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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-02-23 · Heft 7 (23.2.1884) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (23.2.1884)
Date
1884-02-23
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— r7 Diese Widmung, welche unter Leitung der Tarnopoler Filiale -über dringenden Antrag des Präsidenten der besagten Filiale Dr. Weißstein erfolgte, hat sich bereits eines besonderen Anklanges in maß- .gebenden Kreisen zn erfreuen gehabt. Weitere Leistungen in dieser Richtung wurden dem Zuströmen kräftigender Zuflüsse, wie auch dem Einlaufen begründeter Vorlagen vorbehälten. IgklNt. Orig.-Corresp. In den nächsten Tagen, das ist am 1. März 1884, feiert der in unserer Gemeinde durch seine ausgezeichneten Leistungen, durch seine Pflichterfüllung und edlen Charakter hochgeachtete Obercantor S. Low sein fnnfnndzwanzigjähriges Amts- Jubiläum. Bei dieser Gelegenheit wird es dem wackeren Manne gewiß nicht an Beweisen der Sympathie und Anerkennung von --Seiten seiner Gemeindemitglieder fehlen. Doch ich erlaube mir auch, die Aufmerksamkeit der löblichen Redaction sowie der geehrten Herren Cantorcn auf dieses schöne Fest ihres Collegen zu lenken. X. Wndupest. Unser verehrter College, Herr Jakob Suschny in Budapest ist von einem schmerzlichen Unglücke betroffen worden. Am 17. d. M. ist nämlich dessen Sohn, Herr Max Suschny, Beamter der ,Fonciere", Pester Versicherungs-Anstalt, im 24. Lebensjahre, nach längerem Leiden verschieden. (Wir drücken hiemit unserem ׳Cellegen Suschny unser tiefstes Beileid aus. Die Red). Drohobycz. Vorige Woche fand im hiesigen Gerichtssaale für 'Bagatellverfahren ein Rechtsstreit zwischen zwei Bauern wegen eines Gulden statt, und der Kläger beharrte dabei, dass der Ortsrichter und noch mehrere Zeugen hierüber beeidet werden sollen; auch er selbst bot sich zur Eidesleistung an. Der sehr geehrte und allgemein .hochgeachtete Adjunct'Dr. Bienczewski gab hierüber seiner Entrüstung -Ausdruck und sagte: ,Lernt von den Juden die Religion achten und schätzen; der Jude wird wegen so einer Kleinigkeit nie selbst schwören, -auch-einen Zweiten nicht schwören lassen, und bei Euch ist der Eid das Geringste, was nur sein kann". —- Diese würdigen Worte fanden Anklang und die Srreitenden schloßen einen Vergleich. ^ötersbltrg, 24. Jänner. In jüngster Zeit ist ein prinzipiell '-sehr wichtiger Beschluss, hinsichtlich der Inden in den deutsch-russischen Provinzen, zur öffentlichen Kenntnis gebracht worden. Durch diesen Beschluss ist nämlich unseren in den Ostsee-Provinzen wohnhaften Glaubensgenossen der Aufenthalt in dem ganzen russischen Reiche gestiattet worden. Es ist dies kein neues Privilegium, das ihnen ver. Flehen wird, sondern nur die richtige Interpretation eines alten Gesetzes, das bisher nicht beachtet worden ist. Bekanntlich dürfen die Juden nur in einem bestimmten Rayon sich niederlassen, der Aufenthalt außerhalb dieses Rayons ist nur ausnahmsweise auf Grund besonderer Erlaubnis gestattet. Hat aber Jemand diese Erlaubnis erhalten, so darf er sich natürlich überall, im ganzen Reiche, niederlassen. Die Ostsee- Provinzen liegen außerhalb des Rayons, folglich hätten die jüdischen Bürger der deutsch - russischen Lande von jeher das Recht gehabt, in jeder Stadt Rußlands das -Bürgerrecht zu erwerben. Diese Interpretation des Gesetzes hat man aber nicht gelten lassen, und erst durch den jüngsten Beschluss ist sie wieder zu Ehren gekommen. Wenn wir aus diesem Beschluss, dem ersten nach Einsetzung der großen Inden-Commission, einen Schluss auf die noch folgenden Bestimmungen über unsere Glaubensgenossen ziehen können, so dürfen wir uns wohl der Hoffnung hingeben, dass .die Commission das Ihrige dazu beitragen wird, dass die Existenz von fünf Millionen russischer Staatsbürger nicht durch die Willkürliche Interpretation der Gesetze gefährdet, sondern durch stricte, :unserem Zeitgeiste angemessene Gesetze garantirt werde, deren Gründ¬ .läge Toleranz und Staatswohl und nicht Vorurtheil und Glaubens- .haß bilden. Petersburg. Am 2. Jänner wurde in Warschau ein 36jähriger Professor der Mathematik, Namens Frackiervicz, beerdigt. Er war sehr angesehen. Gern erzählte er das Ereignis, welches ihn vor mehr als 50 Jahren zum Jndenfreunde bekehrt hat. ,Im Juli reiste ich mit mehreren Freunden nach Krakau. Im Postwagen, der langsam und schwerfällig durch den tiefen Sand hingezogen wurde, war es drückend heiß, so dass wir ansstiegen, um zn Fuß nebenher zu gehen. Gern hätte ich mir ein Pfeifchen gestopft, doch keiner aus der Gesellschaft hatte ein Feuerzeug bei sich. Da sahen wir ans dem nahen Walde Rauch anfsteigen. Wir eilten hin und ein Jude stand vor uns, der dort Kohlen brannte. Neben dem Meiler war eine in die Erde eingegrabene, kleine, raucherfüllte Wohnung. Weib und! Kind glänzten vom Nuß; die zerrissenen Kleider, die Magerkeit ihres Gesichtes, der hohläugige Blick waren beredte Zeugen ihres Elendes. Mitleid beschlich mich mit dieser Familie, die im einsamen Walde hinlebte und ich fragte den Manu: .Was arbeitest Du hier so schwer? Hättest Dn's als Ackerbauer nicht leichter und besser?* ,Und woher soll ich den Acker zum Bebauen nehmen?' so lautete die Gegenfrage. .Warum machst Du es nicht, wie alle Bauern hierzulande? meinte ich; ,dem Herrn, der Dir Hans und Feld gibt, diene als Knecht und Du hast es gut." Da entgegnete er: ,Ein einem Herrn verkaufter Knecht zu sein, hat Gott Israel verboten. Denn damals, da Gott uns aus Egypten, aus dem Knechteshause, befreit hat, befahl er uns in seiner Lehre, dass wir nie wieder als Knechte uns verkaufen dürfen: ,Mir seien die Israeliten Knechte, meine Knechte sind sie, die ich ans Egypten geführt habe, sie sollen nicht als Knechte verkauft werden." Und auch dem hebräischen Herrn hat die Thora geboten: ,Wenn Du einen hebräischen Knecht kaufst, soll er 6 Jahre dienen und im siebenten — ohne Entgelt — frei herausgehen.' Diese Worte des Juden haben auf mich einen gewattigen Eindruck geübt, denn nie hatte ich geglaubt, daß solch' herrliche Worte, in welchen der Freihsitsgedanke so schön sich ausdrückt, aus dem Munde eines so armen und gedrückten Menschen kommen könnten. Seitdem habe ich anders über die Eigenschaften der Juden, über ihre Gesinnung und ihren Glauben geurtheilt." Berichtigung. In der vorigen Nummer unseres Blattes wurde irrthümlich gemeldet, dass College I. E. Eigner aus Enz.rsdorf nach Klosterneuburg berufen wurde. College Eigner befindet sich noch gegenwärtig in Enzersdorf und denkt gar nicht daran, seine Stelle zn verlassen. — Der Cantorposten in Klosterneuburg ist jedoch durch einen anderen Herrn Eigner, welcher vorhin in St. Georgen amtirte, besetzt worden. Correspondenz der Nedaction. Collegen Str. in Sz. (bis 1. Jänner 1884 beglichen), Sch. in B. P. Klavierfabrikant K. in W., Cafetier E. in Pr., B. in T., W. in N.. Cultusgemeinde in M., bestätigen dankend die eingesandten Beträge. Gruß. L. in Kap. Sie haben bis 5. März Ihr Abonnement beglichen. L. in H. Die Composition haben wir von Prof. S. erhalten, näheres brieflich. Gruß. Schw. in Dr. Bis Ende Dezember 1883 beglichen. Schin Budap. Ihr Abonnementsbetrag ist uns zugekommen. P. P. in P. Von Ihren Compos. können wir blos eine Nummer benützen. — St. in G- Die früheren Beilagen bestehen in den Composilionen : Ksduscha, Jigdal, Ma towu, Adon olom, L’clio dodi, Adonaj Malach. Die Redaction.

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