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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-04-19 · Heft 13 (19.4.1884) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 13 (19.4.1884)
Date
1884-04-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — auch ohne anderweitige Anregung, ganz andere Motive und Veranlassungen voraus zu setzen, als man von gegnerischer Seite vorauszusetzen gewillt ist; allein um dem Neckten auch sein Recht zu wahren und anderseits allen belheiligten Kreisen nachzuweisen, dass ein, in des Wortes edelster Bedeutung, hochverdienter Mann vor dem zersetzenden Einfluß des Neides und der Verkleinernngsiucht nickt sicher ist, sei es uns verstattet, an der Hand vorzusührender Thatsachen Alles das unverhüllt vorznführen und zu beleuchten, was gegen den Setiir Zion, resp. seinen eigentlichen Schöpfer, in unberechtigter Weise vorgebracht wurde. — Wir haben in unseren letzten drei Aufsätzen durch genaues Vorführer! einzelner Nummern der von den Mitarbeitern beim 861111׳ Zion gelieferten Beiträge und eingehendster Besprechung des Baues, wie des WerthcS dieser Compositionen nächgewiesen, dass die Aufnahme derselben nur in einem verschwindend geringen Verbältniße ein die Sacke förderndes Moment in sich j schließt und deshalb an maßgebender Stelle mit Erfolg den Gedanken angeregt, dass es, mit Rücksicht auf die hohe Wichtigkeit des Gegenstandes überaus nöthig wäre, bei einer etwaigen Wiederherausgabe dcS ׳861111׳ Zion I|eitle nichtsulzerischen Piecen aus demselben zu entfernen und dieselben durch andere, dem Zwecke mehr entsprechende Compositionen zu ersetzen. Mit der Ausführung dieses Planes, welches, so Gott will, bald möglichst geschehen soll, fällt der Vorwurf, die Gesänge im 861111׳ Zion I stammen nicht von Snlzer, von selbst hinweg, und fühlen wir uns nach dieser Richtung jeder ferneren Erörterung überhoben. Nehmen wir nun an, die nichtsulzerischen Gesäuge seien bereits aus dem 861111׳ Zion I.entfernt, so verlöre der 861m׳ Zion — dcm gegnerischen Aussprüche gemäß — vollständig seinen Werth. Es ist nun unsere Aufgabe, nach den Ursachen dieser beispiellos kühnen Erklärung zu forschen, allein so sehr wir uns auch bemühen, wir konnten nirgends einen Anhaltspunkt, nirgends einen Kommentar für diese Erklärung aufsinden, sondern begegneten Nachel Felix war. Etwas leichtlebig, robust im ersten Anprall, aber doch gemüthvoll und edel angelegt. Ja, er machte es sich einst zur Aufgabe, den in Klagenfnrt im Kerker schmachtenden Feind seines seligen Vaters zu befreien, was ihm auch unter großer Anstrengung gelang. Sulzers äußere Erscheinung, sowie sein sympathisches Sprachorgan war stets jedem Unbefangenen auffallend und anziehend. Wie Sulzer ein unvergleichlicher Schubert-Sänger war, ebenso bedeutend, stylvoll und musikalisch war sein Vortrag als Cantor, Seine Phantasie, seine augenblickliche Inspiration schuf die herrlichsten Necitative, allen Schmer;, allen Dank, alle Freude seines Volkes zum Ausdruck bringend. Sein כפור öT, sein ט' באב, seine ehemaligen Friedhoffunctionen sind unerreichbar. Die Mannigfaltigkeit seines Vortrages, seine Erfindungsgabe rc. tritt besonders hervor, wenn ich den Ausspruch seines seligen Schwagers, des hochschätzbaren Carl Frankel, hier zitire. Er sagte einst zu mir: »lieber 30 Jahre bin ich jetzt an der Seite Sulzers, und so oft er singt, habe ich das Gefühl, als würde ich ihn zum erstenmal oder einen Andern hören/ Snlzer war der Regenerator des modernen jüdischen Cantorats, und hat dieses unleugbar zu dem ihm gebührenden Ansehen gebracht. Seine Compositionen 861111׳ Zion I und II, seine Ducloim, Psalmen, Lieder, Requien u. dgl., die ihm mehr als 50.000 fl. eintrugen, sind in der ganzen Welt verbreitet und haben überall volle Würdigung gefunden. In allen israelitischen Tempeln erklangen die herrlichen Weisen Sulzers. Interessant sind die ihm zu Theil gewordenen Aus allüberall blos ver bullten oder unverhohlen ausgesprochenem jedweder Begründung baren Vorwürfen und Angriffen und׳ sehen uns demnach zu der — wir müffen dies erklären — den hohen Verdiensten eines Sulzer gegenüber wirklich ungeziemenden Arbeit veranlasst, die Compositionen Sulzer's u. z. absichtlichseine allerersten, kritisch zu beachten. (Fortsetzung folgt.) Dom Lauter und Triller. Der Läufer ist eine der wirkungsreichsten Verzierungen*)׳ des Gesanges und bestehr darin, dass mebr oder weniger Noten,, in fallender oder steigender Reihe, mir größerer oder geringerer Schnelligkeit und. ohne ein anders als ein Secunden-Jntervall zu bilden, hintereinander gesungen werden. Diese Töne, welche den Läufer ausmachen, müssen in der j Kehle zugleich gebunden und abgcstoßen werden, so dass sie einer wie der andere rund, klar, voll und deutlich sind, oder,. Perlen vergleichbar, hervorrollen **)• Der Läufer kann nur durch strenge Beobachtung folgender Regeln erlernt werden. Die Vorschriften über die äußere Haltung des Körpers beim Singen sind nirgends von größerer Wichtigkeit als beim- *)Das Wort ,Verzierung" hat einen doppelten Begriff. Es gibt st-hende Verzierungen, die nicht erst von dem Sänger e riunben zu werden brauchen,, also auch nicht von seinem Geschmacks in der Ansführung abhängen;. solche sind: Läuter, Triller, Mordent, Schleifer, Tirade, Schneller, Vorschlag, Nachschlag. Verzierung im zweite» Sinne des Wortes, heißt aber auch jede Ausschmückung einer Melodie, die der Sänger nach seine», Ermessen anbringt. Diese zweite Art von Verzierungen nennt man im Deutschen, zum Unterschiede von jener, auch Manieren. **) Es müpen eigentlich alle Noten einer musikalischen Figur, welche auf einem Vocale zu singen und nicht geradezu ^abzustoßen find, wie z. Bbeim Lt^ecnto, und die pnnktirten in einem gewißen Grade gebunden werden,, wenn sie einen melodischen Reiz Hervorbringen sollen Wir sagen: in einem gewissen Grade, nämlich so, dass weder das Binden, noch das Abstoßen vorherrscht, sondern jedes gleichmäßig vorhanden ist. Hingegen ist beim Legato das Abstoßen, beim Ltaceato das Binden gänzlich ausgeschlossen. Zeichnungen: Er wurde Ehrenbürger der Stadt Wien, Ritter des- Franz Josef Ordens, Inhaber der k. k. großen goldenen Gelehrten-- Medaille für Kunst und Wiffenschast von Oesterreich und der kaiserlichrussischen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft. Er erhielt Brillcnitringe vom Kaiser Ferdinand und vom Großherzog von Baden. Er wurde ferner Officier des kaiserl. vttom. Medschidje-Ordens und- Ehrenmitglied vieler Gesellschaften und Corporationen. Auch erhielt Sulzer eine große goldene Medaille von den Cantoren Amerika's undüber 30 Becher von israelitischen Gemeinden. Von seinen Verehrern in Paris erhielt Sulzer, Beer's Prachtstatue ״Moses". Sulzer hatte 16 Kinder, worunter 10 Töchter, die alle glücklich versorgt. Auch sie betraten größtentheils die Künftletlailfbahn und׳ sind sämmtlich von künsterischem Geiste beseelt. Vor 3 Jahren nahm unser Jubilar Abschied von feinem Amte und feiner Gemeinde, in welcher er 56 Jahre fungirt hatte. Die ,Nene freie Presse" schrieb hierüber: ״Es war eine Art Familienfest, das die Gemeinde mit ihrem Cantor, der .auch außerhalb seiner Glaubensgenossen als genialer- Künstler bekannt ist. feierte. Vom Bethaus-Vorstande an feinen Sitz geleitet, der mit Blumen geschmückt und über den ein damastenerrother Baldachin gespannt war, horte Sulzer das Morgengebet an und wurde dann vor die Thorah gerufen, wo man über ihn einen vom Prediger eigens verfassten Segen sprach, während die ganze Gemeinde sich von ihren Sitzen erhob. Hierauf folgte eine Rede von Dr. Adolf Jellinek, der die auf dem Gebiete des Synagogen-Gefanges epochemachende Wirksamkeit des greifen Sängers schilderte. Während

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