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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-01-22 · Heft 3 (22.1.1884) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 3 (22.1.1884)
Date
1884-01-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — Vorstand des österr.-ungar. Cantorenvereines, zur Wahrung der Interessen seiner Mitglieder, eine Petition an das hohe Ministerium, sowie an die gesetzgebenden Körperschaften richte. Wir geben uns wohl in dieser Beziehung nicht allzu überschwenglichen Hoffnungen hin, wir sind sogar überzeugt, dass die Nealistrung unserer berechtigten Wünsche auf viele Swierigkeiten und Hinderniße stoßen werde, jedoch immerhin müffen wir unsere Pflicht thun und Nichts unversucht lassen, was zum Wohle unseres Standes ausschlagen könnte. Zum Schluffe unserer heutigen Betrachtungen wollen wir noch auf eine andere wichtige Frage zurückkommen, die wir nicht ohne Absicht in derselben Nummer, in welcher die Gründung einer Cautorenschule ange regt wurde, an leitender Stelle besprachen. Es ist dies die' Gründung eines Penstons- und Unterstützungsfondcs. Trotzdem von allen Seiten dieser Frage eine größere Dringlichkeit als der Cautorenschule zuerkannt wurde, und trotzdem wir in unseren damaligen Ausführungen ausdrücklich an unsere College» und Mitarbeiter das Ersuchen stellten, mit dem dieser Sache würdigen Ernste an die Erwägung derselben zu׳ schreiten, bat sich über die Errichtung einer Cantorenschule eine ganze Literatur gebildet, während über die Art und Weise, wie am leichtesten und zweckdienlichsten ein Pesions- und Unterstützungsfond zu gründen wäre, Niemand ein Sterbenswörtchen vernehmen ließ. Und gewiss wäre der gelammte Verein einem Jeden für eine glückliche Lösung dieser Angelegenheit zu großem Danke verpflichtet, und dem Vorstände wäre es höchst erwünscht darüber die Meinungen und Ansichten der Vereinsmitglieder zu hören. Es ist ja vielleicht möglich, dass er sich auf falschem Wege bcsindet und ein Anderer das Ziel leichter und schneller erreichen könnte. Denjenigen also, welchen es stets beliebt, längst Besprochenes immer wieder vom Neuen mit epischer Breite plattzutreten, rufen wir zu: Hie Rhodas, hie salta. Ueber ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges"*). Von Obercantor I. Singer in Wien. ' < I. ,Wer bat Bedeutenderes im Bereiche des Synagogen-Gesanges geleistet? «SulzeL oder Lewandowsky, Naumburg oder Weintraub? re.' hört man oft von Laien oder Fachmännern flüchtig fragen und leider, je nach subjectiver Anschauung oder Parteivoreingenommenheit, noch viel flüchtiger beantworten. Ja! dürften die Schöpfungen unserer Componisten mit ein und demselben Maße gemeffen werden, dann wäre die Beantwortung dieser hochwichtigen Frage wirklich auch leichter, als es der Fall ist. Die Präcisirung des Bedeutungsgrades eines Compvnisten im Verhältnisse zu einem andern derselben musikalischen Gattung erheischt in erster Neihe die gewiffenhaneste, fachmännische Beurtbeilung eines jeden Einzelnen innerhalb der Zeit-, Orts-, Publikums׳ und sonstiger Verhältnisse, die für dessen *) Bereits vor längerer Zeit, als ich noch in Nürnberg amtirte, habe ich diese Arbeit mit vielem Interesse im ׳Bromberger ^Indischen Cantor« begonnen, wurde aber!Heils durch meine Uebersicdlung nach Wien, thcils durch Aeberbäuiung von Arbeiten an der Vollendung derselben bisher gebindert. Gewisse Umstände, hauptsächlich aber meine selbstverständlich freundichafilichen Beziehungen zu unserem Vereine-organe, der österreichisch-ungarischen Cantoren- Zeitung, verai'laffcn mich nun jetzt, diese Arbeit, die ich wegen der Wichtigkest des Tbema^s nicht gerne unvollendet' lasten mochte, hier zum Abschluß zu bringen. Um dieselbe jedoch als Ganzes den Leiern dieser geschätzten Blätter vorzulegen, mögen vorerst die bereits i!n ,Jüdischen Cantork erschienenen Fortsetzungen zum Abdruck gelangen. Suig-r. Leistungen maßgebend sein mußten. Es dürfen die Personen der verschiedenen Epochen keineswegs ihrer Zeit und '׳ihrem Platze entrückt und einem beliebigen gemeinschaftlichen Beurtheilungsrahmen einverleibt werden; jeder auf seinem Platze, jeder in seiner Zeit werde gewissenhaft studirt, und die aus diesem Einzelstudium gewonnenen Products müffen dann allerdings gegenüber gehalten werden, um ein vollwichtiges Werthschätzungsverhältniß zu ermöglichen. Wir erfahren sodann, dass manch' unscheinbares- Pflänzlein der guten alten, aber für Kunstleistungen noch ungünstigen Zeit bedeutender ist, als die unter der Sonne freier Enfaltung einer späteren Periode entstammende mächtige Eiche; dass aber auch manches winzige, neuere Product in fortschrittlicher Beziehung dem älteren, seinerzeit als hervorragend anerkannten Namensbruder vorzuziehen sei. Die gewiß bedeutenden ,Madrigale Caffella's Marenzi's' und Nachstreber wurden durch die neue Erscheinung der Cantäte ״Cariffimi's" und sogar der seiner Schüler vollständig verdrängt, bis auch diese wieder dem mächtigen Flügslschlage einer zeitgemäßeren Richtung, den Kirchencantaten und Passionen Bach's, vollständig weichen mußten. — So gewaltig auch die Schöpfungen Bach's waren und ewig bleiben, man mußte dennoch die Oratorien Händel's als Fortschritt auf musikalischem Gebiete begrüßen; obgleich es gewiß Keinem einfiele, Händel Bach gegenüber die Palme reichen zu wollen. — Wir sehen demnach — und die Beweise bis auf unsere Zeit bestärken uns in unserer Annahme — dass gerade durch ein allgemeines Eingreifen und Streben, durch gegenseitiges Stützen und Befruchten der großen Idee der musikalischen Formvollendung immer näher gerückt wird und gewiß ist mit den weltbekannten Namen unserer gefeierten Compomsten die Liste der wackeren Mitarbeiter am großen Werke nicht erschöpft; im Gegentheile hätte der Träger so manchen längst vergessenen Namens durch seine Einflußnahme auf die Formentwickelung der Musik es eber verdient, genannt zu werden, als Mancher, dem oftmals ׳ nur die Verhältniße den Lorbeer reichten. — Weshalb dürfte der vor uns, wenn auch bimmelanstrebende Berg nicht zu überschreiten gewagt werden, wenn der kühne und psadkundige Bergbefteiger nur von dem erhabenen Gedanken beseelt ist, der Mit- und Nachwelt möglicherweise einen Dienst zu erweisen? Das musikalische Streben und Schaffen hat ja ebensowenig mit dem großen Bach aufgehört, als eine musikalisch hervorragende Schöpfung nach Beethoven unmöglich geworden. Konnte und durfte demnach die Geschichte des synagogalen Gesanges bei Sulzer's Werken stehen bleiben? — oder darf nach Lewandowsky Niemand mehr für die Synagoge musikalisch thätig sein? Es wäre leichtfertig, solche Fragen zu stellen, wenn man nicht wiederholt kühnen Behauptungen überschwänglichen Lobes oder vernichtender Kritik begegnete, die geradezu zwingen, solche oder ähnliche Fragen anstatt der Antwort stellen zu müffen. י Die unparteiische Behandlung dieses wichtigen Gegenstandes soll den Inhalt mehrerer in diesem Blatte erscheinender Aufsätze bilden; und es wird uns herzlich freuen, nach der bezeichneten 'Richtung hin auf den Gedankenaustausch der geehrten Herren Collegcn anregend gewirkt zu haben. Ueber die mannigfaltigen Kunstleistungen und Wissen, schaftszweige der alten Hebräer, wie Baukunst, Strategie, Arzneikünde rc. bietet uns schon die Bibel ganz erkleckliche Anhaltspunkte; doch vergebens suchen wir in den Blättern der ältesten und alten Geschichte nach einer Andeutung über den Charakter jener erhabenen, beim Tempeldienste in Jerusalem gebräuchlichen Gesänge. — Selbst Josephns und Thilo bezeichnen nirgends die Sangesweise, sondern stets nur die.Sangesart, d. h. die Art,

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