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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-04-27 · Heft 14 (27.4.1884) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 14 (27.4.1884)
Date
1884-04-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 — sein! Blicken wir bin auf Abraham, der alle menschlichen j Tugenden in ficb vereinigte. Auck er opferr, ja ist zur größten Hingabe für Gott bereit, ein Menschenopfer darbringen zu wollen Schon zuckt er das Schlachtmesser, um das Kostbarste, das er bienieden sein nennt — sein geliebtes, einziges Kind zu opfern — da bört er die Engelsstimme in seiner Brust, die ihm zürnst: ,Abraham, schlachte nickl Deinen Sobn! verfalle nickt in den Irrwahn der anderen Völker, die da glauben, man tonne Gott durch vergossenes Meulckenblut versöhnen; nein, schlackte nicht Deinen Sohn, zeige der Welt, dass der Gott, den Du lehrest.' ein Gott der Liebe und des Erbarmens ist, der kein Gefallen hat an Menschenopfern; zeige, dass Du der Verkünder einer Religion bist, die wohl den Menschen lebrt, seine Gefühle, Neigungen und Begierden einem böheren Ideale zum Opfer zu bringen; dass es aber auch da eine gewisse Grenze gebe, die der Mensch, etwa erfüllt von religiöser Schwärmerei, nickt überschreiten dürfe! Unterweisen und Belehren ist der eigentliche, vornehmste Beruf des jüdischen Priesters, er darf ihm keine Sinecnre, kein Mittel zur beqnemlichcn, sinnlich-beschaulichen Lebensweise sein. Malkizedek, in der heiligen Schrift bereits als Priester mit ausgeprägtem Gottesdienste gekennzeichnet, brachte dem Abraham ,Brod und Wein", wozu unsere Alten sehr sinnreich bemerken: להם זה לחם הפנים - ויין אלו הנסכים. Ist es etwa das Materielle, was der Beruf des jüdischen Functionärs in sich fasst und begreift, ein Schlaraffenleben, wie es in üppiger Schwelgerei von den Priestern anderer Glaubensbekenntniße geführt wurde? Nein, das ist nicht die Aufgabe unserer, an der Spitze des Volkes .stehenden Weisen und Führer, nicht das das להם הפנים und nicht הנסכים ist hier gemeint, sondern, wie unsere alten Weisen so richtig bemerken: ,Er bot ihm das Lehren an'. Und hierin liegt auch der Weltberuf Israels, nämlich Weltvolkslehrer zu sein, zu zeigen durch den Lauf der Jahrtausende, wie nicht ölos ein Einzelner, sondern ein ganzes Volk zum Märtyrer seines Glaubens werden kann. So belehrend kann nur ein Volk wirken, das, obwohl seiner H eimat entrissen, seinem Herde entfremdet, seinem Vaterlande den Rücken wendend, dennoch muthvoll hinauslrilr in Gottes große, weite Welt, mit dem Schake des Glaubens in seinen Händen, sich überall heimisch fühlt; auch das neue Vaterland, selbst, wenn es von demselben stiefmütterlich behandelt wird, liebt, also den Spruch der heiligen Schrift bewährend, ,")jedes Stück Erde, welches Du in Deiner neuen Heimat Dein nennst, auf welchem Du Deinen müde gehetzten Leib zur Ruhe neigst, gehört auch Dir und Deinen Nachkommen-, dort dringt auch Deine wclrbezwiugcnde Lehre durch und verbreitet ihren Segen- Ja, so vererbte sich die göttliche Mission unseres Volkes von Generation auf Generation, so lange es nämlich der Tugenden ihrer großen Ahnen eingedenk war; jener drei Männer, welche die Gründprincipien unserer erhabenen Lehre: Thora, Awoda und Gemilath Chasoclim, repräsentiren. — Abraham, der hingebende Menschenfreund הסד לאכההם; Jsak, das herrlichste Symbol gottesdienstlicher Verehrung .פחד יצהר und Jakob, der eifrigste Psteger der Thora יושב אוהלים♦ ®im ou *Diamant, Oberlehrer in Austerlitz. 5) רבנן אמרו תורה גלה לו שני לכו לחמו בלחמי ושהו יי מסכתי. 6) הארץ אשר אתה שוכב עליה׳ לך אתננה ולזרעך. Vom Läufer und Triller- (Fortsetzung.) Manche Sänger, welche keine vollkommene Ausbildung des Organismus haben, suchen bei Läufern mit steigender und fallender Bewegung der Schwerfälligkeit desselben im Aufwärtssteigen durch das erwähnte Gavalotta-Singen zu Hilfe zu kommen, und ein guter Lehrer, welcher nickt dergleichen Sänger bilden will, muß bei den Läufer-Studien darauf achten, daß die Schüler kein II hineinbringen, wodurch die Colorarur den Charakter eines schlecht ausgeführten Staccato erhält. Sobald die gegebenen Läufer-Studien fehlerfrei von den Schülern gesungen werden, müssen auch die chromatischen Scalen fleißig geübt werden, wobei jedoch von der langsamen zur schnelleren Bewegung nur mit größter Behutsamkeit vorzugehen ist. Das staeeatv gehört nur für die höchsten Sopran- Stimmen und besteht darin, dass jeder Ton mit einem besonderem Atbemstoße gegeben wird, her aber äußerst gemäßigt sein muss. Ein besonderes Studium erfordern auch die Sprünge über mehrere Intervalle hinter einander, welche hier am füglichsten Erwähnung finden. Wie bei allen Gesangsübungcn, so müssen auch hierbei die Regeln über die äußere Haltung, und zwar ganz besonders beobachtet werden. Mann kann Sprünge nur dann richtig ausführen lernen, wenn man vom Leichten zum Schweren allmälig übergeht, und demzufolge darf eine beschleunigte Bewcgung des Tactes nur dann genommen werden, wenn der Schüler im langsamen Tempo jeden Ton mit größter Sicherheit trifft. Es hat mit jeder Kehlfertigkeit des Lrängers ungefähr dieselbe Bewandtnis, wie mit der Fingerfertigkeit eines guten Pianisten. Dieser übt auch die verschiedenen Schwierigkeiten in unveränderter Haltung, mit systematischem Fingersatz und langsamem Zeitmaß, bis ihm Alles, so zu sagen, zur zweiten Natur geworden und' er vor jedem Fehlgriff sicher ist. Besondere und große Schwierigkeiten hat das Springen über die Intervalle der Molltonarten. Der Triller ist eine so wirkungsreiche, aber auch so schwierige Gesangvcrzierung, dass man ehedem jeden Sänger, der feiner nicht vollkommen mächtig gewesen wäre, für einen Dilettanten erklärt haben würde. Seit längerer Zeit ist man aber von dieser Meinung so weit abgekommen, dass jetzt, gerade umgekehrt, ein Sänger, der einen guten Triller hat, zu den höchst seltenen Erscheinungen gehört. Viele halten ihn geradezu für durchaus überflüssig, ja schon Manfredini und Benelli erklären ihn für entbehrlich; jedoch war Manfredini gar kein bedeutender Sänger, sondern nur ein Professor der Musik, Benclli aber hatte einen schlechten Triller, indem er dabei heftig den Mund bewegte (was die Italiener mangiar le uve, Weintrauben kauen, nennen). Solche Autoritäten können aber in Dingen, wo es sich um eine dreihundertjährige Geschichte der großen Gesangkunst einer Nation^ wie die Italiener, handelt, nicht entscheiden. Ueberhaupt entfernt man sich, da der reine Begriff von der Gesangkunst verschwunden und Verwirrung an feine Stelle ge. treten ist. durch schiefe Reflexionen immer mehr vom rechten Wege. In der alten Schule waren Tonbildung und Coloratur unzertrennlich. Der Sänger besaß die Fähigkeit, die Herzen zu erschüttern, und zwar durch die unumschränkte Herrschaft, die er über eine große Tonmasse ausübte; auf der andern Seite entging ihm aber auch die Fähigkeit nicht, durch große B eweglichkeit 7 ל;;■-,־׳ •י־ n;

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