Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 15 (5.5.1884)
- Date
- 1884-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichischungarische Pränuincrations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Vereines ohne Musik- Verlage viertelj. . fl. 1.— mit Musikbeil, viertelj. ff. 1.25 für Nichtmitglieder.in Oesterr.- Ung. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.25 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 für Abonnenten im AuSlande o. Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 mit Musikbsil. viertelj. fl. 1.75 Organ kür die Gesammt-Interessen jüdischer Cantnrm Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Jakob Warrev. tla citon und Administration Wi en, II., 9iovaragaffe 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. J Nr. 15 Wien, 5. Mai 1884. 4. Jahrgang. Nelwr ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XII. —^.dieser SteMunmöglich eine erMMende. Besprechung s ä mm tliche r Choreomp ositi onen Sulzer's geliefert, sondern nur aus der Vorführung einzelner auf den Werth aller hingewiesen werden, um hierdurch den Bedeutungsgrad festzüstellen, welcher denselben in der Entwickelung des Synagogengesanges zuerkannt werden müsse. Zu diesem Behufs bitten wir, noch einmal den Scbir Zion I Seite 16 aufschlagen zu wollen, um uns mit denjenigen Nummern, denen wir bereits unsere Aufmerksamkeit zugewendet, noch etwas länger zu beschäftigen. Der Plan, den Eisorori als Zwiegesang von Soli und Chor zu behandeln — desgleichen die geistvolle Anordnung des Stoffes bei der Stelle weniwneso ir al tilloh, wobei eine Stimme gleichsam anregend, die andere bestätigend auftritt — wie nicht minder die Bezeichnung des Halters auf 80 bei weniwneso iti dem Festhalten der Töne Fes, As und der darauf folgende Eintritt aller Stimmen gleichsam als Moment der Fertigstellung des Baues; — auch die Zerlegung des׳ Septaccordes bei uri, uri, wie die Fortschreitung nach einer höheren Tonstufe bei kewod adönoj im .Tenor sind, an und für sich betrachtet, allerdings nur unscheinbare Dinge — doch verrathen dieselb en sowohl die eingehendste Berücksichtigung aller Details — als auch die eminente Beherrschung aller musikalischen Ausdrucksmittel seitens des Componisten — noch mehr jedoch sein Bestreben, ein dichterisches Product — was der L'cbo dodi einmal ist — mit einer wahrheitsgetreuen Musikform zu verbinden. — Es sind dies kleine Sachen, in keuscher Abgeschlossenheit, und gerade deshalb fühlen wir uns verpflichtet, auf dieselben hinzuweisen, weil es von Seiten eines jugendlichen Componisten immerhin eines tieferen musikalischen Blickes bedarf, um beim Ueberwachen des Ganzen die Einzelnheiten nicht zu vernachlässigen. — Das Wiederausnehmen der Anfangsmelodie bei Boi w’scholom entspricht, wie bereits erwähnt, der damaligen Anschauung — allein, auch abgesehen hiervon, wäre das in diesem Falle nicht auffallend, da die Strophen likkeras schabbos und boi weschoiom keines- Wegs als inhaltsverschieden bezeichnet werden können. In der Verarbeitung der L’cho dodi-Melodie Nr. 2 auch für den L’cbo dodi Nr. 3 erblicken wir einen wirklich geistreichen Versuch Sulzer's, dem wir unsere volle Beachtung durchaus nicht vorenthalten dürfen — Sulzer stellt den Zuhörer vor ein Problem, indem er durch Verlegung einer bereits bekannten Melodie nach einer anderen Stimme, wie durch verschiedene Tacteintheilung und Mannigfaltigkeit der Harmonisirung mit etwas Bekanntem eine wesentlich andere Wirkung zu erzielen versucht und beweist hierdurch, dass man wohl dieselben Gestalten in einer anderen Gewandung hüllen, d. h. denselben Gedanken auch in eine andere Form zum Ausdruck bringen könne. Solchen und ähnlichen Erziehungsversuchen begegnen wir in den Arbeiten Sulzer's gar oft. — Man vergleiche die beiden Eingangs-L'cbo dodi Nr. 2 und 3 und man wird unserer Anschaumig gern beipstichten. — Dem ferneren, wirklich interessanten Aufbau der ganzen Nummer müssen wir schon deshalb unsere volle Aufmerksamkeit zuwenden, weil derselbe uns deutlich bekündet, dass der Componift mit seinen Musikbeftrebungen wirklich auf realem, wir möchten sagen, classischem Boden steht. — Es kann allerdings nicht bestritten werden, dass die Totalwirkung des Lobomor wesocbor-Chores Seite 19 eine ans Instrumentale streifende, ja beinahe marschartige sei, allein man berücksichtige auch die Entftehungsperiode solcher Compositionen, wo man Herzlichst bemüht sein mußte, der üblichen Weise nicht ganz und gar in's Gesicht zu schlagen, wollte man mit seinen Neformbestrebungen nur um einen Schritt vorwärts kommen —־ wo man, oft gegen seine Ueberzeugung, Rhythmus. Tacreinihe ilung und Tonfall gern in den Kauf nahm, um nur dem muftergiltigen Chorsatzc einen sicheren Geleit׳:brief zu verschaffen. Und der Chorsatz in 86bir Zion ist auch wirklich ein mustergiltiger; wiederum begegnen wir überall dem ängstlichsten Festhalten an Regel und Gesetz, naturgemäße wirkungsvolle Modulation, bequeme und melodiöse Stimmführung rc. und wenn dem kritischen Blicke hie und da die Auflösung eines zufälligen Erhöhungszeichens nach unten, wie von Bis nach F beim Basse bamm’juchod oder von E