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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-02-15 · Heft 6 (15.2.1884) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 6 (15.2.1884)
Date
1884-02-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — Ein Mitglied, das anher dieser Leistung lau und passiv bleibt, ist dem Vereine zu Nichts nutze. Um so mehr müssen wir es lobend erwähnen, dass College A. Freisinger in Pilsen, weder Zeit noch Kosten scheute, um sich an der Constituirung der Zweigniederlassung persönlich betheiligen zu können. Er war der Einzige, welcher außer den in Prag domicilirenden Vereins- Mitgliedern bei der Constituirung anwesend war. Hoffen wir dass in Zukunft bei ähnlichen Anlässen die Theilnahmc eine regere sein werde. ■ J Bei der Ausschußwahl drangen sämmtliche in unserem Blatte vorgeschlagenen und vom Vorstande der Centrale empfohlenen Candidaten durch. Wir erblicken in der Wahl dieser Männer die vollste Garantie für das Gedeihen der Zweig- Niederlassung und wünschen über deren Wirken baldigst Bericht erstatten zu können. Zm Nachstehenden veröffentlichen wir das dem Vorstände der Centrale eingesaudte Sitzungs-Protokoll. Protokoll ausgenommen in der am 11. Februar 1884 stattgefundenen, constituirenden Versammlung der Zweigniederlassung des ,Oefterr.- ungar. Cantoren-Vereines' für Böhmen. Gegenstand ist die Vornahme der Wahl und Constituirung des Ausschusses für den Zweigvereinin Böhmen. Anwesend sind die dem Wahlcomite angehörenden Herren: I. Stransky, S. Moor, A. Brod, PH. Bachrach und Z. Weinberger. Ferner Herr A. Freisinger aus Pilsen. Dis Sitzung wurde durch den Obmann Herrn I. Stransky eröffnet. Nachdem derselbe den anwesenden Herrn landesfürstlichen k. k. Polizeicommissär begrüßt, wurde zur Vornahme der Wahl geschritten. Als Scrutatoren wurden die Herren Brod und Bachrach gewählt. Es sind mittelst Post 25 Stimmzettel eingelaufen und 6 wurden von den oben angegebenen, anwesenden Herren persönlich überreicht. Das Ergebnis der Wahl ist folgendes: Als Obmann wurde Herr Salowon Moor mit 28 Stimmen gewählt. Als Ausschussmitglieder: Herr Adolf Brod in Prag mit 29 Stimmen, ״ I. Körner in Smichow ״ 29 ״ II Em. Fränkel in Strakonitz 11 28 ff PH. Bachrach in Prag ,, 28 ״ ״ Arm. Freisinger in Pilsen ״ 27 ״ ״ Jom Stransky in Prag ״ 26 ״ ״ M. Kulka in Kolin 1f 25 n ״ Z. Weinberger in Prag fl 24 n Sämmtliche anwesende Herren haben erklärt, die Wahl anzunehmen. Darauf wurde zur Constituirung des Ausschusses geschritten. Herr Obmann S- Moor übernimmt den Vorsitz im neuwählten Ausschüsse. Mit Stimmenmehrheit wurden gewählt: Als Obmann-Stellvertreter Herr I. Stransky, ״ Schriftführer ״ Adolf Brod ״ Cassier ״ Philipp Bachrach. Sämmtliche Herren haben erklärt, die Wahl anzunehmen. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Prag, den 11. Februar 1884. Adolf Brod, Salomon Moor, . ׳ , . Schriftführer. Obmann. Ein collrgiales Wort. ui. Man kann gewiss ohne Uebertreibung behaupten, dass die öfteren Zusammenkünfte, wohl nicht das einzige, doch gewiss das vorzüglichste Mittel zur Fortbildung des Cantors und Lehrers stets gewesen sind. Alle Berufsclassen tauschen persönlich von Zeit zu Zeit ihre Anschauungen, Ziele und Erfahrungen zum Wohls Aller aus. Sollte darum der Cultusbeamte von dieser Institution allein Zurückbleiben? Sollte, ja muss er nicht vielmehr, nach so vielen Beispielen des ehrlichen Fortschrittes, die er vor und hinter, über und neben sich erblickt und allenthalben wahrnehmen kann, wenigstens der Mehrzahl nachahmen und mit dem/bereitwilligsten Herzen auf seine eigene Fort- und Ausbildung bedacht sein, welche er bei einigem guten Willen nicht nur durch Selbststudium, durch Lesung nützlicher Fachwerke (auch andere Schriften und Werke, welche die allgemeine Bildung fördern, sind nicht ausgeschlossen), sondern auch durch mündliche Unterredung mit tüchtigen Fachgenossen begründen und erweitern kann Auf diese Weise vermehrt er seine Kenntniße und manchen Nutzen erzielt er für sein Amt. Rakhsam dürfle es erscheinen, wenigstens in einigen Jahren einmal einen anerkannten Cantor bei dessen Functionen im Gotteshause zu hören, dadurch wird Jeder sicher ein schablonenmäßiges Necuativ vermeiden. Ebenso nothwendig dürfte es für den jungen Lehrer sein, auch in einer anderen Schule einige Stunden zu hospitiren, um manche sogenannte Kunstgriffe in den verschiedenen Methoden kennen zu lernen. Hier wie dort werden Ansichten und verschiedene Meinungen über Gottesdienst und Schule debattirt und ausgetauscht und die Weiterbildung jedes Einzelnen ermöglicht. In solchen Zusammenkünften (auch nur in einzelnen Bezirken) und den darin gepflogenen mündlichen Unter- Haltungen lernt man manches falsche oder irrthümliche Vorurtheil, das so Mancher aus Gewohnheit fefthält. vom wahren und richtigen Sachverhältniße unterscheiden; man erwirbt sich klare Einsicht und bessere Begriffe und wird unvermerkt auf jenen schulgerechten Weg gelenkt, den mau sonst von selbst nie würde gefunden haben. Die Weiter- und Fortbildung bewirkt überhaupt, und beim Cultusbeamten insbesondere, nicht nur das Gute, dass sie im Allgemeinen der unvermeidlichen Vergessenheit sicher vorbeugt, sondern sie lässt ihn mit Sicherheit Abwechslungen vornehmen und nicht beim ewigen Einerlei bleiben, was ihn in Erfüllung seiner ohnehin schweren Amtspflichten freudiger macht und dadurch ihm manche unangenehme Verlegenheit selbst erspart wird. (Insbesondere dem jungen Collegen.) Durch die Weiterbildung schreitet er mit dem Zeitgeiste vorwärts; sie erleichtert ihm selbst das Amt und sein Wirken wird ein sichtlich gesegnetes werden. Wenn nur beständige Uebung den Meister macht; wenn Stillstand als wirklicher Rückschritt angesehen werden muss: so erscheint die tägliche, ja stündliche Weiterbildung für jeden Cultusbeamten nicht nur als unerläßliche Nothwendigkeit, sondern auch als heilige Pflicht, welcher er sich zum Nutzen und Frommen des ihm anvertrauten Amtes unterziehen muss, will er dem Willen Gottes genügen und dem gerechten

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