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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-01-06 · Heft 1 (6.1.1884) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (6.1.1884)
Date
1884-01-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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.armselige Begründung der Erfolglosigkeit eines bis nun geleiteten Unterrichtes. Also dem Eantorjünger gegenüber kann sich die Tüchtigkeit deS LebrerS nickt bewähren, im Gegentheile der Vortragende oder Lehrer kann auch ein Stümper sein, wenn nur der Schüler reick beanlagt ist, so wird er dennoch ,— man höre und staune — schon nach 6 Lectionen als b e ss ere r und würdigerer Cantor die Anstalt verlassen. Wer lacht hier, oder denkt nicht unwillkürlich an Professor — .Herrmann? Wenn eine vom Staate autorisirte Anstalt zur Regelung der jüdiich-cantoralen Angelegenheiten creirt werden sollte, so Müßte sie wahrlich ihre allererste Thätigkeit der Vernichtung solcher unfaßbarer Anschauungen und der Regelung dieses von solchen Anschauungen influirten Lehrsystems und der Lehranstalt zuwenden. Schon deshalb wäre eine Cantorenschule nothwendig. (Ein zweiter Artikel folgt.) Replik. Zwei Gründe waren es, die mich veranlassten, mit meinem Artikel ,Die Cantorenschule* vor das Forum der Oeffentlichkeit zu treten. Einerseits wollte ick damit meine lang gehegten und reiflich überlegten Ansichten über die Nvthwendigkeit der Gründüng einer solchen zum Ausdrucke bringen, und anderseits das pro und contra meiner verehrten College» von Nah und Fern vernehmen. Auf eine Fluth von Gegenvorstellungen gefaßt, muss ich jedoch mit Genugthuung constatiren, dass mir statt deren Beweise voller Anerkennung geworden sind; nur von einer einzigen Seite, von der ick es am allerwenigsten erwartete, wurde ich in einer Weise angegriffen, bekam ich Gegenansichten zu hören, bei denen es großer Zurückhaltung meinerseits bedurfte, um sie nicht in der ihnen gebührenden Form zu widerlegen. Es ist eigentlich höchst undankbar, sich in eine Polemik Mit einem Manne einzulassen, der — notabene als College — in so absichtlich verächtlicher Weise über den Cantorenstand überhaupt denkt und nicht Anstand nimmt, durch die Veröffentlichnng solcher Ansichten, durch seine schleckt angebrachten Witze und jedenfalls unüberlegten Ausdrücke, diesen unseren heiligen Stand in den Koth zu zerren. Wohl mag der Körper des Herrn Adler, als er daran ging, meinen Artikel mit seiner Erwiderung zu beehren, in Ung. Hradisch gewesen sein, sein Geist scheint sich jedoch auf eine entsernte Pnßta Ungarns verirrt zu haben, wo eben Neb Nachmiel, Federnbändler, Trauungen vornabm und Jeikele Katz, Hasenbalg-. Händler, Segenssprüche sprach, oder wo der Rabbiner als LuxuS- .artikel angesehen wurde und der Cantor selbst sich seiner ,1111־ willkürlich a uf g e d ru n g en e n(?) Kutte' schämte. Zur Sacke selbst zurückkehrcnd, will ich bemerken, dass wir beim Lesen der gegnerischen Erwiderung die Geschichte von Balak und Bileam eingefallen ist. Auch Herr Adler wollte, wenn auch nicht stuchen, so doch mit seiner vermeintlichen Donnerkeule alle triftigen Gründe für die Cantorenschule mit .einem Schlage vernichten. Herr College Bileam — pardon Adler, — Sie haben gerade das Gegentheil hievon bewirkt, und weil alles,' was Sie in Zhrer Erwiderung anführten, eben für chie Gründung einer Cantorenschule spricht, werden Ihnen die Anhänger derselben nur Dank wissen. Ich kenne viele sehr gute Cantoren, die aus Böhmen, Mähren und Oesterreich sind, ja ich kenne sogar ausgezeichnete »Cantoren in Ungarn, die sich von Jugend auf diesem heiligen Berufe widmeten, Collegen, deren Fähigkeiten Ihnen, meines Wissens, persönlich bekannt sind. Ihre Behauptung, dass blos Galizien sein Contigent an Cantoren stellt, während in Ungarn die Cantoren nur Neberläufer eines anderen Standes deshalb sind, weil ihnen der frühere nicht genug einträglich schien, ist daher ganz unrichtig und unwahr. Aber ich frage Sie, Herr Obercantor, wie wollen Sic diesem Uebelstande abhelfen, ich frage Sie, wo soll sich der junge Mann, der für diesen Stand Vorliebe hat, zum Cantor VM »Jugend auf' heranbilden, wenn nicht in einer Cantoren- ' schule?!! Sie stimmen weiter eine Jeremiade über jene Canroren an, die auch Schochtim sein müssen, weil eine kleine Gemeinde nicht in der Lage ist, einen Cantor und einen Schocket anzustellen. WaS haben Sie uns da Ne^res erzählt? Es ist unS zur Genüge bekannt, daß ein solcher Cantor nicht auf Rosen gebettet ist, aber waS hat die ,Schechita* mit dem Cantor zu thun? Oder finden Sie das Amt eines ,Schochet' denn wirklich so verächtlich,' daß einem Cantor die Schamröthe in's Gesicht zu steigen braucht, weil er nach dem Schlachten die Functionen eines Canhors verrichten soll?? Merkwürdig! Wissen Sie also nicht, dass die Schlachtung selbst eine streng religiöse Handlung ist und bei derselben die Benedeiung Gottes ausgesprochen wird? Und wenn Sie selbst zugeben, dass die kleinste Gemeinde einen geschulten Cantor und Chor verlange, widersprechen Sie sich hierin nicht selbst? Von wo soll sich dieser sein Wissen mitbringen? Etwa von der Hohenemser Gemeinde, für deren Neform Sie sich in Ihrer Eigenschaft als Obercantor auf so nnerklärliche Weise begeistern? Welche Achtung haben Sie vor sich selbst, welche Würdigung soll denn Ihre Gemeinde vor dem Cantor haben, wenn ihr eigener Obercantor für Reformen der Hohenemser Gemeinde Propaganda macht? Dass der Cantor einer kleineren Gemeinde schlechter gezahlt wird, als in einer großen, ist einleuchtend, hat ec doch auch nicht die Bedürfnisse, wie der Cantor in der Stadt. Betrachten Sie doch einmal den Lehrerstand! Muss der Lehrer, der nicht das Glück hat, eine Anstellung in der Residenz zu erhalten, sondern in eine kleine Stadt versetzt wird, muss dieser Lehrer nicht ebenso alle Schulen absolvirt haben, wie sein College runder Residenz? Und bezieht er deshalb dasselbe Gehalt wie dieser? Wird es deshalb Jemandem eingefallen sein, aus den oben angeführten Gründen bei der Creirung der hiesigen Lehrer-Präparandie gegen diese zu stimmen? Oder wird sich deshalb Derjenige, der den Beruf eines Lehrers in sich fühlt, dadurch abhalten lassen — überhaupt das Lehrfach zn wählen? Und der Gerichtsbeamte, was soll dieser erst sagen?' Dieser muss nebst den 4 Normalklassen, 8 Lateinschulen sowie 4 Universitälsjahre durchgemacht haben, um schließlich nach Ablegung des Probejahres als Adjnnct mit einem Gehalte von 600 fl. angestellt zu werden. Die Tharsache können Sie doch nicht in Abrede stellen, dass sich rrotzdem alljährlich eine große Anzahl von absolvirten Juristen bei den verschiedenen Gerichten zu diesem Amte melden! Und vergessen Sie nicht, Herr College, dass ein tüchtiger Cantor, de: etwas zu leisten im Stande ist, dass über- Haupt jedes Talent früher oder später sich Geltung zu verschaffen weiss. ,Das ist ein schlechter Soldat*, hat Napoleon I. gesagt, ״der nicht den Marschallftab in feinem Tornister trägt.^ Ich kann Ihnen wenigstens viele Cantoren nennen, die in einer kleinen Gemeinde auch die Functionen eines ,Schochet" verrichteten und trotzdem später zu großer und angesehener

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