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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-01-30 · Heft 4 (30.1.1884) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 4 (30.1.1884)
Date
1884-01-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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:bcu Statuten des Vereines zuwiderlänfr — wo, frage ich, wäre der gefürchtete Nachtheil, der unserem fast durckgehends autodidactischen Cantorenthume daraus erwüchse? Wer mir diese -Cardiualfrage voll und fachgemäß beantwortet, der zwingt mich, an dieser Stelle ein ״Hut ab!" zu rufen. Doch Pardon! Ich versprach ja den Thatsachen das Wort zu überlassen; blicken wir zu diesem Zwecke in ein Nachbarland. Mit dem ersten Beispiele — dies zur Beschwichtigung aller, um ihre Stellung bangenden College!! — ging, wie immer, das ״intelligente Deutschland" voran, und dieses Beispiel, der Stolz der deutschen Zudenschaft, wäre zweifelsohne auch hierzulande nachahmenswerth. Aber selbst in Deutschland existirt, meines Wissens, keine hohenorts autorisirte Cautorenschule in des Wortes wahrem Sinne; einige Privathäuser ausgenommen, wo das -Cantorendrillen lediglich als Nebenerwerb, dafür aber systematisch betrieben wird und welche Jedem, der Luft und Neigung dazu verspürt, für gute Bezahlung mit oder ohne Vorstudien zugäng' .lich sind, besitzt die Berliner Zsraelitengemeinde ein Seminar für angehende Schullehrer und Theologen. Den dazu Eignung habenden Frequentanten dieser Anstalt ist es nebenbei ermöglicht auch im cantoralen A. B. C. Unterricht zu genießen, wozu, wenn ich nicht irre, seiner Zeit ein eigener Lehrstuhl investirt wurde. Woblgemerkt ״nebenbei", indessen das Hauptmoment unter allen Umständen das gleiche bleibt: schultüchtige Lehrkräfte und kanzelfähige Theologen heranzuziehen. Deren, nämlich dieser ״Semi׳!!arischen", welche ״nebenbei" Amt und Würde eines Cantors begleiten, gibt es denn auch in deutschen Gemeinden sehr sporadisch und in sehr geringer Zahl, überdies vermissen wir darunter Sterne erster Größe. Diese kamen in der Negel und kommen .nach wie'vor zumeist, gleichviel ob mit oder ohne Einladung, aus dem seminarlosen Rußland und Oesterreich ״zugereist". Daraus ist ersichtlich: dass die Productivfähigkeit eines Seminars mit gleichzeitiger Heranbildung von Vorbetern, aber such die Productivsähigkeit einer Cautorenschule in dieser alleinigen -Eigenschaft mit dem allgemeinen Bedarf an Cantorenmaterial nie und niemals gleichen Schritt zu halten vermag; ebenso flar tritt hieraus zu Tage, dass der israel. Cantor, analog seines Stammes, etwas Künstlerisches, Natureigenes in sich vereint, das aller obligaten Schulabsolution Hohn spricht. Damit aber soll den Männern Von-sich-selbst keineswegs Thür und Thor geöffnet werden. Jedes Studium, und wäre es von natürlichen Anlagen wie immer unterstützt, erfordert einen ganzen Mann. Leider können wir uns der Ueberzeuguug nicht verschließen, dass die Welt, wie sie gegenwärtig ist, auf Diplome und Proteges viel hält und documentirt dieses sehr schlagend durch die laue Behandlung, mit der man vorzüglich in kleinen Gemeinden dem nicht irgend aus einer Schule hervorgegangenen Cantor zu Theil werden läßt. Indessen ist der Zauber eines Diploms nicht besonders geheuer und lastet der Fluch der Unbeständigkeit ebenso schwer zu Häupten jener gefeit sich Wähnenden, gleichwie er an die Person manches nicht diplomirten Cantors sich kettet. Ob und wann dieses Cantorenelend in der Geschichte aufhören wird — darüber läßt sich vorderhand nichts Bestimmtes voraussetzen. Einer durchgreifenden Reform der Cantorenfrage muss eine durchgreifende.Reform des israel. Gesammtcultus vorangehen. Darüber ein anderes Mal. I. Schwarz. Mähr.-Weißkirchen. Kleine Chronik. Wien. Die hiesige israelit. Allianz bat für das israelitische Waisenhaus und für die israelitische Volksschule in Brodi 400 fl. je zu 200 fl. gespendet. Wie bereits mitgeheilt wurde, hat sich die ,Allianz' zur edlen Aufgabe gestellt, für unsere Glaubensgenossen in Galizien, besonders für die Beförderung von Cultur und Bildung, wohltbätig zu wirken; demzufolge ist es wirklich Pflicht unserer galizischen Glaubensgenossen, dieser ״Allianz" beizutreten, umsomehr da der jährliche Beitrag blos 3 fl. sich beziffert, und die ״Allianz" für jede wohlthätige Sache so gerne reichlich spendet. Wertin. Für die Feierlichkeit bei der Beerdigung LaSker's in Berlin wurde folgendes Programm festgestellt: Die Hauptfeier wird in der Synagoge stattfinden und es sollen dazu die Abgeordneten aller liberalen Parteien versönlich eingeladen werden. Wer die Trauerrede in der Synagoge halten wird, ist noch nicht endgiltig festgesetzt, man glaubt aber, es werde entweder der Oberbürgermeister von Forkenbeck oder der Freiherr von Stauflenberg diese Ehrenpflicht Namens aller Freunde des Todten übernehmen. Von der Synagoge aus wird sich der feierliche Leichenzug nach dem alten jüdischen Friedhofe in der Schönhauser Allee in Bewegung setzen. An diesem Zuge gedenken sich alle liberalen Vereine der Hauptstadt, Handwerkervereine u. s. w. zu betheiligen; desgleichen werden in demselben die städtischen Behörden vertreten sein; besondere Magistrats-Deputirte in Amtstacht mit Marschallstäben werden den Zug geleiten, und die äußere Ordnung in die Hand nehmen. Nach der Feier in der Synagoge, am 28. Abends, wird noch eine politische Gedächtnißfeier abgehalten werden, bei welcher der Abgeordnete Bamberger als Redner fungiren wird. Ein paar Wochen später gedenkt dann noch der Berliner Handwerkerverein eine große Gedächtnißfeier zu veranstalten, deren musikalischen Theil Professor Joachim zu leiten übernommen hat, während die Gedachtnißrede selbst vom Abgeordneten Rückert gehalten werden wird. Werkln, 28. Jänner. Die heute Mittags erfolgte Bestattung Lasker's war namentlich in Folge der großartigen Betheilizung des Publikums eine erbebende Feier. Unter der Kuppel der großen Synagoge in der Oranienburgerstraße stand vor der Kanzel der Metallsarg, über welchem ein Berg von Kränzen und anderen Blumenspenden aufgeihürmt war, welche von den liberalen Parteien, dem Berliner Handwerker- und Arbeitervereine, von Lasker's Vaterstadt Jaroschin, dem Verein ״Berliner Presse", der Wiener ״Concordia", zahlreichen Berliner und auswärtigen Vereinen und vielen Freunden und Verehren Lasker's gespendet worden waren. Das weite Hans war in allen Räumen dicht gefüllt- Das Mittelschisf nahmen die Abgeordneten des Reichstages und Landtage» ein, unter ihnen neben den vollzählig erschienenen Mitgliedern der liberalen Parteien als Vertreter der beiden Präsidien Levetzow, Hseremann und Benda, sowie Mitglieder des Centrums und der Conservativen, so namentlich Windthorst, ferner Notabilitäten der Wissenschaft, wie Werner Siemens, Mommsen, Albrecht Weber, endlich Forckenbeck an der Spitze des Magistrats. In den Seitenschiffen reihten sich die Vereine und einzelnen geladenen Gäste aneinander. Auf den Galerien befanden sich die Damen in Trauer. Die Feier begann mit dem vom Chor gesungenen Bibelverse: ״Der Mensch, wie Gras sind seine Tage", worauf die Trauerrede des Rabbiners Frankel folgte, welcher als Grundzug von Lasker's Charakter Wahrhaftigkeit und ideales Kämpfen für Freiheit und Recht feierte. Nach einem weiteren Gesänge folgte Kapp'ä schlichte, aber herzliche Rede. Derselbe sagte: ״Lasker gehörte nicht blos dieser Gemeinde an, er war ein nationaler Mann, an dem ein großes Volk trauert, ein internationaler Ritter, den die ganze gebildete Welt geehrt hat. Hier muss der Parteistreit schweigen und zurücktreten vor jener höheren Einheit, der Liebe zum Vaterlande, in dessen Dienste Lasker und wir

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