nicht nur nicht abnehme, sondern bis zum Schluffe hin sogar wachse, so ist der Glanzpunkt guter Tondichtungen stets auch gegen das Ende derselben zu finden, und der Sänger wird daher, wenn er uns erfasst hat, den höchsten Effect stets am Schluffe seiner Leistung erlangen. Und dies ist zugleich ein Theil der wichtigen Lehre von der richtigen Vertheilung des Lichtes und Schattens im Gesänge, welche also gleichfalls in jenen drei Worten mit enthalten oder mindestens angedeutet ist. Um das Formare, Fermare, Finire jedoch im vollsten Sinne auszuüben, muss der Sänger jeden Schluss, sei er nun der einer Cadenz, oder der einer Arie, so ausführen, dass man ihm nicht Ermattung oder gar Erschöpfung anmerke, oder auch nur auf den Gedanken gerathe, er habe eben sein Alles gespendet; immer muss man vielmehr glauben, er könne, wenn er wolle, noch Größeres bieten. Diese Wirkung kann er aber nur dann mit Sicherheit Hervorbringen, wenn er in Wahrheit nicht seine ganze Kraft erschöpft, weder in Ton noch Athem. Der Sänger darf niemals beabsichtigen, den Triller in einer bestimmten Notengattung, in Sechzehn- oder Zweiunddreißig- oder Vierundsechzig-Theilen, auszuführen. Dagegen spricht