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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-02-15 · Heft 6 (15.2.1884) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 6 (15.2.1884)
Date
1884-02-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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- S — Dorschlag -ganz.-,einfach zy.rAchgero lesen, - und..so hat-die ״Tribüne'^ mit dem 26. Jänner aufgeh ört zu erscheinen. Die Antisemiten verlieren eine große, Stütze. , ־. - . , : AeresHau,. 11. Februar 1884. (Orig.-Corresp.) Wie wenig der Antisemitismus die Toleranz, unserer'Ortsbewohner zu beeinflußen oder gar zu hemmen vermag, erwies sich am Deutlichsten bei der am 8. d. M. vorgenommenen Gemeinde-Ausschusswahl. Die vereinigten Ortsgemeinden Tereschau-Salzberg, welche bei der.Wahl en Masse erschienen waren, wählten ,vier Juden * in den Vorstand und soll von diesen ,.Vier" Herr Leo Popper mit Sicherheit zum Bürger- Meister gewählt werden! Herr Leo Popper — ein junger Mann von erst 26 Jahren, der Sohn des erst vor 15 Monaten verstorbenen Fabrikanten und Bergwerkbesitzers I. A. Popper — besitzt einen sehr hohen, weitumfaffenden Grad von Bildung. Er ist neben der deutschen und b.ö h m i s ch e n, der englischen und französischen Sprache in Wort und Schrift gleich mächtig. Sein fester und conseguenter Charakter, eiue Unparteilichkeit, sowie sein taet- und maßvolles Benehmen bei jeder Gelegenheit und in jeder Weise, machen ihn Vertrauen erweckend und Vertrauen gewinnend zugleich und wird schon im Vorhinein mit allgemeiner Befriedigung das Ergebuis dieser Wahl, von der wir nachträglich berichten wollen, begrüßt. Au Ungarn bereitet man sich zu den Neuwahlen in den R cichstag vor, und die antisemitische Partei, welche leider in diesem Lande zusehends im Wachsen begriffen ist, trifft ebenfalls umfassende Vorbereirungen. So zum Beispiel .gedenken, .für das Steinamangerer Mandat drei Antisemiten zu candidiren, nämlich: Jstoczy, Pcumandy und ein Herr Tamasy. Letzterer hat die besten Aussichten, ' weil er seine beiden Rivalen an Judenhass übertrifft. Er besitzt in der Nähe von Steinamanger ein Gut im Ausmaß von ungefähr achthundert Joch, welches ihm seine Großmutter vor. acht Jahren gekauft hat. Tamasy ist ein junger Mensch, der seinen Kops nicht mit allzuviel Studien beschwert hat, verstand von Landwirthschaft nichts und hatte seinen Besitz in einigen Jahren so heruntergebracht, dass er nicht mehr zu halten war, da er nicht nur keinen Heller Ertrag lieferte, sondern noch Unkosten verursachte. Die Felder lagen brach, es war kein Vieh, kein Dünger, kein Samenkorn, kein Geräth mehr vor- Händen, die Wirthschast glich einer Wüste. Nun kam ein ganz gewohnlicher Jude zu ihm und nahm diesen Besitz in Pacht. Tamasy erhielt jährlich 5000 Gulden und lebt sorgenlos. Er war früher kein Antisemit, er wurde dies erst, als er gewahrte, dass der jüdische Pächter aus der verlotterten Wirthschast jährlich 10.000 'Gulden Herausschlage. Lemberg. Der letzten Nummer des ״Lemberger Israelit" entnehmen wir folgenden Bericht, welcher unseren Lesern die traurigen Verhältniße in manchen Gemeinden Galizien's deutlich vor Augen führen kann: .Es ist uns vor einigen Tagen eine in hebräischen Lettern gedruckte deutsche Flugschrift aus Krakau zugekommen, in welcher einige angebliche Schächter und Gcflügelhändler in Krakau der Welt die Eingaben kundgeben, die sie an das hohe Cultusministerium, an die galizische Statthaltcrei und an den Krakauer Magistrat, gegen die Geflügel- und Schlachtfteuer der Krakauer isr. Cultusgemeinde überreicht haben. Daß Leute lediglich in ihrem persönlichen Interesse gegen öffentliche Einrichtungen auftreten und sich hiebei zu Vertretern des Publikums auswersen, das ist leider nirgends ein seltener Fall, daß aber derartige Schriftstücke, die von böswilligsten Denunciationen strotzen, in so schamlos-naiver Weise von den Denuncianten selber veröffentlicht werden, daß die Bittsteller so zu sagen sich selber prostituiren, das zeigt von einem derartigen Mangel jeden Anstandsgefühls, beweist so sehr, die ung-milderte Rohheit des rücksichtslosesten ' Egoismus, daß /m-ay: MM MH.Schznerz:. eine^ solche Verkommenheit inden Tagen-unseres , fortgeschrittener^ Zeitalters * ■ regiftriren muß. Dia Sache ^verdient, obwohl ׳localer! NMrn einiger Erwägung,- da sie wichtige principielle Fragen berührt.' In׳ der^großen 'Krakauer isr. Cultusgemeinde hat.es bis vor nicht langer Zeit keiner d.irecte Cultussteuer gegeben, sondern, die Bedürfnisse der . Gemeinde wurden zum allergrößten Theil durch eine Schlachtgebühr von3 ׳ fl, per'Stü.ck Riud und eine in.der That sehr hohe Geflügelsteuer (7 kr. von ein^r Henne, 12 kr. von einer GanS und 18 kr, von׳ einem Truthahn.) gedeckt. Darin lag allerdings ein großes Unrecht, Denn wenn es. sich auch nicht in Abrede stellen läßt, daß die Umlage einer direeten- Cultussteuer, trotzdem Herr Mernnowicz dieselbe als ein. kostbares .Privilegium' der Juden ausgeschrien hat, sehr empfindliche Nachtheile in sich birgt, . daß die Contribuenten nur sehr ungern zahlen und gehäßige Exemtionen uöthig machen, daß die Eintreibung sehr viel kostet, daß große Beträge der repartirten Steuer uneinbringlich bleiben und daß der Lärm über ״ungerechte Repartition" nie aufhört, so bleibt dennoch die directe anrepartirte Steuer nach oem ge-׳ genwärtigen Stande der Dinge, der einzig theoretisch richtige Maßstab, die Mitglieder zur Befriedigung der Cultusgemcindebedürfnisse heranzuziehen. Die Erhebung angemessener Gebühren für die Benützung der Gemeinde-Einrichtungen durch die Einzelnen wozu auch die Benützung der Koscherschlachtung gehört, hat darum aber auch׳ nicht weniger Berechtigung, besonders da sich viele Mitglieder der directen Umlage leicht zu entziehen verstehen und es wieder ein großes׳ Unrecht wäre, immer nur einen geringen Theil der Gemeinde für deren Gesammtbedürfniß aufkommen zu lassen. Es muß also nach׳ unserem Dafürhalten eine richtige Combination beider Steuersysteme angeftrebt werden, nur eine möglichst gerechte Bestimmung herbeizuführen. Die hohen Behörden waren daher allerdings im vollstem Recht, wenn sie die Krakauer Gemeinde zu einer Ermäßigung der' Schlachtgebühr von 3 fl. auf 1 fl. 50 kr. per Rind und zu einer directen Repartirung von 4000 fl. zwangen, es ist auch ferner gerecht, die übermäßig hohe Geflügelschlachtgebühren zu reduciren, weil׳ das Erträgniß derselben über 20.000 fl. ausmacht und außer׳ allem- Verhältniße zur geringen Cultussteuer von blos 4000 fl. steht, so׳ daß in Krakau die frommgläubigen Juden die allergrößte Last zu tragen haben, während diejenigen, die sich um koscher und trefe nicht kümmern, relativ sehr wenig der Gemeinde leisten oder ganz frei aus' gehen. Es muß uns nur wundern,] daß die Krakauer Gemeinde- Mitglieder und deren Repräsentanz, bis nun keine Reform in dieser Hinsicht einführten, und es wäre daher auch ganz rühmlichst gewesen, wenn gerechte Männer der Krakauer Gemeinde, mit Hervorhebungdieser Umstände, in würdiger, anständiger Weise eine Reform dieser' Angelegenheit bei der Gemeinderepräsentanz und im Falle des Miß-׳ erfolges bei den hohen Behörden urgirt hätten. Allein, die Art, wie einige selbst intereffirte Persönlichkeitpro domo, sich nicht entblöden in einer Bittschrift, die sie noch dazu durch den Druck als Bravourstück veröffentlichen, die Krakauer Cultusgemeine-Repräsentanz, die ganze dortige Cultusgemeinde, jaalle Juden dieserhalb mit Unflath zu bewerfen, gibt ein trauriges,' sehr trauriges Zeugnis, von ungezügelter Wildheit mit der gegen-׳ wärtig das Privatinteresse verfolgr wird, so wie vom ebenso abscheulichen als verächtlichen Denuncianthum, das sich in unserer Zeit leider immer breiter macht. Die Bittsteller gehen von der Ansicht aus, dass die Krakauer Cultusgemeinde im Jahre 1883 rechtloser Weise die Geflügelsteuer' einhebt, weil ihr diese Einhebung von den Behörden blos bis Ende 1882 gestattet wurde. Wahrscheinlich ist die Forterhebung auch für das Jahr 188 3׳ von den Behörden gestattet worden, weil diese bloße Repartition von

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