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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-03-10 · Heft 9 (10.3.1884) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 9 (10.3.1884)
Date
1884-03-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 damaligen Anschauungen — sintern bet Umstand ist zu beklagen, dass solche aus der vorsnlzcrischen Periode stammenden Einrichtungen, durch den für jüdische Cantoren als unantastbare Richtschnur geltenden Macktipruck Sulzer's sanctionirt, noch bis in die Gegenwart hineinragen. Deshalb gestatten wir uns an den bekannten Schönheits- und Billigkeitssinn Meister Sulzer's zu appellireu, durch Wort und Lbat zur Nivellirung der angedenteten Mißbräuche Mitwirken zu wollen und wir sind überzeugt, dass dieses Beispiel im Herzen aller gebildeten Collegen ein mächtiges Echo finden wird. (Fortsetzung folgt.) Semiroth Tel chaj *) Non I. L a ch n! a n n, (Hürben in Baiern.) Das IV. und letzte Heft dieses für den Synagogengesaug bedeutungsvollen Musikwerkes von unserem frühverstorbenen Collegen Max G. Löwenstamm, weiland Obercantor an der Synagoge in München, bat soeben in schöner und geschmackvoller Ausstattung die Presse verlassen und ist durch den Heraus׳ gebcr und Selbstverleger, Prof. Franz Josef Löwenstamm, Gesangmeister in Wien, I-, Nibelungengass!: 3, sowie durch die *) Seit dein Erscheinen des letzten HefteS dieser Synagog engesänge sind uns von mehreren sehr geschätzten Mirnrbeitern unseres Blattes Atecensioiien r'1i!er das gediegene Werk des seligen Löwen stamm behuss Veröpenttichung zugekommen. Da wir nun begreiflicher Weise nicht alle einlausenden Recensionen in unserem Blatte veröffentlichen können, so haben wir unter den eingelangten Arbeiten nur die größeren ausgewäblt und ersuchen somit die übrigen geehrten Herren Einsender, aus die'Berösseutlichung ihrer Reeensionen Verzicht zu leisten. Die Ned. Musikalienhandlungen O. A. Audrö in Frankfurt a. M. und Palter und Sohn in München, um den billigen Preis von 4 Mk. — 2 fl. 40 kr. — Das ganze Werk ist auf 15 Mk. 9 fl. ermäßigt zu beziehen. Dieses das Werk abschließende Heft ist den Festtagen geweiht und enthält die nöthigsten, vom Cantor gesuchtesteu und ibm unentbehrlichsten Piecen für die drei Festtage, sowie noch einige Casualgesänge, die in vorkommenden Fällen höchst willkommen sein können. Haben wir nun in den voraugegangeneu 3 Heften den seligvcrblicheuen Verfasser als den erfindungsreichen, originellen und stylvollen Componisten, als den scharfsinnigen, Wissenschaftlich sich wohlbewußlen Harmoniker, als den meisterhaften und kühnen Modul alionsscköpfer kennen gelernt, so zeigt uns das jüngste Heft in ihm auch den gemütbsrcichen, mit wahrer und warmer Empfindung ausgestatteten Caulor, der die Feststimmung in feierlichem Tone anzuschlagcn und sie bei seinen Zuhörern weihevoll hervorzurufeu wußte, und seine kunstgeübte Gemeinde auf den schwung- und kraftvollen Schwingen des Kunltgesanges gepaart mit der Süßigkeit der dazwischen ertönenden Tradilionsgesäugeu, zu erheben und sie festlich zu stimmen. Gleich schon im Eingänge — für unS beim Umschläge des Titelblattes — fühlen wir uns angehaucht von dem Dufte der ,heiter-feierlichen" L-cluv-Klänge eines stimmungsvollen ״Mäh towu,“ der mit einer anmuthigen, an das Ganze sich anschmiegenden und gefällig modulirenden Stimmführung, in gewohnter Löwenstamm'- scher Meisterschaft, ausgeschmückt ist, und welcher nach angenehmer Abwechslung zwischen Choc und Cantor-Soli durch den ״triumphirenden und siegesbewußten" 068-äul-Dreiklang — bekanntlich ist dieser Accord in der verwandten Z-iuoll-Tonart 1 leitereigen — mit dem Nackklange des tonisch verminderten bekanntlich keine Sprünge macht — dieses vermittelnde Element bildet nun der Karst, gleichsam die Grenzscheide zwischen Nord und Süd, zwischen Berg und Thal — und dann kann eine mit einem reichen Naturleben ausgestattete Gegend, mit zarten Pflanzen, Vögeln und anderen Thieren unmöglich diesen vom Meere heraustürmendem verschiedenen, rauhen Natureinfiüssen und Wettern Stand halten, hiezu bedurfte es des Karstes mit seiner Sturmhaube aus Sandstein und Granit. Dieser abgehärtete Natursohn braucht nicht zu befürchten, dass er sich inmitten der tobenden, rauhen Stürme mit einem plötzlichen Wärmeunterschiede von oftmals 15°, etwa einen Schnupfen holen könnte. Doch auch das Karstgebiet mit seinem ersterbenden Naturleben und den in steiniger Umgebung und der rasenden Bora frostig erzitternden Krüppelbäumchen, die einsam und verlassen, wie Heines Fichtenbaum, auf nordischer Höhe steben, hat seine Reize und die mächtigen, himmelan strebenden Steinriesen packten mich so gewaltig, dass ich unwillkürlich die Worte TD3 מה murmelte. Noch einige Stationen, der Regen hatte mittlerweile aufgehört; in nebelgrauer Ferne tauchte unweit Monfalcone der weitgedehute Meeresspiegel aut, und wie im Handumdrehen wechselt auch mit einem Male das landschaftliche Bild. Weitgedehnte Felder, die doch noch immer vor dem Winde zu schützen sind und deshalb mit Tausenden der kurzstämmigen Maulbecrbäumen bepfianzt werden, liebliche, schon in anderem als dem gewöhnten Style, aus hartem Material erbaute Land- und Bauernhäuser mit Wirthschaftsgebäuden, Haustbieren rc. erscheinen vor uns und das Klima ist hier, hinter Nouchi und Sagrado, schon so milde, dass die Krautpflanze beispielsweise den Winter über auf dem Felde bleibt und erst vor der Verwendung in der Haus- Haltung von dort geholt wird; allmälig macht sich italienisches Wesen bemerkbar; auf den Stationen ertheilt der Vorstand in; italienischer Sprache seine Befehle, und so sind wir, wie durch einen Zauberschlag, in eine neue, wunderbare Welt versetzt. Man gelangt nach Görz, Cormons, die äußerste Grenze Oesterreichs; bier ist Zollrevision, man ruft dem heimatlichen Boden das letzte Lebewohl entgegen und fort geht es über Udine, Treviso rc., reizend gelegene italienische Städtchen, dem schönen Venedig entgegen. Hinter der letzten Station vor Venedig, Mestri, beginnt das Erdreich vollständig zu verschwinden; die neben einander liegenden unzähligen, aber winzigen Lagunen verlieren sich gleichfalls und so bewegt sich der Eiseubahnzug auf einem beinahe halbstündig langen Damm, der rechts und links, so weit der I Blick reicht, von Wasser umgeben ist, nur hie und da von einem I kleinen Festungswerke, welches wie eine Wassernymphe aus dem Meeresspiegel emportaucht, unterbrochen; einzelne Fischerbarken mit aufgehißtem Segel jagen an uns vorbei, eine Schaar ׳weißer Wasservögel mir ihrem abwechselnden Aufenthalte bald auf dem Meeresspiegel, bald in der Luft, interessiren den Reisenden;: überhaupt fesselt der ungewohnte, weitgedebnte, weiße Plan in solch' hohem Grade, dass man geradezu vor Bewunderung erbebt,, wenn man bei einer Seitenbewezung plötzlich das auf dem > Meeresspiegel erbaut scheinende Venedig vor sich sieht. Das Wetter batte sich noch nicht ganz aufgeheitert, nur unten in Süditalien erscheinen Helle Himmelsstreifen, die allgemein als- Vorboten günstigen Wetters angesehen werden. Der Eisenbahnzug ist am Bahnhöfe Venedigs stehen geblieben und, nachdem ich mich aus dem Menschengewühle herausgearbeitet hatte, bestieg ich die Gondel, um das mir empfohlene Hotel Bauer aufzusuchen- (Schluß folgt).

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