Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1884)
- Date
- 1884-01-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 7־׳ — tigung mit der mosaisch rabb. Proceßordnung, die nun ihr Ende finden sollte? Oder wollte er vielleicht den von Lar Tapara, anläßlich des Todes Rabbis, räthselhaft geschilderten -Streit der Engel um die Bundeslade bezeichnen? — Die Nachricht von der Bedenklichkeit der Krankheit verbreitete eine allgemeine Trauer, und der Chewra Kadischa-Vorstand ließ so fort 60 der angesehensten Mitglieder schriftlich hievon verständigen, mit der Bitte, von Zeit zu Zeit den Kranken zu besuchen und ihn zu beobachten. Im Krankenhause selbst wurde eine ständige Wache von 4 Personen bestellt, der Chewra Kadischa-Vorftand wich während der ganzen Zeit nicht vom Kranken, und mehrere Verehrer des geliebten Rabbi ließen es sich nicht nehmen, bei ihm Nächte durchzuwachen. Sonntag, als am 1. Chanuka-Abende, mußte man ihm den Leuchter ins Bett bringen, er richtete sich aus. sprach laut die ברבות und zündete Chanukalicht an. Seine Söhne, Töchter, Schwiegersöhne, Enkel wurden telegraphisch berufen und trafen vollzählig ein, umstanden tagelang das Krankenbett, und warteten und pstegten voll kindlicher Zärtlichkeit den geliebten Vater. So lag Fassel 4 Tage lang immer an Kräften abnehmend und immermehr der gänzlichen Auflösung näherrückend. Dienstag befriedigte er beide Hausärzte bezüglich ihres jährlichen Honorars, und noch Nachmittags ermahnte er dieselben, ernstlich, in der Behandlung vorzugehen. Mittwoch am 26. sprach er noch leise, doch vernehmbar mit seinen Kindern, Nachmittags war noch ein leises Röcheln das Zeichen seines Lebens, doch der Puls schlug regümäßig, um 10 Uhr Abends raffte er, wie das letzte Aufflackern eines verlöschenden Lichtes, sich nochmals auf, man sah einige Minuten lang die Bewegung der rechten Hand zum Herzen, die Lippen bewegten sich krampfhaft, er sprach das Sündenbekenntniß. Endlich ging auch das Röcheln schwer, und um 12 Ubr 10 Minuten Nachts trat gänzliche Stille ein. Der Chewra Kadischa-Vorftand, welcher am Bette seines frommen Amtes gewissenhaft waltete, winkte der im 2. Zimmer sich besindlichen Versammlung, etwa 30 Personen, man trat ein, rezitirte die üblichen Gebete und nur noch 3mal zuckte der Sterbende convulsivisch zusammen, man sprach das Glanbensbekenntniß — der große Geist war ausgehaucht — vor uns lag die Leiche Hirsch B- Fassels. Tags darauf trat der Gemeinde- und Chewra Kadischa-Vorstand zusammen und berieth dem frommen Verblichenen eine seinen immensen Verdiensten würdige Bestattung, zu veranstalten. Der Gemeinde Boskowitz in Mähren, dem Geburtsorte des Verewigten, und der Gemeinde Proßnitz in Mähren, in welcher derselbe mehrere Jahre als Rabbiner wirkte, wurde sofort telegraphisch die Traueranzeige gemacht, ein Ordnungs-Comite aus 20 Personen wurde eingesetzt, welches, indem von der officiellen Berufung eines Rabbiner.s in Anbetracht, Lass ein würdiger Nachfolger bereits seit einem Jahre in Function iit. dem in erster Reihe — und dass dem Schwiegersöhne des Verblichenen als Rabbiner in zweiter Reihe ein Nachruf znkomme, Umgang genommen werden mußte — das Programm feftsetzte. Zufolge dieses Programmes wurde am 30. Deeember, Nachmittags l3/4 Uhr die Leiche, begleitet vom Rabbiner, Cantor, Chorpersonal, Fackelträgern und den Leidtragenden vom Trauerhanse in hie Vorhalle des Tempels getragen und aufgebahrt. Im schwarz׳ -ecorirten Tempel, welcher in allen seinen Räumen überfüllt war, herrschte eine außergewöhnliche Ruhe. Hier bemerkten wir außer den Rabbineu und Vertretungen der verschiedenen Gemeinden, wie Steinamanger, Keszthely, Csakathurn, Lendva, Pacsa, Kopreinitz, Warasdin, Csurgo u. s. w. u. s. w.. den Stadt-Magistrat, die Ortsgsistlichkeit, die Professoren des Gymnasiums, die Oberen der Behörde und der Gerichte und andere christliche Honoratioren rc. rc. — Die Function begann mit dem üblichen THE?, sodann bestieg Herr Oberrabbiuer Dr. Neumann die Kanzel und schilderte in kräftiger ung. Sprache die Verdienste deS Verklärten, als Gelehrten in seinen reformatorischen Leistungen im Judenthume. als Rabbiner in seiner Wirksamkeit in der Gemeinde und als seinen Vorgänger. Ratbgeber und Lehrer. Hat Herr Dr. Neumann bis heute seine Zuhörer durch den Zauber seiner Worte entzückt, so hat er durch diesen Nachruf, der an Stil, Abrundung, Inhalt, Sinn und künstlerische Rhetorik nichts zu wünschen übrig läßt, die große Versammlung hingerissen. Nach ihm hielt der Schwiegersohn des Verblichenen Herr Szteronyi, Rabbiner in Neupest, in deutscher Sprache einen würdigen Nachruf. Die Gesänge, unter Orgelbegleitung meisterhaft ausgeführt, von Herrn Obercantor Kartschmaroff und dem gemischten Chore, machten einen erhebenden Eindruck auf die Anwesenden, man merkte, man empfand es, dass die sonoren Töne des Herrn Kartschmaroff diesmal nicht nur aus der Kehle und aus der Brust, sondern auch aus dem Herzen drangen; galt es doch, die Seele seines wahren Freundes hinüber zu geleiten in das Reich der vollkommensten, ungetrübtesten Harmonie. Der Leichenzug, mit der Schuljugend und einer unübersehbaren Menge der Theilnehmer voran, bot einen imposantem Anblick dar. Vor dem Leichenwagen ging ein eigens gebauter Wagen, beladen mit den Kränzen, einher. Die Schleifen derselben zeugten wieder von der allgemeinen Verehrung des theuren Heimgegangenen. Unter den Aufschriften glänzten hervor: Die isr. Cultusgemeinde, der Frauenvsrein, die Schule, der Jugendbildungsverein, die Gymnasial-Studenten, der Lehrerverein in Budapest, Familie Gutmann de Gelse. Familie Blau, Familie Dr. Horschetcky, Somogyi, Kohn und mehrere andere. — Unmittelbar nach dem Conducte wurden von einem Schüler der 8. Gymnasial-Clafse auf einem schwarzen Polster die Orden und das goldene Verdienstkreuz getragen. Diejem folgten, dem Programme gemäß, die Leidtragenden, die Functionare, die Rabbiner, der Cultus- Vorstand, der Chewra Kadischa-Vorstand, die verschiedenen Gemeinde- Vertretungen, der Frauenverein, der Turnverein, die Feuerwehr, der Krankenverein, der Jugendbildungsverein und eine große Anzahl Equipagen und lange schon hatten die vordereu Reihen des Zuges den Friedhof erreicht, als die letzten Begleiter erst den Tempelhof verließen. Im Friedhof sprach noch Herr Dr. Lichtschein, Rabbiner in Csurgo, hier gewesener Rabbinats-Asfessor, ungarisch, er schilderte in herzlichen Worten die Verdienste seines Meisters. Zum Schlüsse richtete der Enkel des Verewigten, Herr Dr. Emil Frischauer, Hof- und Gerichts-Advocat, einen Dank an den Großvater: ,Du hast uns, sprach er, keine Schätze hinterlassen, aber einen Namen, der weit über die Gauen des Vaterlandes reicht, wir geloben Dir hier an heiliger Stätte, bevor Du unseren Augen entrückt wirst, daß wir auf's eifrigste bestrebt sein werden, diesen Namen ewig rein zu erhalten.' Hierauf folgte das Seelengebet, und die Leiche wurde unter lautem Schluchzen der Trauerschaar in das Grab gesenkt. Bezüglich der musterhaften Ordnung bei dem großen Andrange! der Theilnehmer müssen wir rühmenswerth erwähnen, den Herrn Alex. Sommer als Präsident der Chewra Kadischa und Herrn K. Ebenspanger als Obmann des Ordnungs-Comito's, und in diesen Zeilen unseren Gefühlen der Anerkennung und der Dankbarkeit für ihre Leistungen Ausdruck verleihen. Noch haben wir über die Condolenz-Telegramme und Zuschriften an die Gemeinde und an die trauernde Familie zu berichten, und obwohl jeder Tag noch immer neue bringt, so wollen wir dennoch jene, die bereits bis heute eingelaufen, erwähnen. Doch sie zählen nach Hunderten und wir müssen uns wieder nur auf die namhafteren beschränken. Noch vor der Beerdigung trafen ein von Wien: Gemeinde und Rabbinate. von Pest: Gemeinde und Rabbinat, Boskovitz, Proßnitz, Znaim, Brünn, Agram, Preßbnrg, Arad, Wesprim, Kaposvar, Kesthely, Steinamanger, Warasdin u. s. w. u. s. w. Die Familie zählt unter ihren Condolenz-Telegrammen: Dr. Jellinek, Dr. Kaiserling. Ritter Dr. Ludw. Äug. Frankel, Superintendent Dr. Haas in Teschen, Dr. v. Demel, Reichsraths-Abgeordneter. Prof. Franz Delitzsch in Leipzig und von Rabbinnen, Freunden, Verehrern des In- und Auslandes eine Unzahl. — So stirbt ein wahrer Frommer und so werden seine Verdienste gewürdigt. Möge dem Heimgegangenen der wohlverdiente Lohn auch oben nicht vorenthalten bleiben und möge ihm in den Gefilden Edens ewige Ruhe und Seligkeit beschieden sein. ."ת׳ל׳צ״ב׳׳ה Gr. .; . . . . Correfpondeuz der Nedaetion. Collezen R. in P., L. in B., Fr. in ©ג., B. für letztes Quartal 1883 gutgeschrieben. I. in K.. E. in Pr., R. in N., Ab. E. Köw., Bin M-, G. in G., Gi. in Pr., W. in A., S. in N.. Eultusvorstand-Obmann Ungin N.-M., Schl, in E.. R. in K., M. in Pr.. L. in Pr.. R. in S.. u. in W-, G. in Schl., Br. in A., Gr. in Ad.. Fr. in St., R. in Prag, Bin Gl-, Buchhandlung B. in L., St. in I., N. in Tem., Cif. in K.-Mbestätigen dankend die eingesandten Beträge. Gruß. L. in B-, Schweiz. Wir danken herzlichft für ihre Anhänglichkeil und freut uns, daß unser Blatt in Ihrem Lande sich eines großen Beifalls erfreut. Rin N. Ab. Wollen Sie jedenfalls die Arbeit senden und abwarten. Z. in C. Wir danken für den innigen Wunsch. Gruß. Ein K. Der VereinScassier wohnt I., Seitenstättengasse 4. B. in P. Eingesandten Betrag für das letzte Quartal 1883 gutgeschrieben. R. in G. Eingesandten Beitrag für das letzte Quartal gutgebucht. H. in Tirn. Eingesandten Betrag für das letzte Quartal gebucht. L. in Priw. Wir danken Ihnen herzlichft für Ihren warmen Wunsch.