Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 7 (23.2.1884)
- Date
- 1884-02-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 3 — ״modernen Zeitgeistes'^ Alles, was auch dem ״modernen^' Gläubigen . heilig und unantastbar ist, und Ihr werde! sehen, wohin Ihr > gelangen werdetl Der Minhag des Duchan allein ist cs nicht, den ich hier meine, aber es gehört Alles in Allem dazu; wird an dem Kleinsten gerüttelt, so fällt der ganze Ban zusammen. Solchen Reformatoren, die nur einreitzen und für das Zerstörte kein Aequivaleut zu bieten vermögen, rufen wir zu: "אל תקרב הלום׳ אל תדמה שאתה מתקרב יותר לכאן בבואך הלום. אבל של נעלך." Schließlich bemerken wir, dass wir in dieser Angelegenheit kein Wort weiter verlieren werden. A usterlitz, am 25. Jänner 1884. Simon Diamant, Oberlehrer. Ein coUrgisler. Wort. IV. Nächst der Poesie hat keine Kunst für das innere Leben des Menschen eine so tiefgreifende Bedeutung wie die Musik, denn sie ist eine Weltsprache, die keiner Nebersetzung bedarf. (David Friedrich Strauß.) Die Musik hat unter allen schönen Künsten den stärksten Einfluss auf die Stimmung des Gemüthes zur Freude und auf die Bildung des Herzens. Sie setzt den Menschen in eine Art von Begeisterung und gibt ihm Lebhaftigkeit, Munterkeit und Negheit aller Kräfte. Schon im biblischem Alterthume sind der hervorragenden Männer viele, welche durch die Musik sich erheitern oder zur Weissagung begeistern ließen. Sie theilt sanfte Gefühle mit und zerstört die heftigen und wilden; daher man finden wird, dass Menschen, die viel Sinn für Musik haben, selten hartherzige Menschen sind. Diesen Charakterzug finden wir häufig bei den Kindern unseres Volkes, weil die Musik auch in den Tagen des Trübsales eine Stätte um den Tisch des Herrn fand. Die Musik ist endlich, alS Kunst betrachtet, der schönste Ausdruck der edelsten Empfindungen, welche sich dem Hörenden miltheilen, auch wenn er kein Kenner ist, aber dann um desto mehr, wenn er bie&pvacfye der Töne v ersteht. Gilt dieS von der Musik im Allgemeinen, so gilt es besonders auch von der gottesdienstlichen Musik. Sie soll die mannigfaltigen Empfindungen der Andacht, das feurige Lob des Allerhöchsten, den Dank, dessen das Herz voll ist, und der sich tausend Zungen wünscht, um zu erzählen, was der Herr Großes an uns gethan hat, die sanften Rührungen bei dem stillen Nachdenken seiner Führungen, die kindlichen Bitten, die weinende Neue, das gehorsame Hingeben in seinen Willen, das muthige Vertrauen auf ihn, die entzückende Hoffnung, alle diese Empfindungen zu Gott, die wir so gern im Gesänge ausdrücken, soll die Musik (der ein- oder mehrstimmige Gesang, mit oder ohne Orgelbegleitung), als treue Freundin unserer Andacht, gern Theilnehmerin sein, mit uns loben, danken, bitten, weinen und mit uns frohlocken. ,Die Musik ist die herrschende Kunst der Gegenwart; nicht nur, dass dieselbe in den weitesten Kreisen Eingang gefunden hat, man erkennt in ihr auch zugleich einen wichtigen Theil der Erziehung, und ein erhöhtes und gründliches Interesse an der Tonkunst gilt als eine nicht abzuweisende Forderung an die Gebildeten'. (Brendel.) Um so mehr, verehrte Cotlegen, müssen w i r bestrebt sein, den inneren Bau der Musik zu erforschen und uns nicht damit begnügen, wenn wir die Fertigkeit besitzen, leidlich vom Blatte zu treffen, respcctive zu singen. Mit dieser Kenntnis hat man kaum einen Einblick in den hehren Geist der Musik gethan, noch weniger aber, wenn einzig und allein Alles der Mitwirkung eines mittelmäßig gespielten Instrumentes, bei Einübung eines Tonstückes, überlassen wird. Wir mögen daher die Harmonielehre in ihrer jetzigen Vollendung genau kennen lernen, um den wahren Werth dieser göttlichen Kunst empfinden zu können. Schon die Alten stellten die Mnsik zu den Sehewa Chochmoth und wir späteren Enkel haben gewissermaßen die Pflicht dieser ״Chochmah“, ״L’kicluseh hasehem“ ein bescheidenes Plätzchen, im Lehrgänge für Chasanim, anzuweisen. Möge diese meine Anregung mehr Liebe für die höhere Musik entfachen und Alles, was an Halbausbildung grenzt, aus unserer Mitte bannen. M. Tin tu er, Bunzlau, Preußen. Semiroth l’el chaj. Das vierte Heft der Löwenstamm'schen Compositionen זמירות לאל הי, die drei Feste und Casualgei'ängü enthaltend, ist nunmehr erschienen und bildet den Abschluss des nach vielen Beziehungen höchst beachtenswerthen und interessanten Werkes. Wir brachten den der Feder unseres verewigten Freundes Löwenstamm entstammenden Gesängen, gleich am Beginne der Veröffentlichung derselben, unsere volle und ganze Sympathie entgegen, erhielten dieselbe beim weiteren Erscheinen der Werke frisch und fühlen uns veranlaßt, auch dem Inhalte des vorliegenden vierten Heftes unsere lebhafte Anerkennung zollen zu müssen. Wir bedauern, jetzt keine ausführliche Besprechung der Löwenstamm'schen Gesänge liefern zu können, indem wir der chronologischen Folge unserer Aufsätze: .lieber die Entwickelung des Synagogengesanges' nicht vorgreifen dürfen.—י D o r t wird seinerzeit dieser Nothwendigkeit verdiente und entsprechende Würdigung zuerkannt werden; nur mit wenigen Federstrichen wollen mir es verzeichnen, dass Löwenstamm im V ol l b e wu ßt» sein seiner Aufgabe arbeitete und demgemäß auch Producte schuf, die einerseits die Signatur des Vollendet-Schönen und Künstlerischen, andererseits aber auch den componistischen Stand״ Punkt, wir möchten sagen, das musikalisch-religiöse Glaubensbekenntnis des Autors an sich tragen. Die kleinen, am Kopfe der einzelnen Gesänge vermerkten Jahreszahlen, von 1849 beginnend, sind ja lebendige geschichtliche Zeugen für die rastlose Thätigkeit Löwenftamms, wie für die Reife seiner fachmännischen Anschauungen zu einer Zeit, da es im jüdischen Cantorenthume noch gährte und wogte. Hier finden wir es verzeichnet, wie er, der feinfühlige, nach jeder Richtung hochgebildete Löwenstamm*), an der Tradition festhielt; allüberall ertönt es von Chasanus und jüdischen Melodien, ob in der Mittel stimme des Chores, oder im Orgelsatze, im Präludium oder im Cantorsolo — wo es ihm nur möglich erschien, irgend eine traditionelle Melodie zu verwerthen, da wird die Gelegenheit gewiss nicht verabsäumt, ohne jedoch gegen streng künstlerisches Fug und Recht irgendwie zu verstoßen. — Deshalb erscheinen auch die Löwenstamm'schen Gesänge, wie eine antike Gestalt inmitten eines *) Löwenstamm war abgesehen von seiner technischen Begabung ein Meister mehrerer Sprachen, namentlich der hebräischen und deutschen — ein hervorragender Kalligraph, kur; ein reichtalentirter und dabei raittoS rhätizec Alaun.