Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 13 (19.4.1884)
- Date
- 1884-04-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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S ־־־ Euer Wohlgeboren! Herr Cantor! Das Jubiläum ihrcS 25jährigcn Amtsdieustes in der hiesigen Gemeinde, welches Sie morgen, am ersten Tage des Pessachfestes begehen, bietet auch dem Vorstande der Chewra-Kadisclia, in deren Dienste Sie ebensolange stehen, und deren würdiges und verdienstvolles Mitglied Sie zugleich sind, die passende Gelegenheit, Ihnen aus diesem Anlasse seine Gratulation abzustatten und seine Zufriedenheit und Anerkennung zum Ansdrucke zu bringen. Euer Wohlgeboren haben sich in diesem langen Zeiträume nicht nur durch strenge Pflichterfüllung gegenüber diesem Vereine, sondern vielmehr noch als Mitglied desselben, durch Personliche Leistung und Bethciligung, wo es galt, Armen zu helfen, nothleidende Mitbürger zu unterstützen, durch einen besonders wohlthätigen und menschenfreundlichen Sinn ausgezeichnet und verdient gemacht. Möge Sie daher diese würdige Anerkennung seitens des Vereinsvorstandcs im Namen der sämmtlichen Mitglieder mit dem angenehmen Bewußtsein erfüllen, und möge es Ihnen vom himmlischen Vater vergönnt sein, sich in Ausübung ihres würdigen Standes und Berufes noch eine lange Reihe von Jahren einer ungestörten Gesundheit und einer vollkommensten Lebensfrische zu erfreuen!' Herr Obercantor Löw war über diese Zeichen der Anererkennuug gerührt und kaum im Stande, seinen Worten des Dankes Len rechten Ausdruck zu verleihen. Hierauf wurde der Jubilar vom Gemeindevorstande in den Tempel zum Nu88ak- Gottesdienste begleitet und beim Eintritte von dem Chore unter Leitung des Herrn K. Brunner mit dem Festspruche: ברוך הבא בשם ה' und mit der Festbymue: ,Lobt den Herrn!' begrüßt. Der Gesang machte auf den Begrüßten und die zahlreichen Andächtigen einen sehr angenehmen Eindruck. Beim Vorlcsen aus der Thora wurde von Herrn K. Brunner über ihn ein auf das Bezug habender מי שברך gesprochen, worauf der Jubilar einen Segensspruch aus die Gemeinde, auf den Altmeister Sulzcr, sowie auf den früheren Vorsteher der diesigen Cultusgemeinde, Herrn M. L. Baruch, Vorstandsmitglied der isr. Allianz in Wien, rccitirtc. Im Laufe des Nachmittages wurden dem gefeierten Manne von vielen Seiten, theils mündlich, rbeils schriftlich Gratulationen dargebracht. Außer vielen jüdischen und christlichen Bürgern der Stadt seien besonders der Landesgerichisrath Zelinka, welcher unter Thränen dem Jubilar gratulirte, sowie der Bezirksarzt Dr. Ed. Hesky erwähnt. So schloß die einfache, aber würdige Feier und binterläßt in dem Herzen des Jubilars sehr angenehme Empsindungen. Möge es ihm vergönnt sein, nock weiter in voller Gesundheit im Dienste des Herrn zu wirken! 6-. 6. IreöiLsch, 3. April 1884. (Orig.-Corresp). Das Leichenbegängnis des unvergeßlichen Collegen Simon Beer, über dessen Hinscheiden wir in Nr. 12 der Cantoren-Zeitung berichtet haben, fand Dienstag am 1. April um 4 Uhr Nachmittags unter zahlreicher Betheiliguug in der feierlichsten Weise statt. Die Lrauergäftc versammelten sich lehr zahlreich zur festgesetzten Stunde vor dem Trauerhause. Der Tempelchor, unter Leitung des Cantors, Herrn Josef Fischer, stimmte nun an der Bahre das Schiwisi au, worauf Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Pollak die Gedächtnißrede hielt. Anknüpfend an die Verse 11 und 12 des II. Capitels des hohen Liedes, rief er schmerzbewegt aus: ,Wohl ist der Frühling wiedergekehrt, die Zeit des Sanges gekommen, aber ach! Unser Sangesmeister ist dahin gegangen, von wo keine Wiederkehr, verstummt auf ewig ist der Wohllaut seines Mundes!׳ Er schilderte hierauf den Verklärten als pflichteifrigen Cantor, der durch seinen volltönenden, verständnisinnigen Vortrag seine Zuhörer erbaute, als edlen Menschen und treuen- Familienvater. Sodann executirte der Männergesangverein einen ergreisenden Trauerchor, der Sarg wurde gehoben und der Zug setzte sich in folgender Ordnung in Bewegung. Voran schritt die Schuljugend mit dem gesammten Lehrkörper, dann folgte der״ Gesangsvereiu, der Tempelchor, der Vorstand der Chewra-Kadischa, der Rabbiner; nun folgte die Bahre, hinter welcher die- Leidtragenden der Gemeinde und der Cultusvorstand und die große Schaar der sonstigen Theilnehmer das letzte Geleite gaben. Aus Anordnung des Gemeindevorstandes waren an allen Gemeinde- Häusern, die der Zug passirte, große Trauerfahnen aufgehisst. Bei dem Grabe angelangt, stimmte der Gesangverein ein,, zu tiefster Wehmuth stimmendes Abschiedslied au, der Sarg wurde hiuabgeseukt, dumpf kollerten die Erdschollen auf denselben, ein frischer Grabeshügel bezeichnet die Stätte, an der die Gedeine eines!heueren Collegen ruhen. Möge ihm die Erde leicht sein, er ruhe sanft! Wir ׳ erfüllen gern die Bitte der Hinterbliebenen Witwe und Kinder des Dahingeschiedenen, an dieser Stelle in deren Namen den tiefgefühltesten Dank für die zahlreiche Betheiligung, an dem Leichenbegängnisse auszusprechen und gleichzeitig der liebevollen, verständigen und sehr schonenden Behandlung zu gedenken, die der hiesige Gemeindearzt, Herr Med. u. Chir. Dr. S. Swuschny dem Verklärten während seiner mehrjährigen Krankheit zu Theil werden ließ. Der Name dieses edlen Menschenfreundes verdient in den Annalen der Geschichte der hiesigen Cultusgemeinde mit goldenen Lettern verzeichnet zu werden; denn er besitzt nicht nur eine von den höchsten Autoritäten anerkannte Thätigkeit im medicinischen Fache, die im Allgemeinen den Kranken zu Gute kömmt, sondern er kann auch ein Vater der armen und nothleidenden Kranken genannt werden. Möge er in dem Bewußtsein heilbringender Thätigkeit und cdlen Wohlthuns den Lohn sinden für sein aufopferndes Bemühen. Wien. (Vierzig Jahre Dienstzeit.) Im September 1884 vollendet unser verehrter Vereinscassier, College Herr Cantor A. Fische r, sein vierzigstes Dienstjahr bei der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. Wohl ist es nicht der Zweck der folgenden Zeilen, die ganze Geschichte dieses Lebens voll emsiger Arbeit, reicher Erfahrungen, mit dürftigen Worten wiederzugeben und die reichen Vorzüge, mit denen der Jubilar von der Vorsehung begnadet wurde, vorzuzählen. Was Fischer gewirkt, wie er gewirkt,, mit welch' rastlosem Eifer er heute noch den mühevollen Berufspflichten entspricht, das zu bezeichnen, müssen wir einer besseren Feder, einer berufeneren Seite überlassen. Was Fischer , ferner während der so langen Dienstzeit für seine Collegen gethan,. wie ihm keine Mühe zu schwer, kein Opfer zu groß war, wenn es galt Noth zu lindern, Sinkenden thatkräftig unter die Arme zu greisen, auch das müssen wir übergehen, denn er that es aus' ganzem und gutem Herzen, ohne einen Dank zu beanspruchen. Eines aber darf nicht übergangen werden, das ist seine Thätigkeit für den Cantoren-Verein. Ein berühmter deutscher Dichter sagt von gewissen Potentaten, sie hätten schon sehr viel Gutes gethan, wenn man ihnen nur nichts Schlechtes nachsagen kann. Auch die Cantorenwelt könnte wenigstens, was das Nichtsthun für dieselbe betrifft, ein trauriges Lied singen. Umsomehr, fällt es in die Wagschale, wenn ein Mann, im Dienste ergraut, von Berufspslichteu erdrückt, seine kargen, freien Stunden zur Förderung eines gemeinnützigen Zieles, wie cs die Interessen des׳