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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-01-06 · Heft 1 (6.1.1884) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 1 (6.1.1884)
Date
1884-01-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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werden müsse. Doch ja, der Autor jenes Aufsatzes hat ja die Unmöglichkeit der staatlichen Anerkennung durch den fulminanten Ausspruch Seite 33 nacbgewiescn, indem er sagt: ״Ein solches Gesetz soll man aber nicht wünschen u n d w ü n s ch t man es. so i st es nicht zu er re ichen." Wenn dem so sein sollte, dann ist die vom Autor, in einem Circulare an die Mitglieder des ungarischen israelit. Beamtenvereines, seinerzeit gegebene Aufklärung über § 3 der Statuten des genannten Vereines wieder eines jener Mysterien, vor denen der gequälte Leser rathlos steht und nicht weiß, ob er sich nach den Worten oder nach den Thaten gewisser leitender Persönlichkeiten zu richten habe. 2. ,,E i n e C a n t o r e n s ch u l e kann auch jahrelang leer stehen. Die Cantoren selbst schildern ihren Stand in den g r e l l st e n F a r b en re. — u n d das sollte junge Leute verlocken, die Cantorenschule zu besuchen und sich überhaupt dem Stande z u w i d m e 11." Beim Schreiben dieser Kundgebung hatte der Autor seinen Standpunkt als Gegner einer Specialschule für Cantoren vollständig außer Acht gelassen; denn er eifert lediglich gegen das Lernen der Cantor-Candidaten. Es bedarf wahrlich keiner allzügroßen Auseinandersetzung, um den Nachweis zu liefern, dass der Schreiber, indem er im Allgemeinen gegen die rationelle Ausbildung der Cantorenjünger kämpft, gleichzeitig die Berechtiguug jener Anstalt in Frage stellt, in welcher Cantoreneleveu ' von ihm selbst unterrichtet werden, und nur diesem traurigen Widerspruche zwischen Wort und That dürfte es zuzuschreiben sein, dass jene Anstalt, wie man selbst zugesteht, im Augenblicke nur von zwei Hörern besucht wird. 3. ״Bei jeder anderen Schule werden für a l l e S ch ü l e r und C! a s s e n die V o r k e n n t ni s s e, die A u f n a h m s b e d i n g u n g e n und di e F r e q u e 11־ talionszeit v o rgc s ch r i e b e u u n d genau b e ft t nun t; wundernswerth. Hat doch vor noch nicht langer Zeit ein Herr ן aus Wien, der ihn in Philadelphia fungiren hörte, seiner Bej geisterung für Fräukel in beredten Worten Ausdruck verliehen. > (Siehe ,Oesterr.-ungar. Cantoren - Zeitung' Nr. 45. 1882, > 5. Seite.) An Prüfungen hat es iudess unserem alten Freunde nicht gefehlt. Schon seit geraumer Zeit wurde ihm fein zweites Weib vom unerbittlichen Tod entrissen und vor einigen Jahren sah er unter Anderen seine theueren Brüder Isaak und Karl und zwei Schwestern ins Grab sinken. Letzteres waren harte Schläge für sein treues Bruderherz; er aber blieb standhaft in seinem Schmerze und so steht er noch heute frisch und ungebeugt, ein hoch aufgerichteter Greis.צדיק כתמר יפרה וכד. Dr. Iastrow drückte ihm deshalb schon wiederholt seine Bewunderung mit den Worten aus: ,Frankel, Sie sind und bleiben mir ein Näthsel!" Mögest Du tharkräftiger Mann noch lange ein Räthfel in diesem Sinne bleiben; möge Gott Dick gesund erhalten und Dir den Abend Deines Lebens durch ungetrübtes Glück versüßen und es zur Wahrheit werden, was die Schlußworte des zu Deinem 75. Geburtstage von E. Braunschweig Dir gewidnieten Gesanges *) sagen, welchen ich hier vollständig wiedergebe: ,Des Menschen Leben — siebzig währt es nur; Wenn hoch es kommt, so dauert's achtzig Jahre, Und von der Wiege bis zur Bahre Jft's Müh' und Kummer, von Freude kaum die Spur. beim Cantorate ist einzig und allein die Gabe der Natur für den Erfolg des Unterrichtes maßgebend. Große Lei st un gen, besonders poetische Natur, kann man nicht erlernen, dazu gehört eine Unmittelbarkeit rc." Hier betritt der Autor das pädagogische Gebiet. Stammten diese Anschauungen von einem Lehrer, so wären dieselben unfaßbar, allein ein Cautor muss kein Pädagoge sein und kann, ohne sich zu blamiren, Aehnliches bebaupten. Es gibt eine Hochschule für Schneider, eine Akademie der Kochkunst re. Wir können es uns jedoch unmöglich vorstellen, daß zur Aufnahme in eine der erwähnten oder in eine beliebig andere Lehranstalt keinerlei Vorkentniße verlangt, keinerlei Aufnahmsbedingungen gestellt, keine Frequentationszeit präcisirt werden sollte — solche paradiesische Zustände hält der Autor jener erschütternden Wahrheiten lediglich der Cantorenakademie zu Gute. Also, ein Eleve für die Cantorenschule braucht keinerlei Vorkenntniße zu haben, ihn bindet keine Bedingung, nicht das Absolviren gewisser Schulfahre. Nun zu einer Lehranstalt mit solch' goldenen Freiheiten müßte doch, nach menschlicher Berechnung, der Zudrang der Zöglinge ein geradezu immenser sein, und dennoch heißt es ausdrücklich, es wären jetzt an jener Lehranstalt nur der Hörer Zwei. Das fasse, wer es fassen kann; unseres Erachtens muß da an einer anderen Stelle eine Schraube locker sein. Allein dieses Verzichten auf jedwede Vorbedingung bei denjenigen Jünglingen, die sich unserem heiligen Stande widmen wollen, kann auch nur von Demjenigen acceptirt werden, der der Mi twelt den logischen Schnitzer oktroiren möchte: , B e i m C a n t o r a t e i st einzig und allein die Gabe der Natur für den Erfolg des Unterrichtes maßgeben d." Man kann sich noch so sehr anstrengen, die Wortfolge des voranstehenden Satzes, einem Kaleidoskop gleich, zu verschieben, es ist unmöglich einen anderen Sinn herauszufinden, als die Dem müden Pilger winkt die letzte Ruh': Rasch ist es abgescbnilten, dem Ziele fliegt er zu." Doch also nichr der Fromme! »Er wächst der Palme gleich, Wie Ceder Libanons schießt er empor. Gepflanzt im Hause Gottes, grünt er vor seinem Thor; Im höchsten Alter steht er blüthenreich. Stets frisch und saftvoll wirkt er fort, Zu lehren, dass der Herr gerecht und tadellos sein Hort!״ So hast auch, Edler, Du gelebt, gehofft, gerungen! Der Jahre fünfund sie bzig sind es heute; Trotz Müh' und Kummer blüht' Dir manche Freude. Du wurd'ft nicht müd' und matt, trotz jahrelangen Ganges, Zum Herrn Dich aufzuschwingen auf Flügeln des Gesanges. Die Krön' des Greisenalters, sie wurde Dir zu Theil: »Gefunden wird sie auf der Tugend Pfad!" Den wandelt'st Du, und Freundes Herz und Rath Fand bei Dir Jeder! D'rum wünschen Alle Heil Und Glück und Segen zu dem frohen Feste, Aus seiner Gnadenfüll' verleih' er Dir das Beste! Dies ist mein Wunsch! — O mög' er sich erfüllen Zum Guten Dir und die mit Dir verbunden — Dass, wenn das vierte Viertel Dir entschwunden Und Hundert Du erreicht nach Gottes Willen: Aus voller Brust erschall' Dein Lied dem heiligen Namen! Preis Gott, der diesen Tag gemacht! Hallelujah — Amen *) ״Deborah" Nr. 1, 1883.

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