Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 13 (19.4.1884)
- Date
- 1884-04-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis für Mitglieder des ö.»u. Cantoren-Äereines ohne Musikbeilage viertelj. . st. 1.— mit Musikbeil, viertelj. st. 1.25 für Nichtmitglieder in Oesterr.- Ung. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.25 mit Musikbeil. viertelj. fl. 1.50 für Abonnenten im Auslande o. Musikbeil, viertelj. fl- 1.50 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.75 Organ die GeZllmmt-IuteresZm jüdischer OMnrru. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Odercantor IcrAob Wauev. ^edacftan Administration Wien, J II., stlovaragasfe 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 13 Wien, 19. April 1884. 4. Jahrgang. Wien, am 18. April 1884. Die Macht des Winters ist gebrochen, die lauen Früblingslüfte verscheuchen die Schneedecke und locken Pflanzen und Thiere aus ihrem Verstecke bervor, und bald erschallen der Vögel Chöre aus den grünenden Wäldern und Gärten wieder. Vom Banne erlöst athmet auch des Menschen Brust freier, kräftiger pulsirt das Blut, in seinen Adern, Freude und Hoffnung, die ihn vielleicht schon zu verlassen drohten,.ziehen wieder bei ihm ein, um ihm vom Neuen die Kraft und Ausdauer, der er im Leben so sehr bedarf, soll er nicht den Widerwärtigkeiten desselben erliegen und mnthlos die Waffen strecken, zu verleihen. Und Pessach, das liebliche Fest, das an der Wende zwischen Winter und Frühling steht, mit dem einen Antlitz gleichsam dem Schnee und Eise zugewandt und so an die Knechtschaft erinnernd, mit dem andern dem Blüthenschmuck und Vogelfang zulächelnd und dadurch den Preis der Freiheit zucrkennend, ist vorübergeranscht. Allmälig verstummt das laute Hallelujah, das v on Tausender Lippen zum Throne des Allmächtigen emporgeschallt, die Festesstimmung macht der Frühlingsstimmung Platz und ruft die Menschen wieder zur rastlosen Thätigkeit, zum Schaffen und Wirken. Und diese Stimmung wird, so hoffen wir, nicht 11ur bei jedem einzelnen unserer College», sie wird auch bei unserem Vereine und der Leitung desselben Platz greifen./ Dass dieses überaus wünfchenswerth ist, wird wohl von Niemandem in Abrede gestellt werden; kann es doch nicht geleugnet werden, dass seit einiger, wenn auch kurzer, Zeit unser Verein von einem gelinden Winterschlafe befallen ist. Die Schuld mag wohl keinem Einzelnen zuzuschreiben sein, sie kann vielmehr auf ganz natürlichem Wege erklärt werden. Aber constatiren müssen wir die Thatsache, dass in dem freudigen Schaffensdrang der frohen Arbeit eine Pause eingetreten ist. Dem Mangel an Arbeit ist dies wahrlich nicht zuzuschreiben; bieten doch unsere Verhältniße, bietet doch unser Verein noch tausendfältige Gelegenheit, kräftige Energie zu entfalten, mit rastlosem Eifer nach vorwärts zu streben. Wenn wir nun einen Blick in das Heftchen werfen, das mit ,Statuten des österr.-ungar. Cantoren - Vereines* überschrieben ist, so drängen sich uns Aufgaben in Hülle und Fülle entgegen, so werfen sich zahlreiche Fragen, die ihrer Lösung harren, auf. In erster Reihe flehen die Statuten selbst, die im Sturm und Drang entstanden sind und den Stempel ibres Entstehens an sich tragen, nach einer gründlichen Revision, die sich wohl nicht lange mehr wird hinausschieben lassen. Sodann stehen wir vor der Hauptaufgabe unseres Vereines, der Gründung einer Pensionscaffa als einer unerledigten Angelegenheit. Bisher ist wohl in dieser Richtung blos im Vereinsftatnte und in den Spalten der ,Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung* einige Anregung gegeben worden, darüber hinaus ist man nicht gegangen, was zwar leicht erklärlich, aber im Interesse der Sache zu bedauern ist. Eine von uns schon im verflossenen Jahre an die geehrten Collegen ergangene Aufforderung, minder wichtige Fragen bei Seite zu lassen und lieber die Aufmerksamkeit der Errichtung einer Pensionscassa für Witwen und Waisen sowie für berufsunfähige Cantoren zuzuwenden, ist leider bis jetzt unbeachtet geblieben. Wir müssen dies daher noch einmal wieder״ holen und hoffen, dass dieselbe von größerem Erfolge begleitet sein wird, und dadurch wünscheuswerthes Material, das zur Lösung der Frage unumgänglich nöthig ist, herbeigeschafft werden wird. — Eine nicht minder wichtige Frage, deren Austragung § 4, lit. d der Statuten als Programmpunkt aufgestellt hat, ist die Anstrebung staatlicher Anerkennung der jüdischen Cantoren. Es wird sich wohl in der nächsten Session des Neichsrathes Gelegenheit bieten, an die hohe Negierung und die beiden Häuser mit einer diesfätligen Petition heranzutreten, damit endlich das Wanderleben des Cantors ein Ende erreiche und seine Gleichberechtigung mit den Herren Rabbinern anerkannt werde. Wir müssen hier betonen, dass die Auffassung über die staatliche Anerkennung, wie sie sich in Cantorenkreisen bemerkbar macht, eine grundfalsche ist. Mit der staatlichen Anerkennung ist keines- Wegs etwa eine staatliche Besoldung verbunden. Es werden vielmehr die Cantoren zu öffentlichen Beamten, während sie bis jetzt nur Privatbeamte sind und dadurch hinter den Rabbinern weit zurückftehen, und dies sogar in denjenigen Gemeinden, in welchen der Cantor desinitiv angestellt ist. 1