Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 8 (2.3.1884)
- Date
- 1884-03-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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schreiben, eine Sache der Unmöglichkeit ist, insbesondere wegen der verschiedenen Organisationen. Die hier gegebenen Regeln sind die Principien, nach welchen beim Unterrichte zu verfuhren ist, und es bleibt die Aufgabe eines guten Gesanglehrers, den jedesmaligen Schüler so lange zu beobachten, bis er weiß, in welcher Maße bei jedem Voeal seine Mundstellung, um schönen Ton zu bilden, modificirt werden muss, und er hat dabei die von uns gegebenen Ziegeln als unwandelbare Grundsätze zu befolgen. — Hierbei müssen wir den Lehrern ernstlich zu bedenken geben, dass es sich bei der Mundstellung des Sängers stets nur um ganz kleine Dimensionen handelt, wonach z. B. das Weiter, öffnen der Lippen um eine Linie von erheblichem Einstuss auf den Ton ist. Eine kaum sichtbare Erhebung der Zungenspitze hindert das freie Ausströmen des Tones auf dem Bocal E bei manchen Schülern, deren Organisation bei diesem Buchstaben nur eine geringe Trennung des Unterkiefers vom Oberkiefer erlaubt. -Der Lehrer muss also mit größter Sorgfalt und Behütsamkeit die angemessenste Mundstellung des Schülers ermitteln und diese dann unverändert beibehalten lassen. III. Wölbt man dagegen das Innere des Mundes etwas, so wird die Aussprache der Vocale dunkel, markig, das a schillert dann in das o, das e in das ö, das i in das ü, und der Ton erhält einen ernsten, düsteren Charakter. Es ist diese Mundstellung demnach besonders in der Schilderung wilder Leidenschaften, des Zornes, der Rachlust u. s. w. anwendbar. Hieraus wird die unter Nr. 8 des vorigen Abschnittes gegebene Regel deutlicher einleuchten. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Kostenews, 27. Februar 1884. (Orig.-Corresp.) Sehr geschätzter Herr Nedacteur! Mit Bezug auf eine Notiz in der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes erlaube ich mir die berichtigende Bemerkung zu machen, dass als Geburtstag des Herrn Professors Sulzer in der hiesigen Matrike der 18. März angegeben ist. Zugleich sende Ihnen mit Nachstehendem die Copie der Widmung von Prof. Sulzer, anläßlich der Uebermittlung seines 8eüir Zion: Zum I. Theile. ״Meiner Vaterstadt, deren ich stets in Liebe gedenke, die meine ersten Versuche und Bemühungen mit Nachficht und Liebe ermuntert und anerkannt hat, weihe ich das vorliegende Werk als die gereifte Frucht meines vieljährigen Strebens, zum Beweise meiner fortdauernden Liebe und Anhänglichkeit. Wien, 20. November 1841. S. Sulzer. Zum H. Theile. Der sehr achtbaren israel. Gemeinde in Hohenems in unvergänglicher Anhänglichkeit. Der Verfasser. Wien, am 20. Jänner 1865. Wien. Der Wiener Gemeinderath hat beschlossen, den Bürgerschul-Lehrer, Herrn Nathan Streußler, zum leitenden Oberlehrer der städtischen Knaben-Volksschule in der Leopoldstadt zu ernennen. Der Landesschulrath hat auch diese Ernennung genehmigt. Herr Streußler ist der erste jüdische Oberlehrer an den Wiener Volksschulen. Die Schule, die er jetzt leitet, zählt 1666 katholische, 41 protestantische und 2327 israelitische Schüler. Weil also die Mehrheit der Schüler dem israelitischen Glauben angehört, mußte auf Grund des neuen Schulgesetzes ein Jude zum Oberlehrer an dieser Schule ernannt werden. Wien. Dem ״Wiener Israelit" entnehmen wir folgende Mittheilung: Während die Assimilanten in Galizien vergebliche Versuche machen, das jüdische Nationalbewußtsein zu schädigen, vollzieht sich in Böhmen, wenn auch nur in wenigen dem Judenthume längst entfremdeten Kreisen, eine thatsächliche Vermengung mit den Czechen. Ju Prag hat sich gestern unter dem Vorsitze des Vertheidigers Dr. Salomon Salud ein Verein gegründet, der sich n0r Tomida nennt und zum Zwecke hat, einen israelitischen Tempel zu errichten, in welchem in czechischer Sprache gebetet werden soll. Sogar Esriatü atorah soll in czechischer Sprache vorgenommen werden. Da hört sich denn doch schon alle Vernunft auf! Man weiß nicht recht: Soll man über diese hirnverbrannten jüdischen Czechen lachen, oder sie wegen ihrer Verrücktheit bemitleiden? Warum hat nicht dieser Toll- Häusler-Verein gleich auch einen czechischen Namen, etwa ״Veczna Swetla“ (ewiges Licht), gewählt? Die Reform in manchen Tempeln hat es schon so weit gebrachtdass , am Sabbath die Orgelklänge ertönen, Damen, sogar nicht jüdische, im Chore Mitwirken, manche Gebete gestrichen, andere wieder in deutscher Sprache verrichtet werden, aber das Hospodie Pomiloi vor dem Omed zu hören, das muß ein Schauspiel zum kranklachen sein. Wir sind nur begierig zu erfahren, ob nicht vielleicht im betreffenden Tempel die Sifre Toreth die Krone des heiligen Wenzeslaus tragen müssen. Wien. Man bereitet sich zur Wahl von Gemeinderäthen vor. In dem Bezirke Leopoldstadt candidiren einige unserer Glaubensgenossen, darunter auch der bisherige Gemeinderath, Architeet Herr Wilhelm Stiaßny. Die Wiederwahl des Herrn Stiatzny steht fast außer Zweifel. Dieser gehört zu den achtbarsten und verdienstlichsten Mitgliedern des Wiener Gemeinderathes und ist eine bei den Wienern ohne Unterschied der Religion hochgeschätzte und beliebte Persönlichkeit. Wudapest. Am 19. d. M. hat eine Versammlung von orthodoxen jüdischen Rabbinern Ungarn's stattgefunden, in welcher beschlossen wurde, gegen das Manifest der ״Unabhängigkeitspartei" des ungarischen Reichstages eine Erklärung zu erlassen. Wir werden diese in würdigem Tone gehaltene Erklärung in nächster Nummer veröffentlichen. W. Jsr. West. (Circular-Verordnung gegen antisemitische Agitationen.) Der Minister des Innern richtete vorgestern an sämmtliche Municipien des Landes folgende Circular-Verorduung : Aus verschiedenen Theilen des Landes ist mir die Nachricht zugekommen, dass die Agitationen zur Verbreitung von Gehässigkeit zwischen den Racen und Confessionen und zur Störuüg des friedlichen Beisammenlebens derselben in neuerer Zeit wieder begonnen haben und theils mit gewissenloser Bewußtheit, theilS mit sträflicher Unbesonn enheit betrieben werden. Dieser Umstand macht es mir zur Pflicht, unter Bezugnahme auf meine Circular-Verordnnngen vom 22. Oktobec 1882 und 28. August 1883, das Municipium hiemit aufzufordern, die gegen welche Confessionen immer, gegen welchen, im Lande lebenden Stamm, immer austauchenden Agitationen mit wachsamstem Auge zu verfolgen, dieselben im Keime zu ersticken, die Agitatoren selbst aber, ohne Unterschied der Person, mit der ganzen Strenge des Gesetzes zu strafen, beziehungsweise die Verfügung der competenten Behörde in jedem einzelnen Falle unverzüglich zu voranlassen, gegen solche Agitationen mit der größten Wachsamkeit und Energie vorzugehen und Alles, was sie in dieser Richtung wahrnehmen oder im eigenen Wirkungskreise verfügen, dem Municipium ohne Verzug anzumelden. Von dem Municipium aber erwarte ich, dass es von den in Folge dieser meiner Circular- Nerordnung^^ troffenen Verfügungen möglichst bald, von seinen etwaig^