Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 11 (26.3.1884)
- Date
- 1884-03-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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dern die beste Gesangschule kann nur folgende allgemein giltige Grundsätze bieten: 1. Man wende das Portament nickt zu bäufig an, weil dadurch der Gesang zu weich und schleppend wird. 2. Man wende es nickt zu selten an, weil sonst der Vortrag steck und ausdrucklos bleibt. 3. Der böckste Grad der Freude, der sich durch ein gewaltsames Äufjaucbzen kundgibt, schließt das Portament gewöbnlich aus, weil die Freude, wie in der äußeren Erscheinung, so auch im Gesänge hüpfend ist. Doch lassen sich auck Fälle denken, wo von diesem Grundsätze mit gutem Erfolge abgewichen werden kann. 4. Die tiefste Rübrung, die an Zerknirschung grenzt und sich durch leisen, bebenden Ton verkündet, verlangt besonders einen gewählten Gebrauch des Portamento, wie vorhin bemerkt ward. — 5. Zärtliche und traurige Gefühle bedingen die Anwendung desselben am meisten. 6. Je rascher das Tempo ist, desto weniger bedingt es die Anwendung des Portamento. se langsamer, desto mehr, und deshalb das Cantabile am meisten. 7. Bei Noten, deren erste punklirt ist, darf es nur alcdann ausgeführt werden, wenn die punklirte Note die zweite an Zeitwerthe weit übertrisft. Die Punktirung nämlich versinnlicht Abstoß, Sprung, Trennung, das Portament die innigste Vereinigung nebst völliger Verschmelzung des sprachlichen und musikalischen Elementes, weshalb die Anwendung des Portaments hier gleichsam zum Widerspruche mit sich selbst werden würde, 8. In mehrstimmigen Gesängen darf es nur dann angewendet werden, wenn alle Stimmen fick dazu vereinigen, weil außerdem eine Stimme sich . auf störende Weise vor den anderen geltend macht. 9. Das Portament kann oft mehrmals hinter einander angewendet werden, doch muss dies unter Leitung eines wählerischen Geschmackes geschehen. '10. Wenn der gute Geschmack es fordert, eine Reihe Noten größerer Geltung durch das Portament mit einander zu verbinden, der Sänger aber mit seinem Atbem dabei in Verlegenheit kommt, so daß er das Portament entweder weglassen oder den Regeln des Athmens zufolge nur nach der Anticipation des zweiten Tones athmen dürfte, so wäre es künstlerisch richtiger, dies nach einer beschleunigten Vorausnahme zu thun, als das Portament wegzulassen. (Fortsetzung folgt.) Aus einem Briefe eines Christen an einen Juden*). Schätzbarster Freund! Sie können unmöglich glauben, dass ich in einem, während einer Ferial-Reise geschriebenen Briefe theologische Fragen eingehend erörtern werde. Unser alter Streit über die ethischen und historischen Grundlagen des Buddaismus, des Christenthums, des Zudentbums und des Mobamedanismus möge für heute ruhen; er wird uns noch oft genug beschäftigen und wir werden ihn so wenig lösen, als ihn eine vieltausenjährige Culturent- Wickelung zu lösen vermocht hat. Wir werden uns wieder, wie schon so oft, stundenlang in den hitzigsten Debatten ergehen und das Ende vom Liede wird wieder, wie jedesmals, das sein, dass Jeder von uns bei seiner Meinung bleibt. Aber in Einem gebe ich Ihnen Recht: Ich gebe zu, dass die mit den religiösen Handlungen verbundenen, ceremoniellen Functionen eine große Bedeutung haben und von *) Der Mann, der den hier abgedruckten Brief geschrieben, weilt nicht mehr unter den Lebenden, und hierin erblicke ich die Berechtigung, von diesem Manuskripte publicistischen Gebrauch zu machen. Einem streng confessionellen Standpunkte entspricht der Brief nicht, weil der Verfall er niemals auf diesem Standpunkte sich befand. Aber die Aeußerungen eines BianneS von bedeutender univel feiler Bildung scheinen mir unter allen Umständen Anspruch auf Beachtung zu besitzen, in vorliegendem Falle schon darum, weil der aus dem Briefe sprechende, religiöse Indifferenrismus, ..welcher selbstverständlich meine Billigung nicht finden kann, den Schreiber des Briefes befähigte, die rituellen Handlungen der verschiedenen Religionsgenosienschafien mir Unbefangenheit zu beurtheilen. Der denkende Leser wird die Spreu von dem Weizen zu sondern und dasjenige, was als berechtigt und auf unsere Verhältnisie anwendbar anzuerkennen wäre, heraus zu finden wißen. Franz Josef Löwe n st a m m. Allmälig gesellten sich noch mehrere rumänische Judenfamilien zu den Zuerstgekommenen, auch schloßen sich ihnen noch einige russische an, und jetzt zählt diese Colonie 22 rumänische und 6 russische Familien, denen aber doch nach Verlauf eines Jahres die Baarmittel ausgingen, so dass sie sich nach Europa um Hilfe wenden mußten, welche ihnen von der ״Israelitischen Allianz" in Paris und Anderen, jedoch in so ungenügendem Maße, gewährt wurde, dass sie sich auf die Länge nicht hätten halten können. Denn, wenn sie auch Land und einige Häuser hatten, so fehlte es ihnen doch am nöthigen Betriebscapital, Zugvieh u. s. w. — Credit konnten sie hier nicht erlangen, da es ihnen unmöglich gewesen wäre, die landesüblichen Zinsen von 13 bis 24 Percent aufzutreiben. Um diese Zeit entschloß sich Baron Rothschild in Paris, die jüdische Colonie Samaria auf eigene Rechnung zu übernehmen. Es wandte sich daher auch diese Colonie mit' der gleichen Bitte an ihn, welche ihnen auch vor einigen Tagen gewährt wurde, nachdem auch sie schon seit einigen Monaten von ihm die sogenannten Monatsgelder, 10 Francs pro Kopf und Monat, erhalten hatten. Sie treten ihm ihre sämmtlichen Liegenschaften als Eigenthum ab, er dagegen verpflichtet sich, ihnen noch bis zum komwenden Herbste die seitherigen Monatsgelder zu zahlen, und bis dahin auch jeder Familie ein Haus (deren sie nicht genug hatten) 1 Pferd, ein paar Ochsen, eine Kuh und einen Esel, sowie die nöthigen Ackergeräthschaften zu beschaffen, damit sie sich fortan ihren Unterhalt selbst durch die Bearbeitung und den Ertrag des Bodens verschaffen können. Den enormen Vortheil haben diese Colonisten vor jenen Samarias, dass ihre Colonie ein ausgezeichnetes Klima und gutes Wasser genug hat; ob sie aber neben ihren sonstigen guten und bösen Eigenschaften, Ausdauer und Energie, verbunden mit der erforderlichen Sachkenntniß, besitzen werden, muss ja die Zukunft lehren; bis jetzt zweifelt man noch daran; dennoch wünscht man ihnen den besten Erfolg, weil nur durch richtige und praktische Arbeit das Land reformirt und von seinem Fluche befreit werden kann. Zum Schluss möchte ich noch bemerken, dass ich kürzlich bei meinem Besuch in Jaffa von den betreffenden Behörden erfuhr, dass das Verbot der Landung jüdischer Emigranten sowohl in Haiffa und Beiruth, als auch in Jaffa weiter bestehe und nur durch Backschisch hie und da überschritten werde. Die auewanderungslusttgen Juden in Rußland möchten gut thun, sich nicht durch falsche Berichte zu falschen Schritten verleiten zu lassen, welche die übelsten Folgen für sie haben. Noch ist ihre Zeit für Palästina nicht gekommen. Eine in der Nähe Jaffa's angelegte und bis jetzt aus 11 Wohnhäusern bestehende jüdische Colonie soll jetzt, strenger ministrieller Ordre zu Folge, wieder aufgehoben werden, das heißt ihre Häuser niedergerissen werden, weil nun einmal die türkische Regierung hier keine jüdischen Colonieu hahen will.