Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 15 (5.5.1884)
- Date
- 1884-05-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/1304829-3452960-3452975--0989-3455081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— -7 vatorium) 2, TischI r 1, Bäcker 1, Buchdrucker 1, Hutmacher 1, j Kupferstecher 1. £ .!;11 kommen noch Kinder im zarteren Alter, welche die Volksschi..e besuchen. Sämmtliche! er angeführten Lehrlinge erhalten in ihren Mußestunden Unten-cht in allen Volksschulgegenständen, sowie in der Religion, und sind die diesfällig erzielten Resultate sehr befriedigend. Bei dieser Gelegenheit sei es uns gestattet, dem hiesigen jüdischen Handwerker-Vereine, welcher uns bezüglich der Unterbringung der für das Handwerk bestimmten Kinder auf das kräftigste unterstützte, unseren wärmsten Dank auszusprechen. Auch die Berichte über die Leistungen der von der ,,Alliance israelite universelle“ in Paris übernommenen, unserer Leitung übergebenen rustischen Knaben, welche wir in verschiedenen 'mährischen Gemeinden untergebracht haben, lassen nichts zu wünschen übrig. Wir kommen nun zu unseren Agenden im Innern, und da steht Galizien im Vordergründe. Sie wissen, meine Herren, dass seit scher unser Augenmerk auf die Hebung der Zustände unserer Glaubensgenossen in diesem Lande gerichtet war. Kaum hatte die russische Hilfsaction ihren glücklichen Abschluß gefunden, so ging auch der Vorstand unverzüglich an diese hochwichtige Arbeit, setzte sich mit maßgebenden, mit den galizischen Verhältnißen genau vertrauten Persönlichkeiten in Verbindung, und suchte nach Maßgabe der vorhandenen materiellen Mittel mit der Lösung der gestellten Aufgaben zu beginnen. Da sedoch unser Hilfsmittel unzureichend sind, um sämmtlickcn Ansprüchen, deren Befriedigung ganz ungewöhnliche Capitalien erfordert, genügen zu können, so mußten wir uns auf einen bescheidenen Anfang beschränken, in der Er- Wartung, dass dieser einerseits anregend auf bislang, sich passiv verhaltende galizische Gemeinden wirken, andererseits die Mit- Hilfe von Schwesterastociationen uns sichern werde, um dann mit größerem Nachdrucke an die Lösung dieser ebenso schwierigen, als hochwichtigen Aufgabe schreiten zu können. Wir haben bei dieser Gelegenheit zu erwähnen, dass sich außerhalb unserer Allianz auf Anregung des um jüdische Jnteresten hochverdienten Herrn Wilhelm Niter von Gutmann ausgezeichnete Männer in solchen zusammen gefunden haben, und dass unsere Allianz sich bei den galizischen Zuständen gewidmeten Berathungen betheiligte. Um kostbare Zeit nicht zu verlieren, haben wir vorerst einige dringendere, an uns gelangte Ansuchen zu berücksichtigen uns veranlasst gefunden. Wir haben damit begonnen, dass wir zunächst der Gemeinde Sablocie eine Subvention von fl. 1000 jährlich auf 3 Jahre zur Gründung einer vierclassigen confessionellen Volksschule bewilligt haben. - Wir hatten nämlich, nachdem das Subventionsgesuch dieser Gemeinde bei uns eingelaufen war, genaue Information durch unseren Vereins-Secretär an Ort und Stelle cinholen lassen und lautete der diesbezügliche Bericht dahin, dass Sablocie einen glücklichen Angriffspunkt für die culturelle Mission der Allianz in Galizien bieten würde. Die Gesammtkosten der Schulen belaufen sich auf circa fl. 2400 jährlich. Es wirken an derselben drei Lehrer, von denen zwei pädagogisch geschult sind und eine geprüfte Lehrerin, und hoffen wir, dass sie den an sie geknüpften Erwartungen entsprechen werde. ׳ Weiters haben wir der Gemeinde Bolechow in Galizien zur׳ Erhaltung ihrer confessionellen Schule eine Subvention von fl. 500 jährlich auf 3 Jahre bewilligt. Diese Gemeinde erhält seit mehr denn zwei Decennien eine gut geleitete und segensreich wirkende Schule; allein sie batin den letzten Jahren durch schlechlen Geschäftsgang und an-dexe zufällige Ereignisse dermaßen gelitten, dass die Auflösung der Schule unabweislich geworden wäre. Ebenso haben wir in Berücksichtigung der Nothlage in Brody der dortigen confessionellen, von etwa 1200 Kindern besuchten Schule fl. 200 uud dem Waisenhause für Unterrichtszwecke einen gleicb hohen Betrag gewidmet. Schließlich haben wir. um auch mit der Beförderung des Ackerbaues unter den galizischen Glaubensgenossen den Anfang zu machen, über Antrag des sehr eifrigen Obmannes unserer Tarnopoler Filiale, Herrn Dr. Weisstein, vorläuflg einen Betrag von fl. 1000 zu 5 Stipendien für jene Jünglinge ausgesetzt, welche sich den agronomischen Studien widmen wollen. Selbstverständlich bildet das bis jetzt von uns für Galizien Geleistete nur den Anfang. Außer den für Galizien .gewährten Subventionen haben wir im abgelaufenen Jahre eine verhältnismäßig bedeutende Anzahl nothleidender Gemeinden, deren Mittel zur Erhaltung ihrer Schulen nicht ausreichen, nach Kräften unterstützt. Die an uns in dieser Richtung im letzten Jabre gestellten Anforderungen überschritten erheblich jene der Vorjahre, und da von Anbeginn unser Hauptaugenmerk auf Förderung des Schulwesens in den Gemeinden gerichtet war, so kamen wir gerne den berechtigten Wünschen, soweit unsere Mittel es gestatten, entgegen. Auch mehrere böhmische Gemeinden, welche in früheren Jahren gut situirt waren und eine vorzügliche Reputation genießen, waren durch die Ungunst der Verhältniße der letzten Jahre gezwungen, unsere Hilfe anznrüfen. Es sei auch erwähnt, dass wir gelegentlich der im vorigen Jahre in Ungarn ausgebrochenen Unruhen die durch Plünderung in verschiedenen Gemeinden entstandene Nothlage nach Kräften zu lindern bemüht waren, indem wir größere Beträge, theils. direct, theils durch die ungarische Landeskanzlei den Schwerbetroffenen zukommen ließen. Wir haben Ihnen nur in ganz kurzen Umrissen unsere im aögelaufenen Jahre entfaltete Thätigkeit skizzirt, müssen es uns aber Verlagen, auf die Details und die sonstigen weitverzweigten Agenden einzugehen, da dies zu weit führen würde. Wir erlauben uns, Sie diesbezüglich auf die Ziffern unserer Eassagebahrung zu verweisen, welche unseren Bericht ergänzen. In dieser Beziehung lenken wir Ihre Aufmerksamkeit auf die großen Erfordernisse, welche die Abwicklung der im Vorjahre noch pendent gebliebenen Agenden der russischen Hilfsaction in Anspruch nahm. Nicht unerwähnt darf der nachahmungswürdige Eifer unserer Triester Filiale bleiben, an deren Spitze der für die Sache des Judenthums glühende, stets unermüdliche und selbstlose Obmann Herr Giacamo Zerkowitz steht, der uns weit über hundert Mitglieder zugeführt hat. Leider hat uns das abgelaufene Jahr um manche, recht, ,traurige, recht niederdrückende Erfahrung reicher gemacht. Was man in unserem, so vorgeschrittenen Zeitalter für ganz unmöglich gehalten, es war zur Wirklichkeit geworden. Wir haben in Tisza- Eßlar die schwärzesten mittelalterlichen Schatten wieder aufsteigen, die im Zeitenschooße längst begraben geglaubten, blinden Vorurtheile in häßlichster Gestalt wieder aufleben gesehen. In Tisza-Eßlar wurde dem Judenthume eine kaum zu sühnende Schmach angethan. Dasselbe Judenthum, dessen Lehre seinen Bekennern den tiefsten Abscheu gegen Blut einflößt, welche den Genuß selbst des Thierblutes verbietet, welche schon auf ihren ersten Seiten den Grundsatz aufstellt: ״Wer Menschenblut ver-.