Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 10 (18.3.1884)
- Date
- 1884-03-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3452960-3452970--0946-3455033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- © Requiems für den König Ludwig I. in Bayern, als Gesang zur Seelenfeicr (deutscher Text) sich befinden — in ebensolcher Vorzüglichkeit und Meisterhaftigkeit gearbeitet sind, und geben von -er Größe des unsterblichen Autors das untrüglichste Zeugnis ab. Auch bieten sie ebenfalls die größte Mannigfaltigkeit im Wechsel zwischen Composition und Bearbeitung alter, als traditionell geltender Melodien, welcher Umstand das Werk noch interessanter und für die weitesten Kreise verwendbar macht. -WaS aber das Werk um so werthvoller erscheinen läßt, ist, dass es vorzügliches Material für Partitur-Studien bietet, indem Löwenstamm zu den wisienschaftlichsten Musik-Theoretikern unserer Zeit zählte, und seine Accordbildung und Harmonie-Fortschreitung höchst lehrreich und inftructiv erscheinen. So hat Löwenstamm sich mit seinem Werke ein Denkmal gesetzt, das dauerhafter sein wird, als von Erz und Stein, und feinen Collegen damit ein Andenken zurückgelassen, welches seinen Namen bis in die spätesten Geschlechter tragen und frisch in Erinnerung erhalten wird. Seine Gesänge werden, ihrer Bestimmung nach, den fl אל den lebendigen Gott-zu lobpreisen, auch am Leben bleiben. Kleine Chronik. Wie«. (Orig. Corresp.) Freitag den 14. d. M. wurde der drittgeborene Sohn des. Herrn Freiherrn Albert von Rothschild in den Bund Abrahams ausgenommen und erhielt den Namen Eugen Daniel. Nach der Beschneidung, welche von Herrn Dr. Herzfeld in äußerst eracter und glücklicher Weise vollzogen wurde, sprach der Baron selbst die Berachah. Bei dem religiösen Acte waren an» wesend der Bruder des Bai lreritst Herr Nathaniel Freiherr von Rothschild, Baron Königswarier, Ritter von Goldfchmidt, der Prokurist Herr Dub sowie mehrere höhere Beamte des Hauses Rothschild. Ferner waren auch die Gemeindefunctionäre Dr. Jellinek, Dr. Güdemann, Obercantor Singer und Cantor Fischer geladen. Obercantor Singer hatte die Function des Bensehens und war hiebei die Bussoli 2c., bis auf Wolf und Franchetti insgesammt Nichtjuden. Vergebens forschte und frug ich nach Sulzer, Naumburg 2c. Der Chasan primo und der Maestro il Choro kannten nicht einmal die Namen der Herren. Diese Thatsachen befremdeten mich nicht mehr, als ich nach unserem berühmten venetianischeu Fachgenossen Beon da Modena, dem trefflichen Tenorsänger und Musikichriftsteller, frug und mir keiner der Herren irgend welchen Aufschluß zu geben irr der Lage war. Diese Gleichgiltigkeit unseren Fachangelegenheiten gegenüber bot mir den besten Schlüsiel für die Lösung des Räthsels, weßbalb der!Lynagogengesang Venedigs und, wie ich hörte, Italiens, so darnicdcrliegt. Im Dogenpalaste werden die Composiiionen Benedetto Marcello’s wie ein heiliges Vermächtniß aufbewahrt und dem Besucher mit Stolz und Selbstbewußtsein vdrgezeigt. Die Epigonen Beon da Modena’s kennen nicht einmal besten Namen, geschweige dessen Bedeutung, dessen Bestrebungen. Ich dankte den Herren für ihre Bereitwilliekeit und verließ wirklich niedergestimmt und moralisch zerschlagen das Ghetto Venedigs. Auf dem Heimgange begann es leicht zu regnen und das herrliche Venedig lag im dichten, grauen Schleier vor mir. Da der Aufenthalt in Venedig bei Ncgcnwetter weder angenebm noch gesundheitlich praktisch ist, so entschloß ich mich zur Heimreise. Ick besorgte meine Angelegenheit, rief all den Stätten, die ich besuchte, dem Museum, dem Ateneo Veneto, Theater Ba Fenice, Marcianisehen Bibliothek, der Insel Bido, der Bialto- und Lospiri-Brücke meine Scheidegrüße, zu, und reiste oder eilte מוצש״ק auf Flügeln des Dampfes wieder heim, zu meinen Lieben, zu meinem Berufe. Singer. Recitation der Horaehamons so sehr gelungen, dass Herr Baron Rothschild nach Beendigung der -Function dem Obercantor seine vollste Anerkennung aussprach und den Wunsch hinzufügte, der Sänger möge noch lange seine prachtvolle Stimme behalten. Wien. (Ein Brief des Erzherzogs Johann.) Herr I. Singer, der Verfasser einer in jüngster Zeit vielgenannten Brochure : »Sollen die Juden Christen werden?\ hat folgendes Schreiben erhalten: »Sehr geehrter Herrl Die von so freundlichen und schmeichelhaften Worten begleitete Uebersendung Ihrer geistvollen- Schrift: ״Sollen die Juden Christen werden?" war mir eine Auszeichnung und eine Freude zugleich, für die ich Ihnen den wärmsten Dank sage. Das Verdienstliche dieser Ihrer Schriftliegt ebenso sehr in der muthigen Bekämpfung der bedauerlichen, unsere Zeit noch umnachtenden Vorurtheile, als wie auch in der noch muihigeren Ermahnung Ihrer Stammes- und Glaubensgenossen zur Arbeit, an. sich selbst. Ist nach beiden Richtungen hin ein Erfolg zu verzeichnen, so zweifle ich nicht, dass dann das Judenthum allseitig anderen Gefühlen begegnen und billige Anerkennung seiner unbestritten großen Leistungen im Dienste der Menschheit finden wird. Indem ich mich glücklich schätze, mit Ihnen den schönen, wenngleich — wie ick fürchte — noch fernen Augenblick eines durch geläuterten Freisinn begründeten Friedens mit meiner vollen Ueberzeugung herbeizuwünschen,, zeichne mit aufrichtiger Werthschätzung Ihr ergebener FML. Erzherzog Johann in. p. Linz, 7. März 1884/ Wudopest. Herr Cantor Suschny feiert Samstag den 22. d. M. seine silberne Hochzeit. Wie wir vernehmen, sollen aus diesem Anlaste von verschiedenen Seiten dem Herrn Cantor Suschni Ovationen zugedacht werden. (Auch wir bringen hiemit unserem verehrten^ Collegen die herzlichsten Glückwünsche zu diesem schönen Feste dar. Die Redaction.) Arad- (Probesingen in der Synagoge.) Vor einer großen Anzahl geladener Gäste, unter denen sich auch zahlreiche Damen befanden, ließ sich am verflossenen Sonntag 11 Uhr Vormittag der neugeschaffene Mädchenchor in der hiesigen Synagoge hören. Wer die ganz abnormen Verhältnisse kannte, die namentlich in letzterer Zeit im Chorwesen der Synagoge herrschten, der mußte die bloße Creirung dieses neuen musikalischen Körpers schon im vorhinein mit Freuden begrüßen. Wie groß nun war erst die Ueberraschung, als man wahr- Haft imposante, ja auch groß angelegte Chorwerke zu Gehör bekam, deren Executirung selbst einem jahrelang bestehenden Chorvereine zur Ehre gereicht hätte. Dem Leiter und Chormeister Herrn Adolf Grünzweig zollen wir uneingeschränktes Lob. Mit wahrer Hingebung hatte ec vor ungefähr drei Monaten die schwierige Aufgabe übernommen, mit jungen, zumeist unmusikalischen Mädchen einen Chor zu schaffen. Mit rastlosem Eifer ging er an das einmal gesteckte Ziel und heute sehen wir seine Bemühungen bereits von schönstem Erfolge begleitet. Es ist allerdings nicht zu verhehlen, dass es noch Mühe und Anstrengung kosten wird, ehe die jungen Damen auf der ganzen Höhe ihrer Aufgabe stehen werden (namentlich was das sonst übliche Reinsingen betrifft), allein der bereits oben constatirte Erfolg der ersten Probe läßt bas Beste erwarten. Von den zum Vortrage gelangten sichs Piecen hahen insbesondere ein sehr melodiöser und schön gearbeiteter ״B’eho Dodi“ von Ca pell Meister Skraup, ein ״Adon Olon/‘ von Professor Würfel, ,ferner ein Requiem (mit ungarischem Texte) von Adolf Grünzweig sehr angesprochen. Herr Obercantor D. Kohn, der Mann mit der ewig reinen Intonation, sang seine Soli mit dem ganzen 'Aufwande seines präch- Ligen Organs, während Herr Capellmeifter I. H ö ß li an der Orgel mit gewohnter Tüchtigkeit Hände und Füße arbeiten ließ. Sichtlich erfreut von den empfangenen musikalischen Gaben entfernte sich umdie Mittagsstunde das zahlreiche Auditorium.