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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-01-06 · Heft 1 (6.1.1884) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (6.1.1884)
Date
1884-01-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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-tra Gesänge das in der Sprache sich kundgebende Gefühl mit dem ihm innewohnenden Geiste zum möglichst vollkommenen, in eine schöne künstlerische Form gebrachten Ausdruck bringe." Dieses Werkchen sei nicht nur allen im Gesänge Unterrichtenden, )'011־ dern auch vorzüglich den Müttern und Erzieherinnen auf's Wärmste empfohlen. A. Panseron, der vorzügliche Gesanglehrer am Pariser Conservatorium (1795—1859) hat ein ״Musikalisches A-B-C" allen Familienmürtern zum Unterricht der Kinder gewidmet. Der Verfasser einer mit Recht berühmten Gesangschule hat in diesem ״A-B-C" in sachgemäßer Weise die Anleitung zum allerersten Gesangunterrichte gegeben. Ein guter Schulgesangunterricht kann das von der Mutter Begonnene fortsetzen oder ergänzen, bis nach erfolgter Mutation und vorgeschrittener allgemeiner Ausbildung des Körpers der wirkliche Unterrftyt zur Erlernung eines kunstgemäßen Gesanges beginnen kann. Ferd. Sieber in seinem ״Vollständigen Lehrbuch der Gesaugskunst (zum Gebrauche für Lehrer und Schüler des Sologesanges. Heinrichshofen'sche Musikalienhandlung, Magdeburg und St. Louis Mo., 1858)" schreibt: ״Drei Anforderungen sind es, die wir an den Gejangschüler stellen müssen, will er irgend einen Erfolg seiner Studien erlangen, nämlich: eine kräftige Brust und gesunde Lunge, ein gutes musikalisches Gehör und eine schöne und umfangreiche Stimme." Die eisten beiden Erfordernisie können, bei sonst gesundem Körperbaue, durch die Befolgung der im oben angegebenen Werke von B. Widmann ausgestellten Regeln allenfalls noch erworben werden, das letzte aber muss in seiner ersten Hälfte wenigstens gegeben sein, da ohne eine von Natur schöne Stimme eine wirkliche künstlerische Ausbildung überhaupt nicht zu erreichen ist. Anders ist es mit dem Umfange der Stimme und Sieber sagt hiervon: ״Ein Sänger muss wenigstens über anderthalb bis zwei Octaven von Tönen disponiren können, der Dilettant mag sich recht wohl mit -einer bis anderthalb Octave begnügen. Jener muss Alles zu singen im Stande sein, was für seine Stimmgattung geschrieben ist, Dieser sucht sich diejenigen Composilionen heraus, die dem Umfange seiner Stimme entsprechen, oder transponirt das zu Höhe oder Tiefe. Vom Sänger verlangt man Kraft und Fülle der Stimme, der Dilettant kann auch durch eine weiche, schwächere Stimme sich Anerkennung verschaffen. Wer wollte deshalb die Dilettanten vom Gesänge ausgeschlossen wissen? Ist nicht das Verhältnis der Sänger zu den Dilettanten, wie 1 zu 100, und haben wir nicht in neuester Zeit oft Dilettanten singen hören, die mit geringen Stimmmitteln durch technische und geistige Tüchtigkeit einen weit höheren künstlerischen Standpunkt einnahmen, als mancher Pseudokünstler mit einer eolossalen und prachtvollen Slim c?" Dieses Werk von F. Sieber, dem theoretisch wie praktisch vorzüglichen Gesangmeifter, sollte in den Händen eines Jeden sein, der dem Studium des Kunstgesanges den rechten Ernst enrgegenbringl und also auch über alledurch dasselbe bedingte Nebenfragen sich genauer zu unterrichten wünscht. , Noch sei-auf eine kurzgefaßte praktische Anleitung, besonders für Solche, welche sich einige Kenntnisse von der Theorie und Unterrichtspraxis des Gesanges verschaffen wollen, hiermit aufmerksam gemacht. Es ist dies der bei W. Müller in Berlin 1871 erschienene ״Leitfaden für den Anfang des Gesangunterrichtcs von F. A. Lorche". Dieses Werkchen enthält außer allgemeiner Angabe der nöthigen Hebungen auch eine Reihenfolge der vorzunehmenden׳Uebungsstücke und dürfte mancher nach Vervollkommnung strebenden Sängerin willkommen und von Nutzen sein. Dass ich einer bestimmten Lehrmethode hier ausschließlich das Wprt reden sollte, wird gewiss Niemand erwarten. Können doch die mannigfachsten Wege zu dem gleichen Ziele führen und ist bei der Verschiedenheit der Individualitäten, die Anwendung'/ einer einzigen ja so wie so nicht möglich..— Schon genüg, wenn! redliches Wollen und sittlicher Ernst bei Lehrer und Schüler sich' ergänzen. — Der Erfolg wird dann nicht ausbleiben! Für junge Sänger und Sängerinnen würde ich unbedingt! die Privatausbildung durch anerkannte Lehrmeister und Meisterin? nen einem Conservatoriums-Unterricht vorziehen. Ich erinnere mich, dass auch die große Wilhelmine Schröder^ als ich sie in meinem jugendlichen Enthusiasmus einst aussuchte und über die Ausbildung meiner Stimme befragte, mir in ihrer lebhaften Weise sagte: ״Nur zu einem tüchtigen Meister oder einer Meisterin gehen, — nicht in eine Musikschule! Das mögen allenfalls die Geiger und die Spieler aller Art thun und vor Allem die werdenden Componisten aber nicht die Sänger. — Keinerlei Nebendinge treiben wollen während des Studiums des Gesanges — nicht allerlei verschiedenen Lehrern znhören, sondern in einer einzigen Hand bleiben, auch keine Spielereien und Eifersüchteleien mit Mitschülern anfangen. — Still, ernst und mit heiligem Eifer bei Einem und für sich allein stndiren". Auch hier gilt unseres Altmeister Göthe's Wort: ״Am besten ist's, wenn ihr nur Einen hört Und auf des Meisters Worte schwört." Zum Schluss sei noch des Einflusses gedacht, welchen nicht blos die Bildung der Stimme, sondern auch das Klima des Vaterlandes' eines Gesangkünftlers auf die Entwickelung des Gesangorganes hat. Rußland bietet merkwürdiger Weise Frauenstimmen von gleichem Timbre wie Italien; Frankreich ist weniger gesegnet mit Gesangskehlen, doch findet sich bei Heller Klangfärbe eine bedeutende Volubilität, die hellsten Stimmen in der Farbe liefert aber wohl das nebelvolle England. Flötenartige Singstimmen bringt Schweden. — Die deutschen Stimmen sind voll Kraft und Glanz, — man könnte sie wohl als die Lerchenstimmen bezeichnen im großen Sängerchor — der eigentliche Nachtigallenton aber wohnt, mit seltenen Ausnahmen, doch nur 'in der italienischen Kehle. Allein, wie undwo es auch tönen, singen, trillern und jubeln mag — gesegnet und gepriesen für alle Zeit sei sie, die herrliche und geliebte Kunst des Gesanges, deren Zauber unser Schiller in den schönen Worten feiert: ״Leben athme die bildende Kunst, Geist ford'r ich vom Dichter, Aber die Seele spricht nur Polyhymnia aus!" Jajsels letzte Tage und dessen Leichenbegängnis. G r o ß - K a n i z s a, im Jänner 1884. (Orrig.-Corresp.) In Folge einer Störung der Verdanungsorgane, litt der ohnehin schwache Greis in den letzten Tagen an Appetitlosigkeit und nahm täglich mehr ab. Etwa am 18. Deeember stellte sich auch noch eine ihn gänzlich niederdrückende Cholik - mit Fieber ein, und die Aerzte erklärten in Anbetracht des vorgerückten Alters die Krankheit für gefährlich, gaben jedoch die Hoffnung nicht auf, denn der Kranke war noch immer außer dem Bette, hielt sich mit voller Kraft aus, schlich im Zimmer auf und nieder und glaubte bei seinem zähen, eisernen Organismus, den er durch feine, abgehärtete Lebensweise — kalte Waschungen — starke körperliche.Bewegung — jahrelang gekräftigt, zu überwinden; -doch am 22. constatirten. die Aerzte, daß an den Füßen Lähmung eingetreten wäre, und der Kranke mußte das lang gefürchtete Bett aufsuchen. — Schreiber Dieses war zugegen, als man den schwachen Kranken in das Bett brachte, und das traurige Ende voraussehend, sprach er: ״Diesmal 'verliere ich den Proeeß. — Meinte er den Lebensproeeß? War es ein Nachklang seiner geistigen Beschäf-

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