Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 7 (23.2.1884)
- Date
- 1884-02-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Rosengartens. Doch, wie gesagt, lassen wir für heute die sich vor uns erhebende, verklärte Gestalt des verewigten Löwenstamm und beschäftigen wir uns mit dem Meistergärtner, der es in solch' edler, erhabener Weise versteht, der idealen Gestalt auch einen idealen Hintergrund zu verleihen, oder, wie wir oben sagten, für die antike Figur einen frischen, herzerquickenden Rosengarten als Folie hervorzuzaubern. Die Gesänge Löwenstamms befinden sich in vielen Bänden, die uns zur Einsicht Vorlagen, allerdings fertig und bilden das bedeutendste Vermächtnis Löwenstalnrn's für seine Collegen, wie für sein heiliges' Fach; allein, wie das. in Manuscripten der Fall zu sein pflegt, hie und da war Manches zu ergänzen,, namentlich im Orgelsatze, den Ausorderungen des jetzigen Geschmackes gemäß, Manches runder und leichter zu gestalten. Da bedurfte es nicht btos der ganzen pietätvollen Hingabe des Sohnes nir die Bestrebungen des Vaters, sondern auch der ethischen und technischen Eignungen des reisen Künstlers, um den Intentionen des Componisten und der modernen Anschauung gerecht zu werden. Das hat nun der Sohn des verewigten Collegen Löwenstamm, Herr Gesangmeister F. Z. Löwenstamm, der Herausgeber der vorliegenden Werke, in geradezu vollendeter Weise vollbracht. Nicht, dass der Cbor- und Orgelsatz ein durchwegs correcter und glänzender ist, wollen wir hervorheben, das verstebt!ich bei einem Manne von der Bedeutung F. I. Löwenstamms von selbst, nur die Art und Weise, wie er cs verstand, der jüdischen Melodie auch eine charakteristisch jüdische Orgelbeglcitung anzupassen י man betrachte die winzigen Orgelzwischenspielc bei Eshallecli S. 15 vor kol tagmulohi — wie auch das nur wie ein Fragment hingeworsene Zwischenspiel von pis’chu 1i in dem 1860 componirten Lo oraus, wie überhaupt die ganze Orgclvcgleitung der benannten und ähnlicher Piecen, und man wird zur festen Uebcrzeugnng gelangen, dass hier die Orgel das Erbe der einstigen Meschorerim angetreten, dass dieser Orgelsatz ein original-jüdischer und charakteristischer sei, der in k e i n e r K i r ch 6, in keine m anderen G o t t es h a u s e, als in einer S y n a g o g e, die entsprechende Wirkung erzielen wird; allüberall die waltende Hand des umsichtigen Künstlers, geleitet von dem liebevollen Herzen des Sohnes — allüberall das strenge Auge des gereisten Fachmannes, dessen Lebensaufgabe es ist, den aus einer früheren Periode in die Gegenwart hineinragenden Musikgestalteu eine zeitgemäße Gewandung zu verleihen. Sei es Auswahl der Piecen, Anordnung des Stoffes, Formvollendung des Musikgedankens, correcter Satz, wie gefällige Ausstattung des Werkes. Herr Gesangprosessor F. I. Löwenstamm hat keinerlei Opfer gescheut, nach jeder Richtung hin dasjenige zu leisten, um dem jüdischen Cantorenthume ein den Manen seines geliebten Vaters würdiges Object zu übergeben. Deshalb muss ihm an dieser Stelle öffentlicher Dank ausgesprochen werden — sür das bereits Erwähnte — wie auch für die Perspective, die er durch seine trefflichen Arbeiten dem jüdischen Cantorenthume eröffnet-, auch weitere Proben seiner synagogal-componistischen Thätigkcit zu geben. Gewiss ward es dem Herrn Gesangprosessor F. I. Löwenstamm, dessen Wirksamkeit sowohl in componistischer, wie in didactischer Beziehung sich ja lediglich aus dem Gebiete der Oper und des Chorgesangcs bewegt, nicht leicht, sich in eine neue, weitab von seinen sonstigen Bestrebungen liegende Sphäre, hineinzuleben — zumal dieses Gebiet von unseren bedeutenden Componisten jüdischen Glaubens keineswegs mit Vorliebe ausgesucht wird. Allein Herr Gesangsprofessor F. I. Löwenstamm hat es nicht vergessen, dass seine Wiege einst in einem jüdischen Cantorhause stand und hat seiner Sympathie sür unser Fach durch volle Hingabe Ansdruck verliehen; anerkennen auch wir "dieses ideale Streben und geben auch wir unserer Sympathie für dasselbe dadurch Ausdruck, dass das vorliegende Werk des verewigten Löwenstamm TI זמירות לאל in der Musikaliensammlung eines jeden'jüdischen Cantors vorhanden sei. S i n g e r. Von der Tonbildung. (Fortsetzung.) Die Abart des Tones, welche wir Kehlton nannten, ist auch von dem ungebildeten Ohre daran zu erkennen, dass er durch die geringste äußerliche Betastung des Kehlkopfes erstickt wird. Der Lehrer lasse also den Schüler, welcher Kehlton hat, bisweilen während eines verlängerten Tones den Kehlkopf gelinde drücken, bis davon kein Einfluss auf die Stimmgebung zu verspüren ist. Damit kann der Lernende, so lange er noch keine vollkommene Kenntnis des Tones besitzt, zu jeder Zeit untersuchen, ob er an dem bczeichneten Fehler leide. Sehr viele neuere Sänger wenden den Kehlton, allerdings ohne ihn dafür zu halten, besonders beim Piano-Singen an, weil er von Natur dumpf und nicht durchdringend ist. Diesen Ausweg in der Noth-suchen sie deshalb, weil es allerdings großes Studium kostet, deu echteu kunstmäßigcn Tou, der von Natur voll, stark und helltöuend ist, auch im leisesten, hingehauchten Piano zu gebrauchen. Und die Lust am Studium ist bekanntlich sehr selten geworden. Wird aber die Vermeidung des Kehltones auch streng von den Rücksichten der Schönheit geboten, so liegt sie doch auch im materiellen Interesse des Sängers, indem der Kehlton der Stimme sehr nachlheitig ist. Der Kehlkopf nämlich wird durch die znrückprallende und an ihn wieder anschlagende TomLuftsäule allzusebr angegriffen, weshalb bald Heiserkeit eintritt. Sänger, welche diesen Fehler an sich haben und nicht ansrotten, können ihre Stimmen nicht lange behalten, während diejenigen, welche die von uns ausgestellten Grundsätze beobachten, die Wahrheit an sich selbst bestätiget finden werden, dass die alten Sänger oft noch in den hohen Sechzigern zur Bewunderung Hinreißen konnten. — Wenn wir vorhin über Mangel an Studium beut zu Tage klagten, so berufen wir uns zu unserer Rechtfertigung auf das Zeugnis des Angellini Bontempi, welches er über die Studienweise der päpstlichen Sängerschule zu Nom ablegt, indem er sagt: .Die Schüler der römischen Schule waren verbunden, sich täglich eine Stunde in schweren Intonationen zu üben, um Leichtigkeit in der Ausführung zu erlangen; eine andere Stunde wandten sie zur Uebung des Trillers an, eine andere zur Uebung geschwinder Passagen, eine andere verwandten sie auf die Literatur und noch eine andere zur Bildung des Geschmackes und Ausdrucks, alles in Gegenwart des Meisters, der sie anhielt, vor einem Spiegel zu singen, um jede Art von Grimasse oder unschicklicher Bewegung der Muskeln, entweder durch Runzeln der Stirne, oder Blinzeln der Augenlider oder durch Verzerren des Mundes, zu vermeiden. Dies Alles war nur die Beschäftigung des Morgens. Nachmittags wandten sie eine halbe Stunde auf die Theorie des Schalles, eine andere aus den einfachen Contrapunkt, eine Stunde auf die Erlernung der Ziegeln, welche ihnen der Meister von der Composition gab und auf die Ausübung derselben aus dem Papiere, eine andere aus die Literatur und die übrige Zeit des Tages auf das Clavierspielen, auf die Composition eines Psalms, einer Motette, eines Liedes oder irgend einer anderen Arbeit, die dem Genie des Schülers gemäß war. Dies waren die gewöhnlichen Uebung en an den Tagen, wo es den Studirenden nicht erlaubt w ar, die