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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-04-19 · Heft 13 (19.4.1884) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 13 (19.4.1884)
Date
1884-04-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Ec ist daher auch irrtbümlich, wenn man staatliche Auer- Leimung mit destnitiver Anstellung verwechselt, sicher ist cs aber, dass die letztere durch die erstere gefördert wird. Diese und noch viele/ wenn auch minder wichtige Fragen harren einer günstigen Lösung. Es lässt sich aber, dies müssen wir ausdrücklich bemerken, nichts über das Knie brechen und die Kraft des Einzelnen genügt nicht, um solche Fragen zu lösen, es ist vielmehr dringend deboteu, dass Jedermann mit Hand -au! ege. Vor allem müssen wir diese Bitte an die Leitung unseres Vereines richten, welche schon oft bewiesen hat, dass sie am rechten Orte die rechte Energie zu entwickeln weih. Aber auch non den Collegcn, welche der Zweigniederlassung in Böhmen norstehen, erwarten wir, dass sie gerade bei diesen Fragen die -Exislenzbercchiigung von Zweigniederlassungen durch die That beweisen und dem Vorstande des Vereines, wo sie cs nur können, zur Seite stehen werden. Möge also der Frühling, der seine Wunder in Flur und Wald vor den staunenden Augen der Menschen entfaltet, auch den Interessen unseres Vereinas zu Gute kommen, indem er die feit Kurzem eingeschlummerte Thaikraft wieder zu neuem Leben erweckt l Arber ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. X. Um der großen Bedeutung Sulzers als Sänger von Gottes -Gnaden auch an dieser Stelle Ausdruck zu verleihen, wollen wir wou den vielen, gerade rührenden Kundgebungen der Anerkennung und Werlhschätzuug nur die Thatsacheu erwäbnen, dass der Wiener Männergesaugverein im Jahresberichte 1874 erklärt: ,Sulzer ^»alomon sulzer von M. Rofenhaupt in Nürnberg. (Schluss.) In jener Epoche wurde Sulzer an d.׳n kaiserlichen Hof berufen und sang in den Appartements der Erzherzogin Sophie. Letztere wollte Sulzer zum Hofcapellensänger ernennen lassen, was dieser ausschlng. Er blieb seinem Cantorate treu und nahm lieber den Titel Ober- Eantor entgegen. Fürst Metternich nahm Sulzer häufig zu seinen Jagden mit, worüber der Vorstand bittere Gesichter schnitt und dem Eantor seinen Unmuth kundgab. Kam nun der Componist Hackel mit einer Ein׳ ladung Sr. Durchlaucht, so lehnte es Sulzer ab, ,weil es ihm der Vorstand verboten habe". Der Fürst-Kanzler gab sich jedoch hiermit nicht zufrieden, er schickte regelmäßig zu Präses Biedermann, der gute Miene zum bösen Spiele machte, und dann natürlich seine Einwiüigung nicht vorenthalten konnte. Als Kaiser Ferdinand erfuhr, daß S. sich ganz besonders in der Synagoge in seinem wahren Elemente zeige, entschloß er sich, dem Freitag-Abend-Gottesdienste im jüdischen Tempel beizuwohnen. Der Vorstand, hiervon in Kenntnis gesetzt, ließ in fieberhafter Erregung die Vvrstandsloge mit Sammt verzieren. Der Kaiser kam und hörte Sulzer mit fichtbarcm Vergnügen bis zum Schluss des Gottesdienstes, worüber sich selbstredend die ganze österreichische Judenschaft hochgeehrt fühlte. Eine andere Episode aus Sulzers Glanzepoche ist folgende: Er ging einst auf der Burgbastei spazieren, woselbst ec dem kunsthabe die Schuberl'schen Lieder, lange bevor sie bekannt waren, populär gemacht, und dass Franz Lachner vor dem Jahre 1834 die Titelpartie seines Oratoriums ,Moses' für den jugendlichen Sulzer schrieb'. Wenngleich wir nun, angesichts dieser Thatfachen, uns der Änschaunng nicht verschließen dürfen, dass Sulzers eminente gesangliche Begabung allerdings dis allererste Veranlassnng für all seine späteren Bestrebungen gewesen sein mag, so erscheint es uns dennoch keineswegs zutreffend, die Summen der Sulz er'scheu Erfolge lediglich seiner Gesangstüchrigkeit znzuschreiben und hierbei seine componistischen und organisatorischen Fähigkeiten gänzlich außer Acht zu lassen. ES har wohl schon bedeutendere Sänger, ja sogar in kunsttechnischer Beziehung bsdeutendere Chasanim gegeben, wo hätte die Geschichte es aber jemals verzeichnen können, dass ein Sänger oder gar ein Chasan auf die Cultnsentwickelung einer Nation, auf die Richtung eines Knnstzweiges einen ähnlichen Einfluß genommen und hiedurch einen so durchgreifenden Erfolg aufznweisen hätte, wie es bei Sulzer der Fall ist? Einem Sänger kann blos die bedeutende oder minder bedeutende Ausführung oder Vertretung einer Gesangspiece zugeschrieben und die etwaigen Errungenschaften können nur durch directe, d. h. persönlich empfangene Eindrücke benrtheilt werden; wie wäre nun die Verehrung und Würdigung der Sulzer'scheu Thätigkcit auch bei denen zu erklären, dis ihn niemals gesehen, nie zu bören Gelegenheit batten? Sollte es denn wirklich möglich sein, dass ein Mann, der alle Glieder einer Berufszenossenschaft aus der Sklaverei (משעבוד) zur Freiheit, aus Finsternis ans Helle Tageslicht, aus gedrückter Lebenslage in die Gemeinschaft glücklicher Menschen geführt; ein Mann, welcher im Synagogengesange Errungenschaften aufznweisen hat, die in der Geschichte des Judenthums mit goldenen Lettern verzeichnet werden müssen, dass dieser Mann all' die sattsam bekannten Erfolge lediglich dem Zauber seines allerdings seltenen Gesangstalentcs zu verdanken hätte? Jedem Unbefangenen wird es ein Leichtes sein, sinnigen Adjutanten des Kaisers Ferdinand begegnete. Dieser lud ihn zur Besichtigung einer vor wenigen Tagen erhaltenen seltenen Sanuvlung ein. Sulzers Einwand, ״er sei nicht salonfähig gekleidet", half nichts; er mußte mit. Nachdem er fragliche Sammlung gesehen, richtet man das Ersuchen an ihn, ein Schubert'sches Lied zu singen. Er ging ans Klavier und sang so herrlich als je, während sich die Thüren öffneten und die beiden Erzherzoge, worunter der Erzherzog Franz Josef, der jetzige Kaiser (welche diese Machination wahrscheinlich iuseenirten), hereintraten und dem Künstler ihren begeisterten Beifall spendeten. Bei Sulzers feurigem Naturell konnte die Bewegung im Jahre 1848 nicht spurlos an ihm vorüber gehen. Er schloß sich derselben an und brachte seine Gesinnungen öffentlich, doch zumeist in dem Gesangvereine, dem er als Chormeister Vorstand, zum Ausdrucke. Als die Opfer ndes 13. März und Spitzer, der Jsraelite, als erstes derselben, gefallen waren, begleitete Sulzer in demonstrativer Weise im vollen Ornate die gefallenenen Freiheitskämpfer zum Schmelzer katholischen Friedhofe, woselbst sein Trauerchor, von seinem Schwager C. Fränkel dirigirt, durch erhebenden Gesang die Feierlichkeit wesentlich erhöhte. Im Volksgarten in der k. k. Burg wurde Sulzers Tiroler Freiheitslied von circa 1000 Sängern vorgetragen. Die Popularität dieses Liedes wie auch SulzerS sonstige Theilnahme an der Bewegung brachten später Sulzer in Untersuchung. Seine Persönlichkeit war indess dermaßen beliebt, dass man die ganze -Anklage fallen ließ und Alles vergass. Sulzer hatte stets ein Herz für die leidende Menschheit, eine echte Künstlernatur, wie es seine Verwandtin, die berühmte Tragödin

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